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14.06.2000

16:10 Uhr

dpa BERLIN. Tennis Borussia Berlin erhält vorerst keine Lizenz für die kommende Saison der 2. Fußball-Bundesliga. Die 6. Zivilkammer des Landgerichts Frankfurt/Main hat am Mittwoch eine Klage des Berliner Vereins gegen den Entzug der Lizenz durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) zurückgewiesen. Nach einer mündlichen Verhandlung von gut 90 Minuten folgte das Gericht der Argumentation des DFB, der einen Gang vor ein staatliches Gericht als unbegründet ansah. Die Berliner hatten sich an die Justiz gewandt, nachdem ihnen der DFB am Montag vergangener Woche die Lizenz verweigert hatte und das mit fehlender wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit begründete. Damit verbleiben vorerst die Stuttgarter Kickers als sportlicher Absteiger in der zweiten Liga. Allerdings kann TeBe innerhalb eines Monats nach Zustellung des Urteils Berufung beim Oberlandesgericht Frankfurt einlegen.

Tennis Borussia Berlin hatte im Lizenzentzug durch den DFB eine Ungleichbehandlung des Vereins gegenüber anderen, fast vermögenslosen Mitbewerbern gesehen und war deshalb vor Gericht gezogen. DFB - Vizepräsident Gerhard Mayer-Vorfelder hatte dem Berliner Gang vor ein Ordentliches Gericht schon in der vergangenen Woche wenig Aussicht auf Erfolg vorausgesagt. Liga-Direktor Wilfried Straub habe ihm versichert, dass der Fall "wasserdicht" sei.

DFB-Pressechef Wolfgang Niersbach war in seiner Kritik sogar noch weiter gegangen. "Wir halten dies nicht für den richtigen Weg. TeBe hätte sich an das unabhängige Schiedsgericht des Verbandes wenden müssen", sagte Niersbach. Vereinschef Erwin Zacharias hingegen monierte die Zusammensetzung des Schiedsgerichtes. "In diesem Gremium besitzt der DFB immer eine 2:1-Mehrheit. Da besteht keine Chancengleichheit", begründete der TeBe-Präsident die Umgehung der Instanz. Der DFB habe bei seiner Prüfung die Vermögenssituation der Fußball-Kapitalgesellschaft unberücksichtigt gelassen: "Wir verfügen aktuell über ein wirtschaftliches Eigenkapital von gut 20 Mill. DM."

Eine derartige Vermögensposition übersteige bereits die kalkulatorischen Etat-Unterdeckungen für die kommende Saison. Gefordert werden in den DFB-Statuten lediglich fünf Mill. DM als Grundlage zur Bildung einer Kapitalgesellschaft. Der DFB hatte von TeBe aber eine Bankbürgschaft über rund 20 Mill. DM zur Deckung des Etats gefordert, der Verein hatte nur die Bürgschaft seines Hauptsponsors Göttinger Gruppe vorgelegt.

"Das Gericht konnte jedoch keine greifbare Gesetzes- oder Satzungswidrigkeit in der Maßnahme des DFB erkennen. Ein sachlicher Grund für das Beharren des DFB auf einer Bankgarantie bestehe darin, dass der DFB nicht in der Lage sei, die Bonität eines anderen Unternehmens zuverlässig beurteilen zu können", heißt es in einer Pressemitteilung des Gerichtes zu dem Urteil.

Tennis Borussia ist der neunte Club der ersten oder zweiten Liga, der aus wirtschaftlichen Gründen keine Lizenz erhält. TeBe hat bereits einen Vorgänger aus der Hauptstadt. Blau-Weiß 90 war 1992 in Konkurs gegangen.

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