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24.01.2003

13:13 Uhr

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Öl und Steuern machen Lebenshaltung teurer

Der durch die Irak-Krise und den Streik in Venezuela angetriebene Ölpreis hat im Januar zu einem Preissprung in Deutschland geführt und könnte in den kommenden Monaten den Rückgang der Jahresinflation bremsen. Auch wegen der Steuererhöhungen zu Jahresbeginn müssen die Menschen nun tiefer in die Tasche greifen, um ihre Lebenshaltung zu bezahlen.

Reuter BERLIN. Von Dezember auf Januar stiegen die Preise in mehreren Bundesländern nach Angaben der Statistischen Landesämter vom Freitag um 0,8 bis 1,0 Prozent. Benzin und Heizöl verteuerte sich innerhalb eines Monats in einigen Regionen um deutlich mehr als fünf Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr mussten die Verbraucher teils fast 20 Prozent mehr für Heizöl ausgeben.

Die Jahresinflation ging dabei entgegen den Erwartungen von Experten vielerorts kaum zurück und lag zwischen 0,3 Prozent in Sachsen und 1,4 Prozent in Bayern und Baden-Württemberg. Ohne den Effekt der Ölpreise wären die Preise in Hessen nur um 0,3 Prozent gestiegen und nicht um die registrierten 1,0 Prozent. Am Freitag wollte noch Nordrhein-Westfalen seine Preisdaten für Januar veröffentlichen. Auf Basis der Daten aus fünf Ländern wollte das Statistische Bundesamt am Nachmittag die vorläufige Teuerungsrate für das gesamte Bundesgebiet bekannt geben, die Experten nun bei rund ein Prozent erwarten.

Sondereffekte treiben Monatsteuerung

Ralph Solveen von der Commerzbank führte den Anstieg der Monatsteuerung auf die starken Sondereffekte Steuererhöhungen, Ölpreis-Anstieg und normale Saisoneinflüsse zurück: "Wenn man das alles rausrechnet, kommt man fast auf einen Anstieg von Null gegenüber dem Vormonat." Daher sollten die Preise in den kommenden Monaten deutlich langsamer steigen als zu Jahresanfang. In Hessen stiegen die Preise um 0,8 Prozent, in Baden-Württemberg um 0,9 Prozent und in Sachsen um ein Prozent zum Vormonat. Auch Volker Nitsch von der Bankgesellschaft Berlin sagte, ohne die Erhöhung der Tabak- und der Ökosteuerer sowie den Anstieg der Lohnnebenkosten wäre der Preisauftrieb deutlich geringer ausgefallen.

Besonders drastisch stiegen in allen Ländern die Preise für Mineralölprodukte. Für Kraftstoffe mussten die Verbraucher an den Zapfsäulen etwa in Hessen und Baden-Württemberg mehr als 12 Prozent mehr bezahlen als im Vorjahr. Da sich Rohöl wegen des Produktionsausfalls in Venezuela und der Spannungen im Mittleren Osten seit Mitte November um rund 30 Prozent verteuert hat, waren die höheren Energiepreise erwartet worden. Sollte der Anstieg anhalten, könnte der Ölpreis den erwarteten Rückgang der Inflation verhindern. "Wenn der Ölpreis nicht durch die Decke geht, wird die Jahresinflationsrate in den kommenden Monaten unter ein Prozent sinken", zeigte sich Solveen dagegen gewiss.

Steuererhöhungen machen sich deutlich bemerkbar

In den gestiegenen Preisen für Benzin spiegelte sich neben den politischen Konflikten auch die Ökosteuererhöhung wider. Die Erhöhung der Tabaksteuer machte sich deutlich im Anstieg der Preise in der Gruppe "Tabakwaren und alkoholische Getränke" bemerkbar, die sich meist sowohl zum Vormonat als zum Vorjahr um etwa vier Prozent verteuerten. Leicht ausgleichend wirkte der Rückgang der Preise für saisonale Lebensmittel, die zum Beispiel in Baden-Württemberg trotz eines Anstiegs von Dezember auf Januar um sechs Prozent immer noch zehn Prozent billiger waren als vor einem Jahr. Damals hatte die extrem kalte Witterung in Südeuropa Obst und Gemüse stark verteuert. Ulla Kochwasser von der Mizuho Corporate Bank sagte, dieser Basiseffekt sei allerdings nicht so stark gewesen wie erwartet.

Wirkung des starken Euro noch nicht zu bemerken

Kochwasser sagte, auch in der gesamten Euro-Zone sei die Inflation im Januar wohl nur leicht auf 2,2 von 2,3 Prozent im Dezember zurückgehen. Die Europäische Zentralbank (EZB) werde wohl noch ein bisschen warten, bevor sie die Zinsens weiter senke. "Die Wirkung des starken Euro hat sich noch nicht voll bemerkbar gemacht und wird durch die steigenden Ölpreise teilweise wettgemacht", sagte sie. Die EZB sieht mittelfristig Preisstabilität bei einer Inflationsrate von unter zwei Prozent als gewährleistet an.

Wegen des höheren Ölpreises musste auch die deutsche Wirtschaft im Dezember deutlich mehr für die Einfuhr von Waren aus dem Ausland ausgeben als noch einen Monat zuvor - die Importpreise stiegen von November auf Dezember um 0,9 Prozent. Ohne die Wirkung der Ölpreise hätten sich die Importe im Vergleich zum November um 0,2 Prozent verbilligt.

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