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26.06.2000

12:31 Uhr

Nordirland

IRA öffnet erstmals Waffenlager für Inspekteure

Der britische Premierminister Tony Blair und sein irischer Kollege Bertie Ahern zeigten sich optimistisch über den Fortschritt im Friedensprozess.

Reuters LONDON. Die IRA hat erstmals ihre geheimen Waffenlager den internationalen Inspekteuren geöffnet und damit für einen Durchbruch im nordirischen Friedensprozess gesorgt. Eine Reihe von Depots seien inspiziert und die Waffen und Sprengstoffe sicher verwahrt vorgefunden worden, teilten die beiden Inspekteure Martii Ahtisaari und Cyril Ramaphosa am Montag in London in ihrem Bericht mit. Der britische Premierminister Tony Blair und sein irischer Kollege Bertie Ahern äußerten sich optimistisch über den Fortschritt im Friedensprozess. Die Entwaffnung der Untergrundorganisationen und die Inspektion der Waffenlager sind Bedingungen des Friedensabkommens vom Karfreitag 1998.

Sie seien zufrieden, dass die Irisch-Republikanische Armee (IRA) mit den Inspekteuren zusammengearbeitet habe, schrieben der frühere finnische Präsident Ahtisaari und der ehemalige Generalsekretär der südafrikanischen Regierungspartei ANC, Ramaphosa. In den Depots lagere "eine beträchtliche Anzahl" von Waffen, Sprengstoffen und weiteren militärischen Ausrüstungsgegenständen, hieß es in dem Bericht an die britische Regierung. Waffen und Sprengstoff könnten nicht verwendet werden, ohne dass die Inspekteure dies bemerkten. Ahtisaari und Ramaphosa kündigten an, die Lager in regelmäßgen Abständen erneut zu inspizieren.

Die IRA bestätigte die Inspektionen. Sie habe wieder Kontakt zur internationalen Entwaffnungskommission aufgenommen, die von dem kanadischen General im Ruhestand, John de Chastelain geleitet wird.

Blair äußerte sich optimistisch über die Entwaffnung der irischen Untergrundorganisationen. Dies sei ein großer Schritt auf dem Weg zum Frieden in Nordirland, sagte Blair in London. Auf die Frage, ob er abschätzen könne, wann die Entwaffnung der IRA abgeschlossen sei, sagte Blair, er glaube nicht, dass man einen genauen Zeitpunkt benennen könne. Aber es sehe etwas besser aus als noch vor einigen Monaten.

Auch Ahern sprach von einem großen Schritt hin zu einer Lösung der Waffenfrage, die die Friedensbemühungen belastet habe. Die Depots würden versiegelt und wiederholt kontrolliert, sagte Ahern. Damit werde die Entwaffnung hoffentlich erfolgreich beendet.

Die Ulster Unionisten begrüßten den Durchbruch als ermutigend. Die Inspektionen seien ein erster Schritt dahin, dass die IRA-Depots nicht mehr benutzt oder auf Dauer unbrauchbar gemacht würden, sagte der Sicherheitsexperte der pro-britischen Partei. Er habe den Eindruck gehabt, die IRA habe jede Ausrede genutzt, um den Tag der Inspektionen zu vermeiden.

Die IRA hatte sich bereit erklärt, ihre Waffen in versiegelten Depots abzulegen, um es internationalen Beobachtern zu ermöglichen, die Entwaffnung zu kontrollieren. Die britische Regierung hatte zuvor die Frist für die Entwaffnung um ein Jahr auf Juni 2001 verlängert. Damit wurde der Streit um die Entwaffnung der nordirischen Untergrundorganisationen beigelegt, der zur zeitweiligen Aussetzung der nordirischen Regionalregierung geführt hatte. An der Regionalregierung, die im Februar nach nur 72 Tagen im Amt von der britischen Regierung in London vorübergehend entmachtet worden war, sind pro-irische und pro-britische Parteien beteiligt. Die Regionalregieurng ist Teil des Friedensabkommens vom Karfreitag 1998. Durch Terror und Gewalt starben in den vergangenen drei Jahrzehnten rund 3600 Menschen.

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