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27.01.2003

08:38 Uhr

Obi verliert in Deutschland Umsatz auf vergleichbarer Fläche

Baumärkte suchen Heil im Ausland

VonChristoph Schlautmann

Nur weil ihre Betreiber laufend neue Standorte eröffnen, halten Baumärkte in Deutschland derzeit ihren Umsatz. Auf vergleichbarer Fläche geht das Geschäft rapide zurück. Die Sparsamkeit deutscher Heimwerker trifft selbst Marktführer Obi. Nun soll die Expansion ins Ausland das Wachstum sichern.

DÜSSELDORF. Die Flaute im deutschen Do-It-Yourself-Markt (DIY) trifft nun auch Obi. Die Wermelskirchener Franchise-Organisation, die sich zu 63 % im Besitz von Tengelmann befindet, verlor 2002 auf vergleichbarer Fläche 2,4 % ihres Umsatzes in Deutschland. Dass es am Ende noch für ein bundesweites Umsatzplus von 1,8 % reichte, verdankt das Handelshaus allein der Eröffnung neuer Märkte.

Doch Rückenwind kommt aus dem Ausland. Weil Deutschlands Marktführer vor allem in Italien gut verdient, meldete Obi-Gründer und-Aufsichtsratschef Manfred Maus am Freitag bei einem weltweiten Umsatz von 5,8 Mrd. Euro eine beachtliche Umsatzrendite von 5,1 %.

"Das Wachstum in den nächsten Jahren kommt nicht aus Deutschland", prognostiziert Maus. Allein in China, wo Obi seit 2001 mit 4 Standorten vertreten ist, sind derzeit 9 zusätzliche Märkte im Bau. Insgesamt sollen es 100 werden. Auch in Moskau sollen demnächst testweise 2 Häuser eröffnet werden. "In fünf Jahren wollen wir die Hälfte unseres Umsatzes im Ausland machen", sagt Maus. Heute sind es 27 %.

Nicht nur Obi drängt es ins Ausland. Der Branchen-Zweite, die Metro-Baumarkttocher Praktiker, verdient ebenfalls ihr Geld inzwischen vor allem in Österreich, Polen, Ungarn, Griechenland, Luxemburg und der Türkei.

Der Umsatz von Praktiker sei in den vergangenen drei Quartalen flächenbereinigt gewachsen, berichtete Metro-Chef Hans-Joachim Körber Anfang Januar. Konkrete Zahlen blieb er aber schuldig. Im Inland sieht es für Praktiker eher trostlos aus. "Im früheren Asko-Konzern galt die Kette stets als Unternehmensperle mit erstklassigen Renditen", erinnert sich Marktforscher Uwe Krüger von der BBE Unternehmensberatung in Köln. Doch seit der Übernahme des Konkurrenten Wirich 1997 ist nach seiner Beobachtung nicht mehr viel von der einstigen Flächenleistung übrig geblieben. Krüger: "Die Neuausrichtung der Märkte, die der Konzern mehrfach in Angriff genommen hat, bewirkt bislang wenig."

Dabei gehört Praktiker neben Hornbach und Obi zu den erfolgreicheren Wettbewerbern. Vertraut man den Zahlen des Branchenfachverbands BHB, ging der Umsatz der Baumärkte in Deutschland 2002 durchschnittlich um 0,6 % zurück, flächenbereinigt sogar um 3,2 %. Schon im vorherigen Geschäftsjahr hatten die Bau-, Heimwerker- und Gartenfachmärkte den Gesamtumsatz nur bei 16,9 Mrd. Euro halten können, weil sie ihre Verkaufsfläche kräftig ausbauten. Der verzweifelte Kampf gegen den Umsatzschwund, der zudem mit immer neuen Preisschlachten ausgetragen wird, kostete die meisten Märkte deshalb zuletzt einen Großteil der Rendite.

Das geht an die Substanz. Während auf der britischen Insel die durchschnittliche Baumarkt-Rendite 9 % überschreitet, ist sie hier zu Lande unter 4 % gerutscht. Kein Wunder, denn rechnerisch kommt auf jeden Bundesbürger eine doppelt so große Baumarktfläche wie in England. Und auch im Vergleich mit den Franzosen sind Deutschlands Do-It-Yourself-Händler längst ins Hintertreffen geraten. Zwar geben deutsche Verbraucher 20 % mehr für Schrauben, Schwingschleifer und Sträucher aus als ihre Nachbarn jenseits des Rheins. Weil ihnen aber gleichzeitig 70 % mehr Verkaufsfläche geboten wird, sind Frankreichs Heimwerkermärkte um 40 % profitabler.

Die französische Baumarktkette Castorama zog jetzt die Notbremse. Die Tochter der britischen Kingfisher Plc. verabschiedet sich in Deutschland von ihren sechs Mega-Heimwerkermärkten. Nur noch über eine Minderheits-Beteiligung an Hornbach bleibt der britische Konzern, weltweit die Nummer 3 der Baumarktbranche, dem deutschen Verbraucher erhalten.

Den seit langem erwarteten Angriff des amerikanischen Weltmarktführer Home Depot könnte dies erneut verzögern. Ausschließen will ihn in der Branche aber weiterhin niemand. Ulrich Kollatz, BBE-Berater in Leipzig: "Wir rechnen in zwei bis drei Jahren mit einem Vorstoß der Amerikaner."

Um den übermächtigen Wettbewerbern die Stirn zu bieten, schließen sich die Verfolger inzwischen zusammen. Seit Sommer 2001 kaufen beispielsweise die österreichische Baumax, Rewe und AVA ("Marktkauf") gemeinsam über die Toomaxx Handelsgesellschaft ein. Und auch Hagebau hat sich vor wenigen Wochen der Beschaffungsorganisation Zeus angeschlossen, einer gemeinsamen Gesellschaft der Einkaufsgemeinschaften EDE und EK Großeinkauf. Mit der Einkaufs-Bündelung wollen sich die DIY-Anbieter auf noch schlechtere Zeiten einstellen. Dass diese kommen werden, steht für den BHB bereits heute fest: Flächenbereinigt, glaubt der Verband, werden die Umsätze 2003 bundesweit um weitere 2 % nachgeben.

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