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18.02.2003

10:35 Uhr

Nur Export sorgt für Lichtblick

DIHK sieht Deutschland am Rande einer Rezession

Für die Konjunktur in Deutschland ist nach der jüngsten Firmenumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) derzeit keine Besserung in Sicht. Der DIHK rechnet daher in diesem Jahr nur noch mit einer Stagnation der deutschen Wirtschaftsleistung.

Reuters BERLIN. "Sollten die Exporthoffnungen - gefährdet durch einen längeren Irak-Konflikt - trügen, muss in Deutschland eine Rezession befürchtet werden", teilte der DIHK zum Ergebnis seiner traditionellen Konjunkturumfrage am Dienstag in Berlin mit. "Deutschland steckt tief in einer Konjunkturflaute", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben laut Redetext. Die Investitionspläne der mehr als 25 000 befragten Unternehmen sanken auf dem tiefsten Stand seit 25 Jahren, die Beschäftigungspläne auf das niedrigste Niveau seit der Rezession 1993.

Der seit zwei Jahren andauernde Abwärtstrend der Lageeinschätzung durch die Unternehmen sei zwar gestoppt. "Von einer Bodenbildung kann aber mit Blick auf die Erwartungen keine Rede sein", heißt es in der Umfrage. Nur noch 18 % der Unternehmen beurteilten ihre Geschäftserwartungen optimistisch, 40 % blickten dagegen pessimistisch in die Zukunft. Weiterhin düster sehe es vor allem im Handel und der Bauwirtschaft aus. Im vergangenen Herbst hatten noch 26 % der befragten Firmen optimistisch und 29 % pessimistisch in die Zukunft geblickt. Der DIHK erwartet daher in diesem Jahr eine Stagnation des deutschen Bruttoinlandsprodukts, nachdem er zuletzt noch von einem Plus von knapp ein Prozent ausgegangen war.

DIHK kritisiert Regierung und zu hohe Tarifverträge

Der DIHK kritisierte die unstetige Wirtschaftspolitik der Bundesregierung, die dazu beitrage, dass sich bei Investoren eine lähmende Verunsicherung ausbreite. Zentrale Ursache für den schwächelnden Arbeitsmarkt seien zu hohe Tarifabschlüsse vom vergangenen Sommer, sagte Wansleben. Anders als von den Gewerkschaften angekündigt, seien Nachfrageimpulse ausgeblieben. Stattdessen bremse die Sorge um den Arbeitsplatz den Konsum. Unternehmen wie Verbrauchern mangele es insgesamt an einer klaren Reformperspektive. "Der ersehnte Befreiungsschlag auf dem Arbeitsmarkt und bei den Sozialsystemen bleibt bisher aus", sagte der DIHK-Hauptgeschäftsführer.

Export bleibt Hoffnungsanker der Unternehmen

Dynamik erwartet der DIHK im laufenden Jahr erneut allenfalls vom Export. Im vergangenen Jahr war das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) lediglich um 0,2 % gewachsen und wäre ohne den starken Außenbeitrag sogar geschrumpft. Nach DIHK-Angaben sehen die meisten befragten Firmen die Exportaussichten für dieses Jahr optimistisch. "Irak-Konflikt und Euro-Stärke dürften sich nur temporär, nicht aber durchschlagend im Gesamtergebnis des Jahres 2003 negativ auswirken", sagte Wansleben. Eine Rezession der Weltwirtschaft werde nicht befürchtet.

Vom starken Außenhandel erwartet der DIHK jedoch auch in diesem Jahr kaum Impulse für die heimische Nachfrage. "Selbst wenn sich die Weltkonjunktur wieder beleben sollte, dürfte der Funke von der Exportwirtschaft kaum auf die Binnenwirtschaft wirklich überspringen", fügte Wansleben hinzu.

Die aktuelle Investitionsneigung der Unternehmen liege noch unter dem Rekordtief des Frühsommers 2002. Insgesamt planten 45 % der befragten Firmen ihre Investitionsausgaben zu kürzen; nur 15 % wollten sie erhöhen. Die Beschäftigungspläne der Unternehmen sind der Umfrage zufolge so schlecht wie seit den Entlassungswellen nach dem Rezessionsjahr 1993 nicht mehr. Während nur acht Prozent Stellen schaffen wollen, planen fast vier von zehn Unternehmen einen Arbeitsplatzabbau.

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