Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.01.2003

18:39 Uhr

Noch kein Beschluss gefasst

USA bitten Nato um Unterstützung bei Irak-Krieg

Die Bündnispartner sollen den amerikanischen Truppen im Falle eines Krieges beistehen - eine direkte Beteiligung an Kämpfen wurde aber nicht angefragt.

rtr BAGDAD/BRÜSSEL. Die USA haben die Nato nach Angaben aus Bündniskreisen um Unterstützung im Falle eines Irak-Krieges gebeten. Eine direkte Beteiligung an Kämpfen in Irak sei dabei nicht angefragt worden, sagten Nato-Diplomaten am Mittwoch in Brüssel.

Die 19 Nato-Botschafter hätten die Anfrage der USA diskutiert, ohne Beschlüsse zu fassen. Sie werde nun den nationalen Regierungen übermittelt. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) erhöhte den Druck auf Irak zur Zusammenarbeit mit den UNO-Waffeninspektoren, während Großbritannien weitere Truppen in die Golfregion entsandte.

Die USA hätten am Dienstag der Nato eine Wunschliste übergeben, hieß es in Nato-Kreisen. Die sechs Punkte umfassende Bitte der USA beziehe sich auf den Schutz der Türkei sowie auf die Nutzung des Luftraumes und von Häfen und Militärbasen der Verbündeten. Zum Schutz der Türkei hätten die USA um die Verlegung von AWACS-Frühwarnflugzeugen und Patriot- Flugabwehrsystemen gebeten. Die Türkei gilt als ein Ausgangspunkt für Angriffe gegen Irak. Bundeskanzler Gerhard Schröder hat erklärt, in Falle eines Kriegs würden auch Bundeswehrsoldaten zum Schutze des Nato-Bündnisgebietes in AWACS-Flugzeugen Dienst tun. Das Auswärtige Amt in Berlin und das Bundesverteidigungsministerium teilten übereinstimmend mit, ihnen sei keine Anfrage bekannt.

Irak müsse "einen Gang zulegen", sagte IAEA-Direktor Mohamed ElBaradei in Moskau. Die passive Zusammenarbeit müsse in eine aktive übergehen. Die Waffenkontrollen in Irak würden in den kommenden Wochen auch auf Basis von Informationen aus anderen Staaten ausgeweitet. Die Informationen könnten etwa auf Waffenlager und-produktionsstätten hinweisen. Auf ihrer Suche nach Massenvernichtungswaffen kontrollierten die UNO-Inspektoren erneut einen Palast von Präsident Saddam Hussein.

Im Hafen von Plymouth gingen unterdessen Einheiten der Royal Marines an Bord des Hubschrauberträgers "HMS Ocean". Die "Ocean" soll am Donnerstag auslaufen. Die USA und Großbritannien haben zehntausende Soldaten in die Golfregion verlegt. Es ist für Großbritannien die größte Streitmacht von Seelandetruppen seit 20 Jahren.

Aus US-Regierungskreisen verlautete, US-Präsident George W. Bush und der britische Premierminister Tony Blair träfen sich am 31. Januar in den USA. Der Termin liegt vier Tage nachdem der Chef der UNO-Waffeninspektoren, Hans Blix, dem UNO Sicherheitsrat - einen Zwischenbericht über die Arbeit seiner Mitarbeiter vorlegen soll. Großbritannien gilt als der engste Verbündete der USA im Irak-Konflikt. Irak ist das Land mit den zweitgrößten Öl-Vorkommen der Welt. Wegen der Irak-Krise und dem Generalstreik in Venezuela stiegen auch am Mittwoch die Ölpreise.

Zwischen den Ländern der Europäischen Union (EU) gab es erneut Uneinigkeit darüber, ob vor einem Militäreinsatz eine neue Resolution des Sicherheitsrats notwendig sei. "Die jetzige Resolution sagt, dass Irak mit "ernsten Konsequenzen' leben muss, wenn es die Anweisungen des Sicherheitsrats nicht befolgt", sagte Spaniens Ministerpräsident Jose Maria Aznar. "Sie sagt nicht, "Wenn das irakische Regime nicht seine Verpflichtungen einhält, wird es eine neue Resolution geben'." Blair deutete vor dem Parlament in London an, selbst bei einem "ungerechtfertigtem Veto" des Sicherheitrates gegen einen Krieg könne es einen Militärschlag geben.

Dagegen haben Frankreich und Deutschland sich für eine neue Resolution ausgesprochen. Spanien und Deutschland haben zurzeit Sitze im Sicherheitrat. Die USA und Großbritannien - wie Frankreich ständige Mitglieder des Rates - haben mit einem Militärschlag gedroht, sollte Irak die Abrüstungsvorgaben des Rates nicht erfüllen. Irak hat Vorwürfe zurückgewiesen, es verfüge über Massenvernichtungswaffen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×