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22.01.2001

09:55 Uhr

ap/dpa PUERTO BAQUERIZO/QUITO. Das aus dem vor der Galapagos-Insel San Cristobal gestrandeten ecuadorianischen Tanker "Jessica" austretende Öl breitet sich weiter aus. Wie die Behörden am Sonntag mitteilten, sind im Rumpf des Schiffes neue Risse entstanden. Dadurch habe sich die Menge des inzwischen ins Meer gelangten Dieselöls auf 570 000 Liter erhöht. Der Ölteppich habe bereits die ersten Strände erreicht und bedrohe akut das auf der Welt einzigartige Naturreservat. Der ecuadorianische Umweltminister Rodolfo Rendon hat zu einer Verstärkung der internationalen Hilfe aufgerufen. Das Öl habe sich auf einer Fläche von mehr als 1 200 Kilometern ausgebreitet. Die einzigartige Flora und Fauna der Inseln sei ernsthaft in Gefahr, warnte der Umweltminister. Die Meeresströmung treibe das Öl auf eine Seelöwen- Kolonie zu.

Einzigartiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen in Gefahr

Der Schaden für die Umwelt sei äußerst schwer, sagte Rendon weiter. Mehrere verschmutzte Seelöwen und Vögel seien bereits geborgen worden. Aus dem am Dienstag auf Grund gelaufenen Tanker tritt seit Freitag Dieselöl aus, das von der Strömung auf die größte Seelöwenkolonie der Inselgruppe zutreibt. Der Ölteppich bedroht auch die berühmten Galapagos-Echsen sowie zahlreiche Meeresvögel, Haie und Hummer, wie der Direktor des Nationalparks, Eliecer Cruz, mitteilte. Die Strömung treibe den Ölteppich nach Süden, so dass dieser binnen Tagen die Insel Espanola erreichen könnte, auf der sich große Kolonien von Seelöwen und anderen Meerestieren befinden. Die 965 Kilometer westlich von Ecuador gelegenen Galapagos-Inseln sind ein weltweit einmaliger Lebensraum für Riesenschildkröten sowie andere seltene Tier- und Pflanzenarten.

Zur Eindämmung des Ölteppichs wurden schwimmende Barrieren errichtet. Doch mangelt es den ecuadorianischen Behörden nach eigenen Angaben an ausreichendem Gerät. Zur Unterstützung der Maßnahmen gegen die drohende Ölpest trafen am Sonntag Umweltexperten der US-Küstenwacht mit Spezialgerät in Ecuador ein.

Navigationsfehler soll Havarie ausgelöst haben

Der ecuadorianische Präsident Gustavo Noboa forderte am Sonntag einen detaillierten Bericht über die Ursache des Unglücks. Dennoch ist gegen Kapitän und Eigner des Havaristen laut Polizei noch keine Anklage erhoben worden, doch sagte Rendon, er werde am Montag eine strafrechtliche Untersuchung beantragen. Die Behörden führen das Schiffsunglück auf einen Navigationsfehler zurück. Die "Jessica" hatte 920 000 Liter Öl geladen.

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