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30.01.2001

16:37 Uhr

Reuters BELGRAD. Zwei führende Vertreter der neuen jugoslawischen Führung haben Ex-Präsident Slobodan Milosevic aufgefordert, sich dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zu stellen. "Das ist seine letzte Chance, etwas Nützliches für sein Land zu tun", sagte der stellvertretende jugoslawische Ministerpräsident Miroljub Labus am Dienstag der Zeitung "Glas Javnosti". Milosevic werde so oder so in Den Haag landen, ob er sich nun freiwillig stelle oder ausgeliefert werde, sagte der serbische Justizminister Vladan Batic der Zeitung "Vecernje Novosti". "Das ist nur noch eine Frage der Zeit", sagte Batic. Bislang lehnt Jugoslawien die vom Tribunal geforderte Auslieferung Milosevics ab, dem Gräueltaten während des Kosovo-Krieges 1999 vorgeworfen werden.

Die USA haben bereits angekündigt, die Zahlung von mehreren Mill. $ Hilfsgeldern ab dem 1. April zu überdenken, sollte Jugoslawien nicht zur Zusammenarbeit bereit sein. Labus sagte, Jugoslawien müsse Milosevic helfen, sich bis spätestens 31. März aus dem politischen Leben zurückzuziehen: "Sonst werden wir einen hohen wirtschaftlichen Preis zahlen."

Jugoslawiens Präsident Vojislav Kostunica will seinen Vorgänger lieber vor ein heimisches Gericht wegen Korruption stellen lassen als dem Haager Tribunal auszuliefern. Er wirft dem Tribunal vor, einseitig gegen Serbien zu ermitteln. Die Chefanklägerin des Tribunals, Carla del Ponte, hatte bei ihrem Besuch bei Kostunica vergangene Woche vergeblich versucht, eine Zusage über die Auslieferung Milosevics zu erhalten. Milosevic war im vergangenen Oktober durch einen Volksaufstand entmachtet worden, führt aber nach wie vor die Sozialistische Partei an.

Das UNO-Tribunal verfolgt Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien. Insgesamt hat das Tribunal 27 Verdächtige öffentlich angeklagt, von denen sich 15 in Serbien aufhalten sollen. Neben Milosevic sind auch der ehemalige Chef der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, und der serbische Präsident Milan Milutinovic angeklagt.

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