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04.07.2000

21:01 Uhr

Reuters LONDON. Die überraschende Ankündigung Saudi-Arabiens, seine Ölexporte auszuweiten, hat die Ölpreise am Dienstag unter Druck gebracht. An der Londoner Terminbörse International Petroleum Exchange (IPE) sackte der Preis für die marktführende Sorte Brent zur Lieferung im August nach Angaben von Händlern bis zum Handelsschluss um rund 1,52 $ auf 29,58 $ je Barrel (159 Liter) ab. Seitens der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) reagierten Venezuela, Iran und Kuwait zunächst überrascht auf die Pläne.

Später zeigten sich die Staaten erleichtert über Zusagen Saudi-Arabiens, die Exporte nicht im Alleingang und ohne vorherige Konsultationen mit den übrigen Opec-Staaten erhöhen zu wollen.

Saudi-Arabiens Ölminister Ali el Naimi hatte am Montag in einem Interview der Saudi Press Agency (SPA) angekündigt, das Königreich sei bereit, seine Ölproduktion zu steigern, wenn der Ölpreis nicht innerhalb der nächsten Tage von seinem derzeitigen hohen Niveau zurückgehe. "Wenn der Ölpreis nicht sinkt, wird Saudi-Arabien in Konsultation mit den anderen Ölproduzenten seine Ölförderung in den nächsten Tagen um 500 000 Barrel je Tag (bpd) erhöhen," sagte er. "Wir wollen ... den Ölpreis von seinem derzeitigen Stand auf den von der Opec angepeilten Preis von 25 $ je Barrel zurückbringen".

Einige der führenden Kunden Saudi-Arabiens bestätigten Marktkreisen zufolge, dass sie bereits über zusätzliche Öllieferungen des Königreichs informiert worden seien. Es sei jedoch schwierig zu sagen, welches Volumen die zusätzlichen Mengen tatsächlich haben könnten. Saudi-Arabien als weltgrößter Ölexporteur verfügt derzeit über stillgelegte, aber sofort wieder nutzbare Förderkapazitäten von 2,3 Mill. Barrel pro Tag.

Analysten sehen hinter dem Schritt Saudi-Arabiens die Sorge, der hohe Ölpreis werde der Nachfrage nach dem wichtigsten Rohstoff des Landes schaden. Sie gaben dabei jedoch zu bedenken, dass damit auch der hart errungene Konsens unter den Mitgliedsländern der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC), der das Ölkartell wieder zur bestimmenden Kraft an den Ölmärkten machte, zunichte gemacht werden könnte.

Nachdem andere OPEC-Staaten zunächst überrascht und teilweise verärgert auf die Ankündigung Saudi-Arabiens reagiert hatten, besserte sich die Stimmung unter den Förderländern im Tagesverlauf jedoch offenbar wieder. Der Ölminister Kuwaits, Saud Nasser el-Sabah, sagte, Naimi habe ihm telefonisch zugesichert, dass Saudi-Arabien die Produktion nicht ohne vorherige Konsultationen mit den übrigen OPEC-Staaten erhöhen werde.

Der iranische Ölminister Bijan Zanganeh sagte ebenfalls, er habe aus Riad die Bestätigung erhalten, dass Saudi-Arabien auch weiterhin mit der OPEC in Fragen der Fördermengen zusammenarbeiten werde. Iran hatte am Vormittag verärgert auf den Vorstoß aus Riad reagiert und von Übertreibungen in der Berichterstattung gesprochen.

Opec-Präsident Ali Dodriguez sagte, er werde mit den saudiarabischen Ölminister anrufen und mit ihm den Vorschlag von Saudi-Arabien erörtern.

Das nicht zur OPEC gehörende Norwegen will seine Förderung auf Grund der saudiarabischen Pläne nicht weiter erhöhen. "Wir haben unsere Förderbeschränkung von 100 000 bpd bereits rückgängig gemacht. Weitere Schritte planen wir nicht," sagte der stellvertretende norwegische Öl- und Energieminister Bjoerg Sandal in Oslo.

Dagegen erklärte das ebenfalls nicht dem Kartell angehörende Mexiko, es sei von seinem Verbündeten Saudi-Arabien über den vorgesehenen höheren Ölexport unterrichtet worden. Auch verfüge das Land über freie Kapazität, um bei Bedarf mehr Öl zu fördern.

US-Vizepräsident Al Gore zeigte sich erfreut und gratulierte zu dem Schritt. Die amerikanischen Ölkonzerne forderte er auf, jegliche Preissenkungen an die Kunden an der Tankstelle weiter zu geben.

Erst am 21. Juni hatten die OPEC-Ölminister in Wien vereinbart, die Ölproduktion um 708 000 bpd auf 25,4 Mill. bpd zu erhöhen, um dadurch einen Rückgang des Ölpreises zu erreichen.

Der frühere saudi-arabische Ölminister, Scheich Achmed Saki Jamani, erwartet mittelfristig deutlich sinkende Preise auf dem Rohölmarkt. Jamani sagte am Dienstag im ARD-Wirtschaftsmagazin Plusminus: "Für die Zukunft mache ich mir keine Illusionen. Ich sehe eine viel niedrigeren Ölpreis". Für diese Entwicklung nannte Jamani nach der Pressemitteilung des Senders zwei Gründe: Der hohe Ölpreis führe zu sinkender Nachfrage bei den Verbraucherländern. Zugleich hätten die Ölgesellschaften ihre hohen Profite genutzt, um nach neuen Ölquellen zu forschen. Dabei hätten sie in großen Mengen Öl entdeckt.

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