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23.07.2000

19:00 Uhr

jojo MÜNCHEN. In der seit Jahren andauernden Diskussion um die Bereinigung in der deutschen Bankenlandschaft hat Hypo-Vereinsbank-Chef Albrecht Schmidt seine Position immer klar gemacht: Eine Fusion mit einer anderen großen Universalbank in Deutschland komme nicht in Frage. Statt dessen setzt Schmidt auf Übernahmen im europäischen Ausland. Das nötige Kapital für Beteiligungen und Akquisitionen ließ sich der Konzernlenker auf der jüngsten Hauptversammlung genehmigen: 200 Mill. Aktien haben die Aktionäre abgesegnet, das entspricht etwa einem Börsenwert von 13,8 Mrd. Euro.



Dass er jetzt die Bank Austria - deren gegenwärtiger Börsenwert rund 5,8 Mrd. Euro beträgt - übernimmt, passt in Schmidts Konzept, das er "Bank der Regionen" genannt hat. Sein Ziel ist, zusammen mit Partnern in ausgewählten Regionen eine starke Marktposition zu erreichen. Seine Akquisitions-Schatulle hat er mit der jetzigen Übernahme zu etwas mehr als der Hälfte geleert, denn das Volumen beträgt rund 8 Mrd. Euro. Mit der Bank Austria gelingt der regionale Vorstoß vor allem in Osteuropa. Beide Institute sind mit Töchtern in Polen, Tschechien und Ungarn vertreten und könnten ihre Aktivitäten nach Meinung von Analysten sinnvoll ergänzen.



Für die Hypo-Vereinsbank ist dabei insbesondere das flächendeckende Filial-Netz der Österreicher in diesen Ländern interessant. Im Gegensatz zu den Absichten anderer großer Bankhäuser versteht sich die Hypo-Vereinsbank ausdrücklich als Bank für private Kunden sowie mittelständische Unternehmen.



Bank Austria wird für regionale Aktivitäten in Österreich sowie Mittel- und Osteuropa zuständig sein.



Die Bank Austria wird, nachdem sie in die Hypo-Vereinsbank integriert wurde, für alle regionalen Aktivitäten in Österreich sowie Mittel- und Osteuropa zuständig sein. Die Hypo-Vereinsbank wird alle internationalen Stützpunkte der Österreicher übernehmen und integrieren. Durch die Übernahme sieht sich die Hypo-Vereinsbank jetzt als Marktführer in Süddeutschland und Österreich. Diese Position werde nun in Mittel- und Osteuropa angestrebt.



Die Integration der Österreicher soll in mehreren Schritten erfolgen. Zunächst werde die Bank Austria ihren gesamten Geschäftsbetrieb in eine 100 %-Tochtergesellschaft ausgliedern, heißt es in einer Mitteilung der Hypo-Vereinsbank. Dann werden alle Anteile an dieser Tochter in Form einer Sacheinlage gegen 114 Mill. Hypo-Vereinsbank-Aktien in die Hypo-Vereinsbank eingebracht. Im letzten Schritt soll die Bank Austria auf die nunmehr 100 %-Tochter der Hypo-Vereinsbank verschmolzen werden. Die Bank-Austria-Aktionäre erhalten dann für jede ihrer Aktien eine der Hypo-Vereinsbank. Wie die Banken mitteilen, steht das Umtausch-Verhältnis noch nicht endgültig fest.



Eine Überschneidung der Aktivitäten gibt es durch die Fusion allerdings in Österreich. Die Hypovereinsbank ist dort schon lange vertreten mit der SKWB Schoellerbank. Das Institut entstand im September 1998 im Zuge der Fusion von Hypo-Bank- und Vereinsbank zur Hypo-Vereinsbank. Die Salzburger Kredit- und Wechsel-Bank AG (SKWB) war eine Tochter der Hypo-Bank, die Schoellerbank gehörte zur Vereinsbank. Das Institut sieht sich unter den zehn größten österreichischen Banken hinsichtlich des Depotvolumens und unter den 30 Größten bei der Bilanzsumme.



Gleichzeitig mit der Bekanntgabe der Übernahme veröffentlichte die Hypo-Vereinsbank die Zahlen zum Geschäftsverlauf im ersten Halbjahr. So stieg das Betriebsergebnis auf 1,06 Mrd. Euro, die operativen Erträge kletterten gegenüber dem Vorjahres-Zeitraum um 10 % auf 4 Mrd. Euro. Der Provisionsüberschuss legte um 38,1 % auf 1,23 Mrd. Euro zu. Das Ergebnis je Aktie wuchs von 0,07 auf 1,35 Euro. Die Bilanzsumme belief sich zum 30.6. auf 539,9 Mrd. Euro, das sind 7,3 % mehr als Ende 1999.

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