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17.01.2003

14:00 Uhr

Offerte von Bosch erwartet

Bilfinger rüstet sich für Poker um Buderus

Der Mannheimer Baukonzern Bilfinger Berger wartet auf eine konkrete Offerte von Bosch für seine Beteiligung am Heiztechnik-Hersteller Buderus und stellt sich auf einen Preispoker mit dem Autozulieferer ein.

Reuters MANNHEIM. "Bosch müsste halt sagen, wir wollen (Buderus) unbedingt", sagte Bilfinger-Finanzvorstand Jürgen Schneider der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstagabend am Rande eines Privatanleger-Forums in Mannheim. Bisher habe der Stuttgarter Elektronik-Konzern aber noch keine konkrete Offerte für den 30-Prozent-Anteil vorgelegt. Zuletzt habe es nur "immer wieder lose Kontakte" gegeben. Ein Verkauf des Anteils wäre für Bilfinger Berger nur eine Frage des Preises, sagte Schneider. "Bei 35 Euro (je Aktie) könnten wir sicher nicht Nein sagen." Bosch hielt an der Formulierung fest, der 13-Prozent-Anteil an Buderus sei nur eine Finanzbeteiligung.

Die Zurückhaltung von Bosch im Hinblick auf Buderus hält der Bilfinger-Finanzchef nicht für glaubhaft. "Das ist mit dem Wort Finanzbeteiligung sehr niedlich umschrieben", erklärte Schneider auf dem Anlegerforum. Bosch wolle seine Abhängigkeit von der Automobilindustrie reduzieren, mit der die Stuttgarter derzeit fast 70 Prozent des Umsatzes erwirtschaften. Der Konzern wolle aber offenbar nur einen am Börsenkurs von Buderus orientierten Preis von rund 25 Euro je Aktie zahlen, fügte er im Gespräch mit Reuters hinzu. Buderus sei mit Blick auf die Umsatzrendite mehr wert. Gewöhnlich treffe man sich in solchen Fällen in der Mitte.

Andere Hindernisse als den Preis sieht Schneider für einen Verkauf nicht mehr. "Für Großakquisitionen kann man immer Geld brauchen", sagte er Reuters. Vor gut einem Jahr waren Gespräche zwischen Bilfinger Berger und Bosch über Buderus gescheitert. Damals hatte der Baukonzern erklärt, er habe keinen Bedarf an liquiden Mitteln. Seither hat Bilfinger Berger den Münchener Bau- und Industriedienstleister Rheinhold & Mahla und die Gebäudedienstleistungs-Tochter von Holzmann, HSG, gekauft. "Wir haben keine Eile", fügte Schneider hinzu.

Zu Jahresbeginn hatte Bosch überraschend mitgeteilt, seinen Buderus-Anteil mit einem von der Deutschen Bank für gut 21 Euro je Aktie - insgesamt rund 100 Millionen Euro - erworbenen Paket auf über 13 Prozent aufgestockt zu haben. An der Haltung, dass es sich dabei nur um eine Finanzbeteiligung handele, habe sich nichts geändert, bekräftigte ein Bosch-Sprecher.

Analysten vermuten freilich einen erneuten Anlauf, Buderus zu übernehmen. Bosch besitzt mit Junkers schon einen Hersteller von Heizungssystemen, die aber anders als Buderus im unteren Preissegment liegen. "Der Preis, den Bilfinger sich vorstellt, ist zu hoch", sagte HypoVereinsbank-Analyst Christopher Schardt. "Das ist wie ein Pokerspiel." Bilfinger Berger stehe aber nicht unter Verkaufsdruck und wolle deshalb den Preis hoch halten.

Bilfinger ist der größte Aktionär von Buderus und gilt damit als Schlüssel zu einer Übernahme des Wetzlarer Unternehmens. Gut zehn Prozent liegen bei der Commerzbank, die ebenfalls als verkaufswillig gilt. Die im MDax notierte Bilfinger-Aktie kletterte am Freitag um 3,6 Prozent auf 18,70 Euro. "Wenn Bosch Interesse zeigt und wir uns nicht verweigern, dürfte in diesem Jahr noch viel Fantasie in der Aktie liegen", hatte Schneider vor den Kleinanlegern gesagt. Buderus stiegen um 0,8 Prozent auf 24,84 Euro.

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