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20.02.2002

19:01 Uhr

Noch keine Markterholung

Dell will in Deutschland Compaq und HP überholen

VonJoachim Hofer

Die Frage, welches Ziel sein Unternehmen in Deutschland verfolgt, ist für Michael Dell fast eine Beleidigung. "Wir wollen überall die Nummer eins sein", sagte der Chef des PC-Herstellers Dell Computer Corp. am Mittwoch im Gespräch mit dem Handelsblatt.

MÜNCHEN. Im weltweiten Vergleich ist den Amerikanern dies bereits gelungen. Hier zu Lande liegt Dell nach Angaben der Marktforscher von IDC allerdings nach Fujitsu Siemens Computers (FSC), Compaq Computer Corp. und Hewlett-Packard Co. (HP) erst auf Rang vier. Mit weniger als 7 % Marktanteil ist Dell meilenweit entfernt von FSC mit rund 21 %.

Firmengründer Michael Dell hat seinen deutschen Managern für die kommenden Monate deshalb vergleichsweise bescheidene Vorgaben gemacht: "Das nächste Ziel ist ein Marktanteil von zehn Prozent." Damit läge Dell immerhin vor den amerikanischen Wettbewerbern Compaq und HP. Erst langfristig soll Dell auch in Deutschland die Spitze übernehmen.

Dell holt zügig auf. Im Gegensatz zu FSC und Compaq hat Dell vergangenes Jahr kräftig zugelegt und rund ein Drittel mehr Computer verkauft als im Jahr 2000. Bis dahin hatte Dell Deutschland allerdings stark vernachlässigt, wie der Firmenchef zugeben muss: "Das alte Management hatte einfach unser Geschäftsmodell nicht verstanden. Und die deutschen Firmen haben früher viel stärker bei ihren lokalen Anbietern eingekauft."

Dell vertreibt seine Computer ausschließlich über Internet und Telefon - also ohne eigenes Händlernetz. Sämtliche Geräte werden erst dann zusammengesetzt, wenn dafür eine Bestellung vorliegt. Das führte in der Vergangenheit zu erheblichen Kostenvorteilen, da die Preise für Komponenten fast täglich fielen. So ist es der Firma gelungen, erheblich profitabler zu arbeiten als die Konkurrenz.

In seiner Einschätzung der Lage der Branche liegt Dell allerdings voll auf der Linie der Wettbewerber: Auch Michael Dell sieht keinen schnelle Erholung des schrumpfenden Computer-Marktes. "Wir werden 2002 nur dann ein Wachstum sehen, wenn die Wirtschaft gegen Ende des Jahres noch abhebt," sagt der ansonsten optimistische Amerikaner. Das passt zur zurückhaltenden Aussage von FSC-Chef Adrian von Hammerstein: "Derzeit kann man einen Aufschwung nur vermuten."

Analysten fragen sich schon länger, ob Dell das profitable Wachstum trotz der anhaltenden globalen Konjunkturschwäche fortführen kann. Immerhin kletterte die Umsatzrendite des Konzerns zuletzt von 6,8 % auf 7,4 % - während andere Wettbewerber tief in die roten Zahlen rutschten, konnte Dell also noch zulegen.

Die geplante Fusion von Compaq und HP mache seiner Firma das Leben momentan etwas leichter, sagt der Texaner. "Unsere Kunden erwarten Stabilität. Deshalb profitieren wir von der Ungewissheit, ob der Zusammenschluss zustande kommt." Die endgültige Entscheidung über die Fusion wird erst in den nächsten Wochen fallen.

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