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29.03.2003

14:17 Uhr

Nur eine Essensration pro Tag

Vormarsch der US-Truppen gerät ins Stocken

Die US-Luftwaffe hat am Samstag die Bombardierung der irakischen Hauptstadt Bagdad fortgesetzt, nachdem bereits in der Nacht unter anderem das Informationsministerium bei einem Raketenangriff schwer beschädigt worden war.

Foto: dpa

Foto: dpa

Reuters BAGDAD. US-Militärvertretern zufolge wurde am Freitag eine vier bis sechstägige "operative Pause" für den Vormarsch auf Bagdad befohlen. Ein Sprecher der britischen Streitkräfte sagte dem Fernsehsender Sky News, die Truppen müssten sich auf die nächste Kampfphase vorbereiten. Er würde dies aber nicht unbedingt als Pause bezeichnen wollen. Auch ein Vertreter des US-Verteidigungsministeriums sagte, die Truppen säßen nicht vier bis sechs Tage tatenlos herum.

Gegen Samstagmittag wurde das Zentrum Bagdads von einer schweren Explosion erschüttert. Reuters-Korrespondentin Samia Nakhoul berichtete, die Detonation habe sich in der Nähe des Tigris ereignet. Entlang des Flusses befinden sich große Regierungsgebäude. Am frühen Morgen hatte es bereits drei schwere Explosionen in den südlichen Vororten der Stadt gegeben. Die Gebäude im Stadtzentrum hätten gebebt.

Erstmals seit Beginn des Krieges schlug eine irakische Rakete in Kuwait-Stadt ein, wie die staatliche Nachrichtenagentur Kuwaits meldete. Die Rakete sei in der Nähe eines Einkaufszentrums eingeschlagen. Seit Beginn des von den USA geführten Kriegs gegen Irak sind aus Irak mehrfach Raketen auf Kuwait abgefeuert worden. Nach kuwaitischen Angaben wurden sie aber entweder abgefangen oder landeten in unbewohnten Gebieten.

Bei den Angriffen auf Bagdad in der Nacht war mindestens ein Marschflugkörper im irakischen Informationsministerium einschlagen. Antennen und Satellitenschüsseln auf dem Dach wurden dabei zerstört. Auch ein Anbau, in dem sich die Büros mehrerer Medienorganisationen, darunter Reuters, befinden, wurde beschädigt. Südwestlich von Bagdad griff die US-Luftwaffe nach eigenen Angaben Einheiten der Republikanischen Garde, der Eliteeinheit des irakischen Präsidenten Saddam Hussein, an. Mindestens 50 Iraker seien getötet und 25 gepanzerte Fahrzeuge zerstört worden. "Wir haben 40 Raketen abgefeuert und 40 Treffer gehabt", sagte Major Hugh Cate Reuters.

Der irakische Informationsminister Mohammed Saeed el Sahaf sagte am Samstag, bei den US-Luftangriffen auf Bagdad seien innerhalb der vergangenen 24 Stunden 68 Zivilisten getötet und 107 verletzt worden. Am Freitag waren nach Angaben eines irakischen Arztes mindestens 62 Menschen bei einer Explosion auf einem Marktplatz in Bagdad getötet worden. Die USA teilten mit, die Berichte würden noch geprüft. Nach einer Explosion Mitte der Woche in Bagdad, bei der 15 Menschen getötet wurden, hatten die USA erklärt, diese sei von einer fehlgeleiteten irakischen Rakete verursacht worden.

US-Präsident George W. Bush rechnet mit weiteren eigenen Verlusten im Irak-Krieg. "Wir kämpfen jetzt mit den verzweifeltsten Einheiten der Armee des Diktators. Die schweren Kämpfe, zu denen es nun kommen wird, werden weiteren Mut und weitere Opfer fordern", sagte Bush am Freitag vor Kriegsveteranen. "Gegen diesen Feind werden wir keinen anderen Ausgang akzeptieren als einen vollständigen Sieg."

US-Truppen begradigen Front - nur eine Essensration

In ihren Aufmarschgebieten südlich von Bagdad bilden Teile der US-Truppen neue Frontabschnitte. Das berichtete am Samstag ein dpa-Fotograf, der das 3. leicht gepanzerte Aufklärungsbataillon der US-Marineinfanterie begleitet, aus der Gegend von Ad Diwanija südlich von Bagdad. Bis Samstagmittag habe es keine Kampfhandlungen gegeben.

Ein Teil der in dieser Region operierenden US-Truppen habe sich geringfügig zurückgezogen, um eine Frontbegradigung vorzunehmen, erläuterte der dpa-Bildreporter. Offenbar aus Furcht vor Anschlägen hätten die amerikanischen Soldaten mehrere Zivilisten festgenommen, überprüft und dann wieder freigelassen.

Mangels Nachschub gebe es weiterhin lediglich eine Essensration pro Tag. Ein US-Offizier bemerkte mit Blick auf die reduzierten Rationen, so etwas habe er noch nie erlebt.

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