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02.01.2001

19:00 Uhr

Ölaktien könnten eine gute Investition werden, wenn die Opec den Ölpreis wie geplant stabilisieren kann

Ungewisse Zukunft für die Ölmultis

VonNINA STREECK

Der Preis für Öl ist gefallen - und damit die Kurse der Ölmultis. Das jetzige Kursniveau halten Analysten für angemessen, wenn sich der Ölpreis bei 18 $ pro Barrel (159 Liter) einpendelt. Falls es der Opec gelingt, durch Produktionskürzungen einen höheren Preis zu stabilisieren, raten Analysten zum Kauf von Ölaktien.

DÜSSELDORF. Sinkender Ölpreis = magere Zeiten für die Ölkonzerne. Wie bestechend die Gleichung auch klingt - ganz so einfach ist das Geschäft mit dem Öl nicht. Die goldenen Zeiten für die "Super Majors" - die weltweit tätigen Konzernriesen - sind nicht unbedingt vorbei, auch wenn der Ölpreis der marktführenden Nordseesorte Brent derzeit auf ein Acht-Monats-Tief von unter 24 $ pro Barrel (159 Liter) gefallen ist. "Der kurzfristige Ölpreis ist für die Ölgesellschaften nicht so wichtig. Entscheidend sind die langfristigen Erwartungen", sagt Doug Leggate, Analyst bei der Commerzbank.

Doch die sind eher pessimistisch: Die Ölgiganten rechnen nicht mit einem ähnlich hohen Ölpreis wie im vergangenen Jahr: Royal Dutch erwartet für 2001 einen Preis von 14 $, BP Amoco von 16 $. Jeder höhere Preis beschert den Ölgiganten fette Gewinne. Analysten wie Leggate sind optimistischer: Sie erwarten im Schnitt einen Ölpreis von von 22 bis 24 $ für dieses Jahr; 18 $ seien in der längeren Frist bis 2003 realistisch.

Das derzeitige Kursniveau der Ölaktien spiegelt diese Erwartungen wider: Der Fall des Ölpreises hat in den vergangenen zwei Wochen die Aktienkurse der Ölgiganten mit nach unten gezogen. Analysten wie Roger Richards, Ölspezialist des US-Geldhauses Prudential Securities, halten den Sektor nun für fair bewertet, wenn man einen Durchschnittspreis von 18 $ als Kalkulatonsbasis zu Grunde legt.

"Der Markt könnte allerdings auch die niedrigen Erwartungen der Konzerne für bare Münze nehmen", warnt Richards. Dann drohen weitere Kursrückschläge.

Anleger sollten in jedem Fall die nächste Sitzung der Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) am 17. Januar abwarten. Kann das Ölkartell dann glaubhaft machen, dass es mit dem Preis langfristig doch wieder nach oben geht, empfiehlt Richards den Sektor mit "Strong buy".

Doch die Zeiten der wunderbaren Gewinnvermehrung durch immer steigende Ölpreise scheinen erst einmal vorüber zu sein: Im Spätsommer vergangenen Jahres hatte der Ölpreis noch den Zehn-Jahres-Höchststand von 37 $ je Barrel erreicht und damit die Kassen der Ölkonzerne kräftig gefüllt: Rekordgewinne und um mehr als die Hälfte höhere Umsätze prägten die Neun-Monats-Ergebnisse von BP Amoco, Royal Dutch und Total Fina Elf. Parallel dazu kletterten die Aktienkurse. Außerdem tragen inzwischen die Kostensenkungsmaßnahmen Früchte, die unternommen wurden, um das niedrige Ölpreisniveau von Anfang 1999 zu verdauen. Damals kostete ein Barrell Öl nur rund 10 $.

Chance auf weiterhin hohen Ölpreis in 2001

Mit guten Gewinnen muss aber nicht Schluss sein: "Bei einem Preis von 22 $ machen die Ölkonzerne immer noch viel Profit", sagt Aymeric de Villaret, Analyst bei der Société Générale. Die Chancen für einen Preis über 20 $ stehen nicht schlecht: Die Opec hat angekündigt, die Produktion zu drosseln, um den Preis in einer Spanne von 22 bis 28 $ zu halten. Entschieden wird darüber am 17. Januar in Wien, doch gilt die Produktionseinschränkung in Analystenkreisen als wahrscheinlich.

Was zählt, ist letztlich das Signal, das von einer Produktionseinschränkung ausginge: "Man sieht den Willen, einen hohen Preis durchzusetzen", sagt Roger Richards. "Das wird der Markt wohl sehr positiv interpretieren."

Folge: Die Aktienkurse könnten wieder steigen; es böte sich eine günstige Gelegenheit zum Kauf. Im Moment heißt die Devise von Prudential-Analyst Richards aber noch: "Abwarten."

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