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07.01.2002

09:46 Uhr

Norddeutsche Affinerie bietet Aktionären attraktive Rendite

Ein Erfolgsrezept zum Abkupfern

VonLutz Beukert

Kupfer klingt kaum nach großem Geschäft. Doch die Norddeutsche Affinerie beweist, welches Potenzial im braunen Metall steckt. Den Erfolg verdankt Europas führender Kupferkonzern nicht nur straffem Kosten- und Umweltmanagement. Auch die Abteilung Investor Relations leistet gute Arbeit.

HB HAMBURG. Werner Marnette strahlt. Walt Disneys Entenkrösus Dagobert Duck ähnlich schaufelt der Vorstandschef der Norddeutschen Affinerie (NA) mit beiden Händen in einer Kiste voller Münzen. Doch es ist nicht der Geldwert, der Marnette während der Szene im Hamburger Industriegebiet Peute fasziniert. Es ist das Metall: Kupfer!

Das Ende der Mark kommt dem promovierten Metallurgen wie gerufen. "Die D-Mark geht, der Euro kommt, das Kupfer bleibt", beschreibt Marnette die Recyclingfähigkeit des Grundstoffs. Die "Affi", wie der Konzern in Hamburg heißt, profitiert von der Währungsumstellung, denn sie ist immer mit dabei: vom Einschmelzen der Pfennige bis zum Walzen des Metalls zum dünnen Münzband, aus dem Euro und Cents geprägt werden. Dafür sorgt der von Marnette eingefädelte Kauf der Stolberger Prymetall, die unter anderem Münzband herstellt.

Mit dieser jüngsten Übernahme rückt NA näher an die industriellen Endkunden und bietet nicht mehr nur Rohware - daumendicken Walzdraht und tonnenschwere Kupferblöcke - an, sondern auch Feinmaterial: Dünne Kupferbänder und-bleche, die zu Kontakten, Steckern oder Münzen weiterverarbeitet werden. "Die Affinerie erschließt sich ein enormes Potenzial", kommentiert Analyst Frank Laser von der Berenberg Bank den Schritt.

Die NA beweist damit, dass Kupfer auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten goldenen Boden haben kann. Seit dem Börsengang 1998 versucht das Unternehmen den eigenen Wert zu steigern - und das nicht nur durch Zukäufe. "Continuous improvement" - ständige Verbesserung - , so lautet die Marnettes Marschrichtung hin zu mehr Produktivität. Beispiel: Mit Hilfe neuer Techniken senkte der Konzern den Energieverbrauch um ein Fünftel und verbraucht dabei drei Viertel weniger Trinkwasser.

Der Zwang zum Umrüsten kommt nicht nur von der Kostenseite: NA liegt mitten in Hamburg, drei Kilometer vom Zentrum entfernt, und es ist noch nicht lange her, dass die Hamburger die Affinerie "Dreckschleuder" nannten. Doch das ist Geschichte. Dank Millioneninvestitionen wurde "Affi" sauber.

Konzernchef Marnette baute NA zugleich aus: die Kapazität bei Kupferkonzentrat steigerte er auf 1 Mill. Tonnen jährlich. Nur knapp ein Jahr nach diesem Schritt weiß er schon, wo es den nächsten Engpass auszubügeln gilt. Im Jahr 2003, beim nächsten planmäßigen Stillstand der Rohhütte, steht die erneute Ausbau der Kapazität an.

"Industrielle Logik" - so lautet das Motto des selbstbewussten NA - Chefs bei Übernahmen. So integrierte der Konzern einen Mitbieter auf dem Einkaufsmarkt für Kupferschrott, der bisher die Preise nach oben trieb. Auf der Verkaufsseite sorgte Marnette ebenfalls für Preisstabilität: NA kaufte im Jahr 2000 den Wettbewerber Hüttenwerke Kayser AG in Lünen. Mit dem neuen Standort rückte NA zugleich an die Kunden im Ruhrgebiet heran.

Näher an den Endabnehmern ist der Konzern seit der Übernahme von Prymetall in Aachen - Marnette nennt dies "Vorwärtsintegration". Doch zukaufen will er nicht um jeden Preis: "Wachstum muss bezahlbar bleiben." So scheiterte etwa die Beteiligung an einem Werk in Südeuropa an den Preisvorstellungen der Verkäufer.

Die Aktionäre halten dem börsennotierten Metallkonzern bislang die Treue - nicht zuletzt dank der vorbildlichen Investor-Relations-Arbeit, die mehrfach Preise einheimste. Zu den Großaktionären gehört die Lübecker Possehl-Gruppe, die die Hüttenwerke Kayser gegen 10 % der NA-Aktien eingetauscht hat. Einen Anteil in gleicher Höhe hält die amerikanische OMG Inc., die Dresdner Bank ist mit 8 % an der Affinerie beteiligt.

Marnette treibt die Sorge, dass sich Finanzinvestoren in den Konzern einkaufen und ihn auszuschlachten oder in eine Lähmung zurücktreiben, wie sie zu Zeiten der alten Großaktionäre herrschte. Marnette pflegt daher den Kontakt zu Anteilseignern und Analysten, die mitunter ins Werk eingeladen werden. Der Erfolg spricht für ihn: "Nennen Sie mir ein Unternehmen, dass in diesem Jahr eine so attraktive Rendite wie die Affinerie zahlt," lobt Analystin Anke Peters von der Vereins und Westbank. - Die Affinerie sei ein "Dividendenpapier für Privatanleger" - die Dividendenrendite erreicht wieder glatte 6 %.

So stuft Peters den Konzern auf "Übergewichten" ein und nennt als Kursziel 18 Euro. Damit würde der Kupferkonzern für Aufkäufer teuer. Denn bis auf 14 Euro hat sich die "Affi" schon hochgearbeitet.

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