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18.07.2000

20:38 Uhr

Ölpreise treiben Inflationsrate in die Höhe

Preisschub schafft Zinsdruck in Europa

Die Inflationsrate im Euro-Raum ist im Juni deutlich über die Zwei-Prozent-Marke gestiegen. Bankvolkswirte erwarten nun für September eine Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank.

HB DÜSSELDORF. Die steigenden Ölpreise haben im Juni die Inflationsraten diesseits und jenseits des Atlantiks in die Höhe getrieben. In der Euro-Zone schnellte die Inflationsrate auf 2,4 % (Mai: 1,9 %). Im März hatte die Teuerungsrate mit 2,1 % erstmals seit Start des Euros die 2 %-Marke überschritten. In den USA stiegen die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahr um 3,7 % (Mai: 3,1 %). Die Europäische Kommission lehnte gestern eine Revision ihrer Prognose für die Inflationsentwicklung von 1,8 % für dieses Jahr ab. Ein Preisanstieg von über 2 % in einem Monat sei nicht beunruhigend, wohl aber die anhaltend hohen Ölpreise, sagte ein Sprecher.

Bankvolkswirte rechnen nach den jüngsten Inflationsdaten damit, dass die Teuerungsrate im Euro- Raum im Jahresdurchschnitt 2000 über 2 % liegen könne. Sowohl Holger Schmieding, Chefvolkswirt der amerikanischen Investmentbank Merrill Lynch, und Ulrich Kater von der DGZ-Deka-Bank erwarten eine Jahresinflationsrate von 2,1 %. Damit würde die Europäische Zentralbank (EZB) ihr selbst definiertes Ziel, die Inflationsrate auf mittlere Frist nicht über 2 % steigen zu lassen, knapp verfehlen.

Kater sagte dem Handelsblatt, die Euro-Banker müssten nun Entschlossenheit bei der Inflationsbekämpfung zeigen, zumal ihnen auch das starke Geldmengenwachstum im Nacken sitze. Auch für Schmieding sind Zinserhöhungen nun wahrscheinlicher geworden. Für Juli sei eine Inflationsrate von deutlich über 2 % zu erwarten. Dies bleibe nicht ohne Auswirkungen auf die EZB. Erst gegen Jahresende dürfte die Teuerungsrate wieder unter 2 % sinken, sagte Schmieding.

Er erwartet für September eine Erhöhung der Zinsen um 0,5 Punkte. Joachim Fels von Morgan Stanley rechnet unverändert damit, dass die EZB die Zinsen im September um 0,25 Punkte anheben wird. Derzeit liegen die Leitzinsen bei 4,25 %.

Nach Ansicht von Thomas Mayer von Goldman Sachs sollte sich die EZB hingegen nicht an der Teuerungsrate von 2,4 % stören, wenn sie ihre geldpolitische Strategie ernst nehme. "Sie sollte sich eher über die noch niedrige Kerninflationsrate von 1,3 % freuen", sagte Mayer. In der Kerninflationsrate werden die besonders schwankenden Preise für Energie und Nahrungsmittel nicht berücksichtigt. Sie gilt vielfach als Maß für den mittelfristigen Inflationstrend. Mayer erwartet dennoch, dass die EZB auf den Anstieg der allgemeinen Teuerungsrate reagieren wird. "Die 2,4 % werden die Lust anregen, die Zinsen nach oben zu setzen."

Aus EZB-nahen Kreisen verlautete, die Euro-Bank habe bereits im Monatsbericht Juli auf die bestehenden Risiken für die Preisstabilität hingewiesen. Die nun bekannt gewordenen Inflationszahlen bestätigten diese Einschätzung. In den USA kletterten die Verbraucherpreise im Juni zum Vormonat um 0%, nach 0,1% im Mai. Wie im Euro-Raum fiel auch hier der Anstieg der Kerninflationsrate vergleichsweise mäßig aus. Sie stieg zum Vormonat um 0,2%.

DGZ-Deka-Bank Ökonom Kater kommentierte die Zahlen dahingehend, dass die US-Inflation "nach wie vor unter Kontrolle" sei. Inflationsrisiken seien aber immer noch vorhanden. Er erwartet noch für August einen Zinsschritt der Fed um 0,25 Punkte nach oben. Andere Banken rechnen sogar mit einem Plus von 0,5 Punkten. Derzeit liegt der Leitzins bei 6,5%. Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank tritt am 22. und 23. August wieder zusammen.

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