Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.01.2003

09:11 Uhr

Ölproduktion in dem südamerikanischen Land ist dauerhaft gestört

Venezuela kann nicht liefern

VonAlexander Busch

Der seit fünf Wochen dauernden Generalstreik der Opposition in Venezuela gegen Präsident Hugo Chávez, der die Öllieferungen des Landes bislang beinahe völlig zum Erliegen gebracht hat, scheint Früchte zu tragen. Am späten Montagabend kündigte ein Diplomat der Organisation amerikanischer Staaten, die in Caracas zwischen den streitenden Parteien vermittelt, an, dass die Regierung Neuwahlen nicht mehr kategorisch auschließt.

CARACAS. Gewerkschaften und Arbeitgeberverband als Führer der oppositionellen "Coordinadora Democrática" hätten sich damit durchgesetzt: Sie bestehen darauf, dass Chávez entweder abtritt oder sich einem Referendum stellt.

Für den Ölmarkt bedeutet dies jedoch noch keine Entspannung: "Selbst mit einem Rücktritt von Chávez wäre Venezuela immer noch nicht regierbar", warnt Michael Gavin von UBS Warburg. Außerdem: Der 48-jährige ehemalige Putschoberst und 1998 ins Präsidentenamt gewählte Chávez droht damit, den Ausnahmezustand auszurufen, und der Opposition jegliches Recht auf Protest zu entziehen.

Neben dieser politischen Pattsituation findet die entscheidende Kraftprobe zwischen Chávez und dem staatlichen Ölkonzern PdVSA statt. Im Dezember drohte der Streik bereits zu versiegen. Doch dann besetzten Angestellte und Arbeiter des Konzerns Raffinerien und Häfen des wichtigsten westlichen Öllieferanten. Damit hat die Opposition die Regierung empfindlich getroffen, denn Ölexporte bilden 80 Prozent der Ausfuhren Venezuelas und damit die wichtigste Einkommensquelle der Regierung inmitten einer scharfen Rezession.

Chávez setzt inzwischen ausländische Facharbeiter ein, um die Produktion wieder anzufahren. Er nutzt die Krise, um im Staatskonzern gründlich aufzuräumen, entlässt Angestellte und wechselt Teile der Führungsschicht aus. Experten schätzen, dass es darum nach einem - nicht absehbaren - Streikende mindestens vier Monate dauern wird, bis Venezuela wieder mit alter Kraft produzieren kann.

Der Produktionsausfall trifft nicht nur das Land selbst, sondern natürlich auch die Kunden und dort an erster Stelle die US-Wirtschaft. Für sie ist Venezuela der viertwichtigste Lieferant. Bisher setzten die Investoren darauf, dass die Unterbrechung der venezolanischen Ölproduktion wie beim gescheiterten Putschversuch gegen Chávez im April schnell beendet sein würde. Inzwischen macht sich jedoch Ernüchterung breit. Analyst Paulo Horsnell von JP Morgan warnt: "Bald müssen die USA an ihre strategischen Ölreserven gehen."

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×