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14.01.2002

20:01 Uhr

Nur gut informierte Anleger sollten sich daran wagen

Wandelanleihen bieten keine Garantie vor Verlusten

VonHendrik Esser

Mit Aktien haben sich zahlreiche Anleger die Finger verbrannt, nun soll die Wandelanleihe (Convertible) mehr Sicherheit bei der Geldanlage bringen. Nach dem Einbruch der Aktienmärkte ist dieses Finanzinstrument zunehmend ins Visier der Anleger gerückt. Die Käufer sollten aber nicht zu euphorisch investieren, rät die Invesco Asset Management in einer Studie.

FRANKFURT/M. Auf den ersten Blick sehen die Vorteile von Wandelanleihen verlockend aus. Mit Wandelanleihen erwerben Anleger das Recht, die Anleihe gegen Aktien zu tauschen. Für das Umtauschverhältnis wird ein Wandlungspreis festgelegt. Wenn der Kurs der zu Grunde liegenden Aktie über den Wandlungspreis gestiegen ist, sollte die Anleihe getauscht werden. Ist der Kurs gefallen, so lässt sich der Anleger nach Ablauf der Fälligkeit den Nennwert der Anleihe auszahlen und kassiert zudem - allerdings recht niedrige - Zinsen. "In diesem Fall ist das einzige Risiko, dass das Unternehmen die Anleihe nicht zurück zahlen kann", sagt der Co-Autor der Invesco-Studie Martin Kolrep.

Allerdings ist problematisch, dass zahlreiche Wandelanleihen eine Laufzeit von weit mehr als zehn Jahren haben. Somit ist der Käufer bei sinkenden Aktienkursen relativ unflexibel. Er müsste dann entweder bis zum Ende der Laufzeit warten, um die Anleihe zum Nennwert ausbezahlt zu bekommen, oder die Anleihe zwischenzeitlich zu einem schlechteren Kurs verkaufen. "Der Anleger muss den Markt immer im Auge halten", sagt Annette Pacl-Schneeweis, Rentenanalystin bei der BHF-Bank. Allgemeine Urteile zu Wandelanleihen seien kaum möglich. Dafür gebe es zu unterschiedliche Spielarten. Daher sollten sich Anleger im Klaren sein, welches Risiko sie eingehen wollen.

Ihrem Zweck nach sollte die Wandelanleihe die Kursschwankungen der Aktie nur gedämpft abbilden. Laut Invesco besteht aber eine starke Übereinstimmung im Kursverlauf der Anleihe und dem entsprechenden Aktienkurs. Dies zeige der nahezu identische Verlauf des S&P 500-Index zum Goldman Sachs/Bloomberg-Index (GSBB) für Wandelanleihen in den USA. Von Januar 1998 bis Ende Oktober 2001 hat der GSBB die positive Entwicklung des S&P 500 zu 90 % nachvollzogen - den negativen Trend allerdings auch zu 80 %.

Für die Kursreaktion gibt es eine plausible Erklärung: Ist das emittierende Unternehmen ökonomisch angeschlagen, fallen sowohl Aktien- als auch Anleihekurs. Damit steigt zwar die Rendite der Anleihen, aber auch die Gefahr, dass die Unternehmen ihre Anleihen nicht oder zu spät zurückzahlen. Dann steigen die Riskoaufschläge - so genannte Spreads - der Unternehmensanleihen im Vergleich zu den als sicher geltenden Staatsanleihen.

"Es ist kein Zufall, dass Spreadausweitungen und sinkende Aktienkurse häufig zeitgleich auftreten", schreibt Invesco. Das Risiko würde immer weiter steigen. "Der Anleger muss bedenken, dass die Chancen und Risiken von Wandelanleihen höher sind als bei Unternehmensbonds und geringer als bei Aktien", sagt Pacl-Schneeweis. Wegen ihrer Komplexität empfiehlt Kolrep nur Finanzprofis ein Investment in Wandelanleihen.

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