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31.01.2003

09:52 Uhr

Noch haben ökologisch ausgerichtete Fonds nur einen geringen Einfluss

Effekt ethischer Investments ist oft nur indirekt messbar

VonFrank Wiebe

Über Werte lässt sich trefflich streiten - was heißt schon "Sünde"? Aber selbst wenn Einigkeit über Gut und Böse besteht, bleibt die Frage offen, wie man dem Guten dient. Und diese Frage ist bei der Geldanlage gar nicht so einfach zu beantworten.

DÜSSELDORF. Puristen setzen auf reine Spendenmodelle, bei denen ein Teil des Ertrags direkt für einen guten Zweck gespendet wird. Da ist klar, wie die Förderung funktioniert - aber diese Fonds sind selten. Die meisten Konzepte sehen anders aus - ethische Fonds oder Ökofonds legen in der Regel das Kapital in Unternehmen an, die sie förderungswürdig finden - oder sie meiden bewusst bestimmte Branchen oder Gesellschaften. Doch was hat das für einen Effekt?

Theoretisch ist die Wirkung des Investments bei reinen Kapitalmodellen gleich Null. Denn weil trotz der weit verbreiteten Ökowelle die entsprechenden Fonds nur einen kleinen Marktanteil haben, beeinflussen sie den Kapitalmarkt kaum. Das heißt aber: "Gute" und "böse" Unternehmen finanzieren sich zu denselben Konditionen. Natürlich mag der Anleger darauf hoffen, dass irgendwann seine ethischen Ideen eine größere Bedeutung bekommen und daher letztlich auch den Markt beeinflussen. Aber dazu würde schon eine sehr langfristige Einstellung gehören.

Zum Glück zählen auch in der Finanzwelt nicht nur die harten Fakten. Der größte Vorteil von ethischen Fonds ist, dass ihr Management - wie andere Großanleger auch - relativ gute Kontakte zu den Unternehmen aufbauen kann. Außerdem sind die Börsengesellschaften auf ihr Image bedacht. Eine Diskussion mit dem Vorstand z.B. über Umwelt- oder Sozialstandards kann daher schon etwas bewegen.

Dieser weiche Faktor ist viel wichtiger als die theoretische Auswirkung auf den Markt. Er funktioniert besonders dann, wenn der Fonds nicht automatisch bestimmte Branchen aussortiert, sondern innerhalb eines jeden Bereichs z.B. die "Nachhaltigkeit" bewertet und dazu gezielt Fragen stellt. Eine reine Finger-Weg-Strategie schafft dagegen kaum die Möglichkeit zu Diskussionen.

Ähnliche Überlegungen lassen sich auch bei geschlossenen Fonds anstellen. Wer Anteile an einem Windkraftfonds zeichnet, fördert die Windkraft - jedenfalls theoretisch. So lange diese Fonds mit genügenden Steuervorteilen ausgestattet werden, kann sich der "Ethiker" aber getrost darauf verlassen, dass der Fonds auch ohne ihn gezeichnet wird - trotz der oft hohen Risiken dieser Fonds, die Anleger praktisch zum Mitunternehmer machen.

Sinnvoller ist es da, gezielt in Projekte zu investieren, die sonst nur schwer Zugang zu Geldquellen haben. Dies versucht zum Beispiel die niederländische Genossenschaft Oikocredit, die wirtschaftliche Projekte in Schwellenländern mit Kleinkrediten unterstützt - und damit eine Lücke füllt, weil viele Menschen dort keine anderen Möglichkeiten haben, Geld zu bekommen. Die Rendite ihrer Anlagen ist allerdings gering und das Risiko nicht zu unterschätzen, obwohl Oikocredit bisher einigermaßen erfolgreich war. Aber: Ethik ganz ohne Verzicht bleibt häufig Augenwischerei.

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