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06.03.2003

09:10 Uhr

Nur EADS gilt als gutes Vorbild der Zusammenarbeit

Europas Wehrindustrie kooperiert noch zu wenig

VonAndreas Rinke

Wenn es um Rüstungskooperationen im europäischen Rahmen geht, dann haben die Regierungen Lippenbekenntnisse schnell zur Hand. Auch die deutsche wehrtechnische Industrie hatte sich bereits im Oktober 2000 nach einem Treffen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder vollmundig für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ausgesprochen.

BERLIN. Doch die Realität sieht anders aus: "Wie funktioniert denn die europäische Kooperation?", fragt der neue Chef des deutschen Boeing-Büros, Horst Teltschik. "Frankreich will die Hightech-Anteile, den Rest können die anderen machen", spottet er. Eine ernsthafte Konkurrenz für amerikanische Rüstungsfirmen sieht der frühere Kanzlerberater nicht.

Und mit dieser Meinung steht er nicht alleine - trotz der Bekenntnisse von Schröder oder Frankreichs Präsident Jacques Chirac. Bis heute gilt eigentlich nur der Luftfahrtkonzern EADS als positives Beispiel für eine Bündelung der Kräfte. Egoismen, Misstrauen zwischen den Firmen und in Frankreich der hohe staatliche Anteil an Rüstungsfirmen behindern die Konsolidierung. Die wäre aber nötig, um Europas Rüstungszwerge zu echten Konkurrenten der US-Unternehmen heranwachsen zu lassen. Viele Firmen orientieren sich stattdessen transatlantisch, auch wenn sie sich damit den rigiden Vorschriften des Pentagons unterwerfen müssen.

Das Transportflugzeug Airbus A 400 M und der Schützenpanzer GTK sind Beispiele für große europäischen Gemeinschaftsprojekte. Beide werden von der 1996 gegründeten Rüstungsagentur Occar in Bonn gemanagt. Aber schon das deutsche Gezerre um die Finanzierung des A 400 M zeigt die Risiken dieses Sieben-Länder-Projekts.

Immer wieder ziehen sich Partner aus Kooperationen zurück - die Portugiesen etwa beim A 400 M, die Franzosen beim GTK und die Briten bei der Entwicklung der Panzerhaubitze oder dem Raketensystem Pars 3. Und in der deutschen Heeresindustrie hält sich hartnäckig der Verdacht, dass der staatliche französische Konzern GIAT beim GTK-Programm erst einen Rückzieher machte, nachdem er sich das Know-how der Partner angeeignet hatte.

Dazu kommt die Gefahr einer Kostenerhöhung und Bürokratisierung durch Gemeinschaftsprojekte. Denn wie immer in der EU bestimmen die Finanzierungsanteile auch die Fertigungsanteile. Deshalb werden etwa beim Airbus, aber auch beim Eurofighter, Einzelteile quer über den Kontinent geflogen. Auch hier ist das Misstrauen groß: Vor allem die Briten gelten als Meister der Taktik, sich zunächst durch hohe Bestellzahlen große Fertigungsanteile zu sichern - und später die Order drastisch zu reduzieren.

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