Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.03.2003

08:10 Uhr

Offerte für Crédit Lyonnais startet heute

Crédit Agricoles Übernahmepläne bergen Risiken für den Aktienkurs

VonAndreas Bohne (Handelsblatt)

Sie kommt, sie kommt nicht - voilà: sie kommt. Heute startet die Übernahmeofferte der französischen Finanzgruppe Crédit Agricole für die 1999 privatisierte Großbank Crédit Lyonnais.

PARIS. Das Gebot, mit einem Volumen von gut 15 Mrd. Euro in Aktien und Cash das bisher größte in diesem Jahr, wird das Gesicht der genossenschaftlichen Finanzgruppe verändern und für die Wertentwicklung der Aktie der Crédit Agricole S.A. (Casa) entscheidend sein.

Schon eine zögerliche Aufnahme der Aktienkomponente der Offerte könnte die Casa-Aktie in den Keller ziehen, warnen Analysten. Ein Gegenangebot könnte ein ruinöses Wettbieten auslösen, dass die Erträge der reservenstarken aber margenschwachen Agrarbank auf Jahre belasten würde. Nicht zuletzt bedrohen innere Auseinandersetzungen um die Übernahme die über 700 Mill. Euro Synergien, die Casa-Boss Jean Laurent mit seinem Lyonnais-Partner Dominique Ferrero jährlich zu realisieren hofft.

Die Offerte besteht aus drei Teilen: Zunächst bietet Casa für je vier Lyonnais-Aktien je fünf ihrer eigenen Titel plus 148,24 Euro Barzahlung. Eine zusätzliche Tranche ist als Barofferte gestaltet: Casa will 56 Euro je Lyonnais-Aktie zahlen. In einer dritten Tranche bietet Casa schließlich 37 junge eigene Aktien gegen je zehn Lyonnais-Anteile.

Das Gebot läuft bis zum 6.5.2003 - wenn nicht noch eine Gegenofferte dazwischen kommt. Denn BNP Paribas, mit 16,4 % zweitgrößter Aktionär bei Crédit Lyonnais, muss bei den aktuellen Kursen fürchten, dass der überfallartige Einstieg bei Crédit Lyonnais im vergangenen Oktober zum schlechten Geschäft wird. BNP Paribas hat bisher wenig Interesse an den Casa-Aktien und dürfte einen Barerlös erwarten, wenn sie ihr Crédit-Lyonnais-Paket Crédit Agricole andient.

Doch haben die Agrarbanker die Barkomponente ihrer Offerte auf 66,18 % des Gesamtvolumens begrenzt. Übersteigen die Andienungen gegen Bar diese Quote, werden sie zum Teil in Casa-Aktien ausbezahlt - wie groß dieser Teil sein wird, lässt sich kaum abschätzen. Sicher ist aber, dass jene Crédit-Lyonnais-Kernaktionäre, die ihre Pakete andienen wollen, mit Ausnahme des zu Allianz gehörenden Versicherers AGF ausschließlich Bares sehen wollen.

Für BNP Paribas ist das Risiko groß, am Ende mit einem Paket ungeliebter Casa-Aktien dazustehen. Eine Gegenofferte wäre eine Strategie, dies zu vermeiden. Deren Erfolgsaussichten sind aber in französischen Finanzkreisen umstritten. Eine andere Möglichkeit bestünde für BNP darin, ihr Lyonnais-Aktienpaket nicht anzudienen und auf eine spätere Abfindungsofferte ("squeeze-out") zu spekulieren.

Beide Wege würden die Aussichten auf eine gute Wertentwicklung der Casa-Aktie auf absehbare Zeit zunichte machen. Belastend wirken auch die Auflagen der Bankaufsicht Cecei für die Lyonnais-Übernahme: Casa soll 85 Zweigstellen an die Konkurrenz abgeben und in einem Drittel Frankreichs zwei Jahre lang keine neuen eröffnen. Doch hat Casa kaum eigene Zweigstellen, und das Lyonnais-Filialnetz genießt laut Fusionsvertrag Bestandsschutz. So werden die Agricole-Regionalkassen, die an dem Deal nur indirekt beteiligt und diesen im Vorfeld heftig bekämpft haben, sind, das Opfer bringen.

Die erste Reaktion der Casa-Führungsriege war eine versteckte Drohung. : Man habe um eine Genehmigung ohne Auflagen nachgesucht. Es sei nicht sicher, dass man die Auflagen akzeptieren und die Offerte tatsächlich durchziehen werde. Dann herrschte Funkstille. Jetzt ist die Offerte da. Doch auch die Händler in den Pariser Traderooms sind skeptisch. Sie wissen: Die Übernahme belastet den inneren Zusammenhalt zwischen den teils selbst börsennotierten Crédit-Agricole-Regionalkassen und ihrem Spitzeninstitut Crédit Agricole S.A. (Casa) bis zum Bruchpunkt. Die Bruchgefahr schwindet mit der Eröffnung der Offerte keineswegs. Sie droht die Performance der vereinigten französischen Superbank auf Jahre hinaus zu belasten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×