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02.03.2004

16:10 Uhr

Ohne Softskills geht nichts

Kein Platz für Einzelkämpfer

VonChristoph Mohr
Quelle:http://www.karriere.de

Um einen MBA-Platz zu ergattern, zählen nicht bloß gute Noten. Anders als Universitäten wählen Business Schools ihre Bewerber nach persönlichen Stärken und Leistungen aus. Junge Karriere zeigt, worauf die Schulen abfahren.

Sie bewerben sich auf einen MBA-Studienplatz und sind guter Dinge: Schließlich können Sie mit Traumnoten im Examen, einem tollen GMAT-Ergebnis und Berufserfahrung glänzen. Dass Sie früher mal Klassensprecher und Mannschaftskapitän im Sportverein waren - wen interessiert das schon, denken Sie sich und verschweigen Ihre Jugendtaten. Falsch gedacht. Wer mit frühen Führungsfunktionen oder sozialem Engagement hinterm Berg hält, riskiert seine Eintrittskarte zur MBA-Ausbildung. Denn Business Schools haben bei der Studentenauswahl ganz besondere Kriterien.

Gesucht werden keine Mathe-Genies, Computerfreaks oder intellektuellen Überflieger. Gesucht werden Leute, die eine klare Vorstellung besitzen, wohin sie ein MBA in ihrer Karriere bringen kann, und die in ihrem bisherigen Leben schon nachweislich etwas geleistet haben - "proven track record" nennen das die Profis.

"Business Schools haben gute kommerzielle Gründe dafür, mit großem Aufwand nach den besten Kandidaten zu suchen", sagt George Bickerstaffe, Londoner Business-School-Experte und Autor der MBA-Bibel "Which MBA?" Die Formel ist einfach: Die besten Studenten ziehen die besten Recruiter an und kriegen die besten Jobs. Absolventen, die in Top-Positionen kommen, sind wiederum die beste Werbung für die Schule.

Wer in den illustren Kreis aufgenommen werden will, muss sich vor allem optimal verkaufen. "MBA-Kandidaten sollten wissen, dass eine Bewerbung eine Form von Selbstmarketing ist", sagt MBA-Experte Matt Symonds, Autor des Bestsellers "Getting the MBA Admissions Edge". "Und eine der Grundregeln des Marketings ist es, die Konsumenten und ihre Bedürfnisse zu analysieren." Die Vorlieben der Business Schools herauszufinden, ist kein Hexenwerk: Sie alle suchen nach ähnlichen Idealkandidaten. Auf jeder Website, in jeder Broschüre ist von Leadership, Teamgeist, Internationalität und moralischer Integrität die Rede. "Aber Sie müssen diese Schlagworte auch mit Inhalt füllen", sagt Symonds und empfiehlt: "Suchen Sie nach Beispielen in Ihrem Leben, die das am besten illustrieren."

Leadership

Mit dem Begriff Leadership tun sich Deutsche besonders schwer. Wer das als hemdsärmelige Durchsetzungsfähigkeit interpretiert, hat bei den Schulen schon schlechte Karten. Für sie ist Leadership die Fähigkeit, Ziele zu definieren, andere dafür zu gewinnen, und sie letztlich zu erreichen. Und das gilt es mit Leistungen aus der privaten Lebenswelt zu illustrieren. Ob der Kandidat einst Klassensprecher oder Coach der lokalen Kickermannschaft war - was zählt, ist die Führungsqualität, die er damit unter Beweis stellt.

Teamgeist

Business Schools wollen weder Einzelkämpfer noch Eigenbrötler, ganz gleich wie gut ihre Zeugnisse sind. "Wir sind an Kandidaten interessiert, mit denen es Spaß macht, zusammenzuarbeiten", sagt Connie Tai, Admissions-Chefin an der renommierten Rotterdam School of Management. Um Leadership und Teamgeist wirkungsvoll zu demonstrieren, ist es gerade an US-Schulen nicht unklug, auf seine Laufbahn als Amateur- oder sogar Leistungssportler hinzuweisen. Viele der echten oder vermeintlichen Sport-Tugenden wie Ausdauer und Kampfgeist, Wettbewerb und Verlierenkönnen, stehen in den USA hoch im Kurs. "Sportlich im Kopf" ist ein guter Selling Point.

Internationalität

Jede Business School strebt eine möglichst internationale Mischung der Studenten an - nicht zuletzt, weil die maßgeblichen Rankings darauf Wert legen. Kann sein, dass man schon als Quoten-Deutscher gute Karten hat. Noch wichtiger aber ist den Schulen, MBA-Studenten mit möglichst breitem Background zu haben. Chancen für Exoten! Zur Internationalität gehören alle Auslandsaufenthalte, Reisen, Sprachkenntnisse, aber auch jede Form von Tätigkeit in internationalen Teams.

Moralische Integrität

Groß in Mode kommt derzeit das Kriterium "ethics" - moralische Integrität. Engagement für das Gemeinwohl und soziale Verantwortung sind nach den jüngsten Abzocker-Skandalen in der Wirtschaft gefragte Fähigkeiten. Sie haben in der Altenpflege gejobbt, engagieren sich für sozial Benachteiligte oder bei Amnesty International? Wunderbar, rein in die Bewerbung!

Führungsstärke, Weltläufigkeit, Sozialverhalten - darauf fahren alle Managementschmieden ab. Dennoch bewahrt sich jede ihr eigenes kleines Steckenpferd. Die Kellogg School in Philadelphia etwa, die einige Rankings derzeit auf Platz eins in den USA setzen, legt Wert auf Teamgeist. Wer sich in seinen Bewerbungsunterlagen als harter Einzelkämpfer outet, dürfte hier schon aus dem Rennen sein. Umgekehrt sind Schulen wie Harvard für ihren Wettbewerbsgeist bekannt. Und die Rotterdam School of Management für etwas, das man bei einer Business School zuletzt erwartet: Bodenständigkeit. "Wir suchen Leute, die down to earth sind", sagt Recruiterin Connie Tai. "Genauso wie die Holländer."

Wer weiß, wie eine Schule tickt, wird auch die Frage beantworten können, die bei jeder Bewerbung unweigerlich kommt: Warum wollen Sie unbedingt zu uns? "Aber geben Sie um Gottes Willen keine Standardantwort, die auf jede Schule passen würde", rät Symonds. "Dann haben Sie schon verloren."

Quelle: Junge Karriere, weitere Informationen zum Thema MBA finden Sie auch unter www.jungekarriere.com/mba

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