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03.01.2002

19:00 Uhr

Offene Fragen bei öffentlichen Banken bergen Zündstoff

Reformuhr für Landesbanken tickt

VonCASPAR DOHMEN

Das Jahr 2001 hat die Welt für öffentliche Banken verändert. Drei Jahre haben die Landesbanken Zeit, sich fit für den Wettbewerb zu machen. Auch für Sparkassen steigt der Rentabilitätsdruck.

DÜSSELDORF. Der Brüsseler Kompromiss im Landesbankenstreit brachte eine Zäsur für die öffentlichen Banken in Deutschland. Nachdem sich im Juli die EU-Kommission mit der Bundesregierung über den Wegfall der Staatsgarantien für Landesbanken und Sparkassen verständigt hat, tickt für die Institute die Reformuhr. Bis 2005 haben sie Zeit, sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen. So gibt es künftig keine automatische Unterstützung des Staates mehr für angeschlagene öffentliche Institute. Vielmehr müssen staatliche Hilfen, wie bei jedem privaten Unternehmen auch, in Brüssel als Beihilfe angemeldet und überprüft werden, wie zuletzt etwa bei der Hilfe des Landes Berlin für die Bankgesellschaft Berlin.

Weitaus stärker als auf Sparkassen wirkt sich der Brüsseler Kompromiss auf die Landesbanken aus. Noch genießen die Institute wegen der Staatsgarantien eine Kreditbonität wie staatliche Schuldner und können sich entsprechend günstig an den Märkten refinanzieren. Damit ist Mitte 2005 Schluss. Deshalb blicken alle Landesbanken auf die Kosten, vor allem um eine zu starke Herabstufung ihrer Bonität durch die Rating-Agenturen zu verhindern. Vor diesem Hintergrund tüfteln Banken und Eigentümer von Kiel bis München an zukunftsweisenden Geschäftsmodellen.

Die Weichen für die beiden größten Landesbanken WestLB und Bayerische Landesbank sind bereits gestellt. Das Düsseldorfer Aufspaltungsmodell und das Münchener Finanzholdingmodell zeigen zweierlei: Die Landesbanken öffnen sich für strategische Partnerschaften und möglicherweise langfristig auch für eine Privatisierung. So können die Institute im Wettbewerb mit den privaten Banken künftig besser mithalten und für Aquisitionen eigene Aktien einsetzen. Wenig Veränderungsbedarf gibt es bei der Landesbank Baden-Württemberg, die sich aufgrund ihres großen Privatkundenbereichs bereits vor dem Brüsseler Kompromiss als Retailbank positioniert hat. Das nächste Jahr wird zudem zeigen, ob die NordLB bei der Bankgesellschaft Berlin zum Zug kommt und ob eine Fusion der Landesbanken in Kiel und Hamburg eine Chance hat.

Gleichzeitig müssen alle Institute Antworten auf die großen Fragen bei Landesbanken wie Margenverbesserung, Konzentration auf Kerngeschäftsfelder, Kostensenkung und Bündelung der Kräfte finden.

Auch in der Welt der Sparkassen steigt der Rentabilitätsdruck. Zunehmend spüren die Institute in ihren regionalen Nischen die Globalisierung. In einigen Regionen haben sie bereits Marktanteile an ausländische Institute verloren. Vor diesem Hintergrund diagnostiziert Sparkassen-Präsident DietrichHoppenstedt: Sowohl bei den Produkten als auch bei Kundennähe und Abwicklungsvolumen müsse sich jede Sparkasse künftig in Qualität und Schnelligkeit an der internationalen Konkurrenz messen lassen.

"Dieser neuen Dimension des Wettbewerbs können die Sparkassen nicht mehr mit den alten Strukturen begegnen", meint Hoppenstedt. Als Therapie fordert er seit Jahren die Produktentwicklung und die Abwicklung von Wertpapiergeschäften in Bankfabriken zu zentralisieren. Die lokalen Sparkassen sollen sich auf ihre Vertriebsstärke konzentrieren. Doch die Umsetzung zentraler Lösungen fällt der dezentralen Sparkassenfinanzgruppe schwer. So scheiterte der Versuch einen gemeinsamen Wertpapierabwickler zu schaffen, stattdessen machen sich eine Handvoll öffentlicher Abwickler Konkurrenz. Fortschritte gab es 2001 dagegen beim Online-Brokerage. Nach langen Geburtswehen startete im Sommer der S-Broker. Das der gemeinsame Broker überhaupt eine Startchance erhielt, lag vor allem am Druck der Großsparkassen, die das Projekt auch vorfinanzierten.

Ohnehin forcieren die Großsparkassen das Tempo im Sparkassenverbund, sie planen selbst im großen Stil Kooperationen wie Bankfabriken für die Produktabwicklung. Verbundlösungen dauern ihnen zu lange, zudem kritisieren sie viele Verbandslösungen als unzureichend. Die Großsparkassen wollen künftig einzelne Häuser als Kompetenzzentren etablieren. Sollten die Pläne der Großsparkassen Wirklichkeit werden, träten sie damit nicht nur in Konkurrenz zu Verbänden, sondern auch zu den Landesbanken, die künftig stärker als Sparkassenpartner agieren wollen. Alles in allem bietet das neue Jahr somit genügend Zündstoff im öffentlich-rechtlichen Bankensektor.

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