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23.01.2001

13:54 Uhr

Notwendigkeit entfallen

Trittin stoppt Atomtransport nach Ahaus

Der für März geplante Castor-Transport ins münsterländische Zwischenlager Ahaus ist gestoppt. Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) ordnete am Dienstag an, dass abgebrannte radioaktive Brennstäbe am Atomkraftwerk Neckarwestheim (Baden-Württemberg) ohne einen vorherigen Abtransport von Castor-Behältern gelagert werden dürfen. Daraufhin betonten die Betreiber des Kernkraftwerkes, der Transport der sechs bereits beladenen Castoren sei vorerst nicht mehr erforderlich. Die Entscheidung wurde von der rot-grünen Koalition in Düsseldorf mit Erleichterung aufgenommen.

adx DÜSSELDORF/BERLIN. Durch die Entscheidung Trittins dürfen in Neckarwestheim abgebrannte Brennstäbe zur Abkühlung ins so genannten Nasslager gebracht werden, ohne das zuvor bereits abgekühlte alte Brennelemente abtransportiert werden. Dies stelle keine Überschreitung der genehmigten Kapazitätsbeschränkung dar. Die baden-württembergische Landesregierung hatte dieses Vorgehen nach Angaben eines Sprechers des Bundesumweltministeriums dagegen verweigert.

"Ich begrüße, dass das Bundesumweltministerium die schnelle Entscheidung sucht, damit der Atommüll in Baden-Württemberg bleibt", sagte Innenminister Fritz Behrens (SPD). Der Minister betonte, dass der vielzitierte akute Notstand in Neckarwestheim offenbar nicht bestehe. Damit werde immer rätselhafter, warum die Verantwortlichen in Baden-Württemberg diesen "unnötigen Atommülltransport" nicht von sich aus gestoppt haben. Der SPD-Politiker hatte der Landesregierung in Stuttgart seit Tagen vorgeworfen, sie zögere die Entscheidung um die Atomtransporte wegen des anstehenden Landtagswahlkampfes hinaus.

Betreiber des Atommeilers begrüßten die Anordnung

Die NRW-Grünen zeigten sich "hocherfreut" über die Entscheidung ihres Parteikollegen in Berlin. Dies zeige, dass sich der Widerstand gegen den Transport auf allen Ebenen gelohnt habe, sagte ein Parteisprecher. SPD-Fraktionsvorsitzender Edgar Moron sprach von einer "Entscheidung der Vernunft". "100 Mill. Mark für einen unnötigen Transport, die damit verbundene Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und der Einsatz tausender Polizeibeamter unter schwierigen Bedingungen, das wäre keinem Menschen mehr klar zu machen gewesen", betonte Moron. Die Sicherung des Transports kostet nach Schätzungen der Landesregierung rund 100 Mill. Mark.

Auch die Betreiber des Atommeilers, die die Lagerung im Nasslager beantragt hatten, begrüßten die Anordnung Trittins. Die Weisung gebe eine Rechtssicherheit für den Weiterbetrieb der Anlage auch nach der geplanten Auswechslung der Brennstäbe Anfang April, versicherten die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) und die Neckarwerke Stuttgart AG (NWS) mit.

Die Betreiber betonten jedoch, es sei offen, ob zu einem späteren Zeitpunkt ein Castor-Transport notwendig werde. Dies hänge davon ab, ob das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) die in Aussicht gestellte Genehmigung für ein Interimslager vor Ort tatsächlich erteile. Solange dieses Lager nicht genutzt werden könne, sei die Notwendigkeit von Transporten nach Ahaus weiter gegeben.



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