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04.03.2004

12:05 Uhr

Nur HVB ist durch Bank Austria gut aufgestellt

Deutsche Banken verpassen Zug nach Osteuropa

Mit Ausnahme der Münchner Hypo-Vereinsbank haben die deutschen Banken den Zug nach Osteuropa verpasst. Wenn die Europäische Union (EU) im Mai zehn neue Länder aufnimmt und der einheitliche Wirtschaftsraum dann rund 450 Mill. Menschen beheimatet, ist der Markt für Finanzdienstleistungen im wachstumsträchtigen Osteuropa bereits weitgehend aufgeteilt. Die meisten deutschen Geldhäuser dürften es daher schwer haben, in dem attraktiven Wirtschaftsraum überhaupt Anschluss zu finden.

HB FRANKFURT. "Die HVB ist die einzige deutsche Großbank, die über ihre Tochter Bank Austria in Osteuropa gut aufgestellt und ein ernstzunehmender Spieler ist", sagt Analyst Markus Turnwald von der Landesbank Rheinland-Pfalz. Die Deutsche Bank, Dresdner Bank und Commerzbank hätten dagegen zu spät und zu halbherzig Osteuropa als Wachstumsmarkt entdeckt.

Mittlerweile ist der osteuropäische Bankenmarkt zu 70 % in der Hand ausländischer Großbanken aus aller Welt. "Die anderen Länder waren schneller und aggressiver als die Deutschen", erklärt ein Düsseldorfer Banken-Analyst. In der nun anstehenden Konsolidierung werde allein die HVB, die derzeit jedoch mit zahlreichen anderen Problemen kämpft und für 2003 abschreibungsbedingt einen Rekordverlust von 2,6 Mrd. ? auswies, eine gestaltende Rolle einnehmen. Die deutschen Banken hätten sich nach der Wiedervereinigung 1990 zu lange allein auf Ostdeutschland fokussiert und im Börsen-Boom der späten 90er Jahre zu stark auf das Investmentbanking gesetzt.

Der Bankenmarkt in Zentral- und Osteuropa ist nach der schrittweisen Öffnung seit Ende des Kalten Krieges mittlerweile weitgehend aufgeteilt. Die Liste der ausländischen Großbanken führen die belgische KBC und die österreichische Erste Bank mit einem jeweils prozentual zweistelligen Anteil an der Bilanzsumme des Gesamtmarktes an. Die zur HVB gehörende Bank Austria nimmt die dritte Position ein, gefolgt von der italienischen Unicredito, der französischen Societe Generale und der weltgrößten Bank Citigroup aus den USA. Die Commerzbank spielt lediglich in Polen über ihre Tochter BRE Bank eine Rolle. Bei der zur Allianz gehörenden Dresdner Bank stehen die Aktivitäten in Osteuropa, die jedoch verhältnismäßig klein sind, auf dem Prüfstand und dürften in den nächsten Monaten verkauft werden. Die Deutsche Bank beschränkt sich im Wesentlichen auf das Investmentbanking in Zentral- und Osteuropa.

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