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15.01.2001

09:53 Uhr

Notschlachtungen werden überprüft

Schröder lässt Schweizer Modell untersuchen

Bundeskanzler Gerhard Schröder lässt die umstrittene Praxis der Notschlachtung einer ganzen Rinderherde mit einem BSE-Fall derzeit überprüfen. Es werde momentan untersucht, ob das so genannte Schweizer Modell, wonach nur Rinder aus dem gleichen Jahrgang wie das BSE-Tier getötet werden, verantwortbar sei, sagte der SPD-Vorsitzende am Sonntagabend in der ARD. Solange dies nicht sicher geklärt sei, müsse weiterhin die ganze Herde geschlachtet werden.

ap FRANKFURT/MAIN. Mit Nachdruck sprach sich Schröder für eine Umkehr in der Landwirtschaftspolitik aus. Künftig sollten Verbraucherinteressen und die Wünsche der Käufer im Zentrum der Agrarpolitik stehen. Das liege auch im Interesse der Bauern, weil diese angesichts der BSE-Krise ohne neues Kundenvertrauen Absatzeinbußen riskierten. Die bisherige Klientelpolitik des Agrarministeriums müsse ein Ende haben.

Schröder forderte, die Agrarpolitik in Deutschland und der EU solle künftig vom Verbraucherinteresse und der Lebensmittelsicherheit bestimmt werden. Dabei sei auch der Bauernverband zur Mitarbeit aufgerufen. Wer sich quer stelle, müsse mit seiner Gegnerschaft rechnen.

Merkel: Veränderungen in der Agrarpolitik nur mit den Bauern möglich

Die CDU-Chefin Angela Merkel kritisierte, Schröder treibe einen Keil zwischen die Bauern und die Verbraucher. Die notwendigen Veränderungen in der Agrarpolitik könnten nur gemeinsam mit den Bauern und nicht gegen sie durchgesetzt werden, sagte sie am Sonntagabend im ZDF. "Es ist vollkommen inakzeptabel, wenn man jetzt die Bauern zum Buhmann der Nation macht."

Schröder betonte, er wolle der "der bäuerlichen Arbeit ihre Würde zurückgeben". Ziel sei es, künftig den Naturschutz und naturnahe Produktion stärker bei der Vergabe von Subventionen zu berücksichtigen. Hier hinke Deutschland anderen EU-Staaten deutlich hinterher. Bis zum Jahr 2010 solle der Ökolandbau in Deutschland einen Anteil von zehn Prozent haben. Allerdings müssten die Verbraucher für qualitativ hochwertige und gesunde Lebensmittel auch mehr bezahlen, fügte der SPD-Vorsitzende hinzu.

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