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09.01.2003

13:00 Uhr

"Offizielle" Messespediteure haben es leichter

Logistik als entscheidendes Plus

VonRita Stark (Handelsblatt)

Mit dem reibungslosen Transport der Messegüter steht und fällt die Präsentation der Aussteller. Um sich auf ihre inhaltlichen Aufgaben konzentrieren zu können, müssen sie sich auf ihren Messespediteur 100prozentig verlassen können.

HB HANNOVER. Zur Internationalen Grünen Woche in Berlin dienen für das Logistikunternehmen Schenker Deutschland zahlreiche Kühlcontainer auf dem Messegelände als Nachschublager für verderbliche Lebensmittel. 50 Schenker-Fahrer liefern dort innerhalb des Messegeländes frische Appetithäppchen auf Zuruf.

Zur Bootsmesse in Düsseldorf müssen die großen Yachten in der richtigen Reihenfolge in die Hallen gebracht werden, damit kein Chaos entsteht. So genannte Einbringungspläne sollen garantieren, dass alle Aussteller rechtzeitig ihre Messeprodukte an den Stand geliefert bekommen. Der Messeumsatz des Unternehmens beläuft sich allein in Deutschland auf rund 50 Mio. Euro. Dabei haben esOffizielle" Messespediteure leichter im Messegeschäft.

Eine enge Kooperation mit den Messeveranstaltern erleichtert die Arbeit durch Büros auf dem Gelände, den Einsatz eigenen Geräts, Leergutlagerung, Zwischenlagerung von Vollgütern und deren Zustellung am Stand sowie die genaue Kenntnis der Örtlichkeiten. Bedient sich ein Aussteller eines nicht offiziellen Spediteurs, müssen die Messegüter am Eingang zum Messegelände an einen offiziellen übergeben werden.

Erfolgsfaktor

Was auf der CeBIT 2003 "backstage" passiert, entscheidet mit über den Erfolg der einzelnen Messebeteiligungen. Über 2.500 Aussteller lassen sich beim Transport ihrer Messegüter nach Hannover von Schenker betreuen. Bei der Anlieferung aus aller Welt muss präzise gearbeitet werden, damit alle Räder nahtlos ineinander greifen. Was nicht just-in-time ankommt, verursacht zumindest erhöhte Kosten. Treffen Messegüter gar verspätet ein, ist der Messeauftritt des Kunden ernsthaft gefährdet. Um dies zu vermeiden, beginnt Schenker - in Hannover einer der drei offiziellen Messespediteure - mit der Planung bereits ein halbes Jahr vor dem Start der CeBIT.

So kamen die Logistiker in Taipeh bereits im Herbst 2002 mit der ebenfalls dort vertretenen Hanover Pacific Inc., Niederlassung der Deutschen Messe AG, zu ersten Planungsgesprächen zusammen. Das gemeinsame Interesse gilt über 200 Ausstellern aus Taiwan, für die Schenker die langen Wege zur CeBIT ebnet.

Zwei Drittel des Messeguts treten in Containern als Seefracht ihre sechswöchige Reise zum Hamburger Hafen an, ein Drittel wird per Luftfracht nach Luxemburg versendet, wo jeweils erste Zollformalitäten zu erledigen sind. Im März rollen dann die verplombten Lkw mit 40´-Containern und Luftfrachtpaletten die verbleibenden Kilometer nach Hannover. Mit dem Flugzeug werden vor allem innovative Produkte geschickt, die oft erst in letzter Minute serienreif sind.

Angesichts des enormen Aufkommens an Messegut wird für die taiwanesischen Kunden am Rande des Messegeländes ein eigenes Lager vorgehalten, wo die Container in Anwesenheit des Zolls geöffnet und alle Dokumente geprüft werden. Zehn Tage vor der CeBIT treffen sechs Schenker-Mitarbeiter aus Taipeh in Hannover ein. In der Tasche haben sie die genauen Pläne, welche Messegüter wann an welchen Stand geliefert werden sollen. Sie betreuen ihre taiwanesischen Kunden während der Messe und überbrücken auch eventuelle Verständigungsschwierigkeiten.

Zum deutschen Team in Hannover gehören über 50 feste Kräfte, darunter auch die Staplerfahrer und Mitarbeiter der Schwerlastkolonne. Zur CeBIT kommen rund 350 freie Mitarbeiter zusätzlich, 140 Lkw, 120 Stapler und 20 Kräne zum Einsatz.

Für die Anlieferung taiwanesischen Messeguts an den einzelnen Ständen werden eigens vier bis fünf Transportfahrzeuge bereit gestellt. Wirklich eng wird es allerdings erst in den letzten 24 Stunden vor Messeeröffnung, wenn die Aussteller selbst anwesend sind und fast alles gleichzeitig passiert. Die ausstellende Industrie muss sich insbesondere im Ausland auf ihre Spediteure absolut verlassen können.

In den ersten fünf Messetagen der CeBIT müssen die Stände bei Bedarf ad hoc beliefert werden. In dieser weniger hektischen Zeit wird das Leergut auf verschiedene Lkw verteilt, damit die Aussteller am letzten Messetag mit dem Gongschlag um 18 Uhr auf kürzesten Wegen versorgt werden können. In der Abbauphase waren für die taiwanesischen Kunden vier spezielle Büros geöffnet, wo sie registrieren ließen, was mit dem Ausstellungsgut geschehen sollte.

Nur ein Teil ging zurück nach Asien. Ausgenommen waren verkaufte oder im Einzelfall "abhanden" gekommene Ausstellungsstücke, ausgegebene Kataloge und Broschüren. Manches sollte für nochmalige Nutzung zur nachfolgenden Industriemesse auf dem Gelände eingelagert werden. In der Abbaunacht dienten in jeder Halle "Collection points" als Sammelstellen für die Verteilung des Leerguts. Bedient wurden die elf taiwanesischen Gemeinschaftsstände in elf Hallen sowie alle Einzelstände.

Die von den Ausstellern gepackten Kartons wurden im Sinne kurzer Wege und Minimierung des Lkw-Einsatzes auf in der Nähe geparkte Trailer geladen. Erst mit der persönlichen Übergabe am Stand übernimmt Schenker wieder die Verantwortung für das Messegut.

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