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24.01.2008

15:40 Uhr

Handelsblatt: Frau Minister, viele Länder fürchten sich vor ausländischen Staatsfonds und planen spezielle Abwehrinstrumente. Ist die Sorge berechtigt?

Halvorsen: Ganz klar nein. Ich kann zwar nur für Norwegen sprechen, aber vor unserem Rentenfonds muß sich niemand fürchten.

Warum?

Norwegen gilt aus verschiedenen Gründen als Vorbild für das Management von Staatsfonds. So zeichnet sich der norwegische Fonds durch ein hohes Maß an Transparenz aus: Beteiligungen an anderen Unternehmen sind beispielsweise auf maximal fünf Prozent begrenzt. Und was besonders wichtig ist, der norwegische Staatsfonds tritt als reiner Finanzinvestor auf - ohne jedes strategisches Interesse.

Wie oft hat sich die norwegische Regierung schon eingeschaltet?

Noch kein einziges Mal. Die Politik hält sich bei Anlageentscheidungen komplett raus. Zusammen mit dem Parlament legt die Regierung nur die generellen Leitlinien für den Staatsfonds fest, Einfluß auf konkrete Investitionsvorhaben nehmen wir nicht.

Das ist nicht überall der Fall. Sollten sich auch andere Staatsfonds mehr Transparenz verschreiben und die Politik heraushalten?

Das wäre sehr hilfreich. Alle Staatsfonds würden davon profitieren, wenn sie ihr Geschäft transparenter machten. Bisher muß man aber feststellen, dass sich auch die Staatsfonds, die nicht als spezieller Rentenfonds wie in Norwegen ausgerichtet sind, vor allem an Renditezielen orientiert und die Entwicklung der Finanzmärkte stabilisiert haben.

Woher kommt dann der schlechte Ruf der Staatsfonds?

Es ist wirklich erstaunlich - man mag uns nicht, will aber unser Geld. Ich kann mir auch nicht erklären, warum die Staatsfonds plötzlich in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses geraten sind. Bisher gibt es überhaupt keinen Fall, der Anlass zu Kritik gibt. Dass einige amerikanische Banken gerade erst Beteiligungen von Staatsfonds akzeptiert haben, sollte die Kritiker als Beleg für die Qualität der Fonds sehen.

Wo hat der norwegische Staatsfonds sein Vermögen angelegt?

Wir halten Beteiligungen an ungefähr 7000 Unternehmen weltweit. Auch in deutsche Firmen haben wir investiert. Eine Konzentration auf bestimmte strategische Branchen gibt es nicht, das verbietet sich als Finanzinvestor.

Die Finanzminister der G7-Staaten wollen die Staatsfonds bestimmten Verhaltensregeln unterwerfen. Ist das notwendig?

Wir unterstützen den Vorschlag und arbeiten mit dem Internationalen Währungsfonds eng zusammen, um Verhaltensregeln für Staatsfonds aufzustellen. Ein solcher Schritt kann sicher beruhigend wirken. Ich bin optimistisch, dass wir uns noch in diesem Jahr auf einen gemeinsamen Standard verständigen können.

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