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25.01.2001

18:35 Uhr

Ökonomen sehen für nachhaltige Inflationsängste in Europa keinen Anlass

Bondmärkte reagieren negativ auf Äußerungen von Alan Greenspan

Das Geschäft an den Anleihemärkten ist gestern ruhig verlaufen. Einer Rede des US-Notenbankchefs Alan Greenspan galt die ungeteilte Aufmerksamkeit der Finanzwelt. Diese Rede erhielt eine besondere Note, weil der Offenmarktausschusses der US-Notenbank am 30. und 31. 1. über die künftige US-Geldpolitik entscheiden wird. Greenspan warnte die Regierung Bush davor, von der Haushalts-Disziplin vergangener Jahre abzurücken. Steuersenkungen könnten hilfreich sein, wenn sich die US-Wirtschaft weiter abschwäche. Er bezeichnete es als schwierig, diese fiskalpolitischen Maßnahmen rasch umzusetzen.

ret/HB FRANKFURT/M. Das Ausmaß der erwarteten Leitzinssenkung in den USA wird nach wie vor als offen betrachtet. Nachdem Marktteilnehmer noch vor einigen Tagen meist von einer weiteren Leitzinssenkung um 50 Basispunkte ausgegangen war, wird jetzt befürchtet, die Fed könne sich für einen Zinsschritt von lediglich 25 Basispunkten entschließen. Auch wenn im Euro-Land die Hoffnung auf eine Leitzinssenkung durch die EZB auf Grund der am Vortag veröffentlichten ungünstigen Preisdaten einen Dämpfer erhielten, wurden Ängste vor einer neuen Inflations-Spirale als überzogen und unbegründet bezeichnet. Zum einen ist weitläufig bekannt, dass die Teuerung in vergangenen Zyklen erst mit deutlicher Verzögerung nach ersten Ansätzen einer konjunkturellen Verlangsamung abflaute.

Zum anderen lässt sich die jüngste Steigerung der deutschen Inflationsrate im wesentlichen mit Einmaleffekten administrierter Preiserhöhungen erklären. Nach Auffassung von Analysten ist dieser Einmaleffekt im Hinblick auf das tatsächliche Bild der Teuerungsrate jedoch weitgehend als unproblematisch anzusehen. Eine Entlastung für die Inflationsseite kam von den Devisenmärkten; denn die Einfuhrpreise sind im Dezember aufgrund der Euro-Erholung während der vergangenen Monate um 2,2 % zurückgegangen, nachdem sie noch im November um 0,5 % gestiegen waren.

Gleichwohl vermochte es diese Sicht der Dinge nicht, die Anleger im Euro-Land zu stimulieren. Dies wohl nicht zuletzt auch deshalb, weil der Euro am Donnerstag zum Sturzflug ansetzte. Zudem wollte sich vor der Greenspan-Rede niemand auf dem falschen Fuß erwischen lassen, hieß es. Die Umlaufrendite verharrte bei 4,85%. Am Nachmittag kam es - auch wegen der Greenspan-Rede - zu einer Kursschwäche. Die Äußerungen des Notenbankchefs zu den geplanten Steuersenkungen fanden ein geteiltes Echo. Der März- Bund-Future lag gegen 16.30 Uhr bei 108,09 um 18 Basispunkte niedriger.

Die Rendite 10jähriger US-Staatsanleihen wurde mit 5,37 % (nach 5,31 %) ermittelt. Der US-Arbeitskostenindex ist im vierten Quartal um lediglich 0,8 % gestiegen. Volkswirte hatten mit einem Anstieg um 1,1 % gerechnet. Die positive Wirkung dieser Meldung verpuffte, da die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der Woche zum 20. Januar mit 316 000 (nach 304 000) weniger stark als erwartet stiegen. Die Prognosen der Volkswirte hatten auf 339 000 Erstanträge gelautet.

Sehr lebhaft war das Emissionsgeschäft. Vertreter des polnischen Finanzministeriums zeichneten im Vorfeld der geplanten Emission eines 500 Mill.-Bonds ein positives Bild von den wirtschaftlichen Aussichten des Landes.

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