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23.07.2000

19:00 Uhr

Ökonom Wenger: Nachbesserungen dürften auf eine allgemeine Kursgewinnsteuer hinauslaufen

Steuerreform schafft neue Schlupflöcher

Die rot-grüne Koalition muss sich wahrscheinlich auf beträchtliche Steuerausfälle einrichten.

Handelsblatt DÜSSELDORF. Die Steuerreform von Bundesfinanzminister Hans Eichel eröffnet nach Ansicht von Steuerexperten neuartige Möglichkeiten zur Steuervermeidung. Ekkehard Wenger, Finanzierungsexperte an der Universität Würzburg, geht davon aus, dass künftig viele Privatanleger ihre Aktienpakete in eine Vermögensverwaltungs-GmbH ausgliedern, um durch das neue Halbeinkünfteverfahren Steuern zu sparen. "Das kann sich schon bei Vermögen von ein paar Hunderttausend DM lohnen", erklärte er.



Jürgen Pinne, Präsident des Deutschen Steuerberaterverbandes, sagte, er rate seinen Mandanten, durch frühzeitige und schrittweise Übertragung solcher GmbH-Anteile auf die nächste Generation Kindern eigene Einkünfte zu verschaffen. So könne auch das "Erbschaftsteuerproblem" gemildert werden.



Dass das Halbeinkünfteverfahren Missbrauchsmöglichkeiten bietet, ist auch für den Hohenheimer Ökonomen Peter Bareis "völlig klar". Da die Besteuerung nicht entscheidungsneutral sei, gebe es stets Anreize, nach Steuervorteilen zu suchen. "Ob dies im Einzelfall zulässig ist, darüber wird es Streit geben."



Auch von Seiten großer Aktiengesellschaften droht Eichel Ungemach. "Jeder Vorstand, der im Sinne der Aktionäre handelt, muss ab 2002 alle Ausschüttungen stoppen", sagte Wenger. Schließlich würden ab 2001 ausgeschüttete Dividenden höher als einbehaltene Gewinne besteuert. Der gleiche Effekt wie durch eine Ausschüttung könnte auch durch Rückkäufe eigener Aktien erzielt werden - nur seien die Kursgewinne steuerfrei. Die Folge: Der Fiskus geht leer aus. Dann brächen alle Kalkulationen Eichels zu den Steuereinnahmen zusammen. Absehbare Nachbesserungswünsche des Finanzministers dürften auf eine generelle Kursgewinnbesteuerung hinauslaufen.

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