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10.01.2002

00:00 Uhr

Old Economy ist treibende Kraft bei der Internetrevolution

Es gibt noch viel zu tun

VonERWIN STAUDT

Das Ende der New Economy markiert einen Neuanfang in der Internetrevolution. Der Internetverkehr wächst ungeachtet des Kehraus am Neuen Markt stetig an.

STUTTGART. Im zweiten Halbjahr 2000, als der Zusammenbruch von Internetfirmen in Europa begann, wuchs der Anteil der Europäer mit Internetzugang um 20 %. In Deutschland verfügt heute jeder Zweite über einen Internetzugang, und mehr als zwei Drittel nutzen ihn sogar regelmäßig.

Und dennoch, eine qualitative Veränderung ist zu spüren. Die etablierte Wirtschaft wird nun zur treibenden Kraft der revolutionären Veränderungen. War die erste Welle getrieben von privater Begeisterung für das Surfen, für bunte Inhalte und persönliche Homepages, sind es nun gerade etablierte Unternehmen der so genannten "Old Economy", die mit Hilfe des Internets Grenzen verschieben und die neuen Technologien nutzen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit am Weltmarkt zu erhöhen.

Schon heute setzen Firmen die Internettechnologie im eigenen Kerngeschäft ein, und zwar nicht allein im Handel mit Endkunden. Vor allem die Geschäftsabwicklung mit Firmenkunden, der "Business-to-Business"-Handel (B2B), blüht und hat im vorigen Jahr bereits ein Volumen von 433 Mrd. $ erreicht. Eine zentrale Motivation für Investitionen in den B2B-Handel liegt in den Kostenersparnissen durch optimierte Prozesse. So hat IBM seit 1995 durch den Einsatz von E-Business-Technologie weltweit die eigenen Lieferkosten um 22 % gesenkt, während das Liefervolumen im gleichen Zeitraum um 29 % gestiegen ist.

Und in den elektronischen Marktplätzen können Unternehmen, die ihren Geschäftsverkehr hierüber abwickeln, je nach Branche Einsparungen in ihren Prozessketten um bis zu 40 % erzielen.

Was aber ist mit den vielen Firmenpleiten, den gestoppten E-Business-Projekten im Bankensektor oder dem Einzelhandel, den vielen gescheiterten Versuchen, mit Internettechnologie Geld zu verdienen? Mit großer Wahrscheinlichkeit haben sie alle gegen eine der drei einfachen Grundregeln erfolgreicher E-Business-Projekte verstoßen. Die Grundregeln besagen, dass sich für den Kunden ein Mehrwert ergeben muss, dass ein "Return on Investment" in absehbarer Zeit zu erfolgen hat und dass das Projekt sich in die übergeordnete Unternehmensstrategie einfügen muss.

Das Gleiche wird übrigens auch für die nächste Welle der Internetrevolution gelten: die Transformation des öffentlichen Sektors. Nutzen für den Nutzer sowie für den Investor und das Einfließen von E-Business in die Organisationskultur sind unablässig für den Erfolg eines virtuellen Amtsschalters ebenso wie für den Erfolg eines Online-Unicampus oder gar einer Onlinewahl.

Neben den Regeln für geschäftlichen Erfolg brauchen wir aber noch mehr, um die E-Society zum Erfolg zu führen. In Public Private Partnerships wie der Initiative D21 müssen wir in enger Zusammenarbeit von Regierung, Privatwirtschaft und anderen Institutionen die Weichen stellen für Fragen wie Bildung, Sicherheit im Netz oder wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen.

So kann es beispielsweise nicht sein, dass in Zukunft sechsmal mehr Sprach- und Kulturwissenschaftler ins Berufsleben gehen als Informatiker, während schon heute Zehntausende von Arbeitsplätzen in der IT-Branche - und zwar größtenteils Arbeitsplätze für Akademiker - unbesetzt bleiben, weil keine Fachkräfte verfügbar sind. Die E-Society braucht gut ausgebildete Menschen, die solide Kenntnisse der neuen Technologien mit der Fähigkeit verbinden, Veränderungen zu gestalten.

Genauso wenig kann man es sich erlauben, die Hälfte der Bevölkerung auf dem Weg in die Internetgesellschaft abzuhängen. Die Gefahr einer digitalen Spaltung unserer Gesellschaft ist real. So hat die Unternehmensberatung Booz Allen & Hamilton in einer Studie im Auftrag der Initiative D21 festgestellt, dass zu befürchten ist, dass im Jahr 2003 rund 21 Millionen Bundesbürger das Internet nicht nutzen werden. Dies ist umso alarmierender, als es gerade Gruppen sind, die allzu oft in unserer Gesellschaft benachteiligt sind. Der Gefahr einer digitalen Spaltung kann man nur begegnen, wenn die Kräfte gebündelt werden und statt vereinzelter Aktionen groß angelegte Kampagnen mit geballter Kraft durchgeführt werden. Die Initiative "Internet für alle" des Bundeswirtschaftsministeriums in Zusammenarbeit mit D21 zeigt Wege auf, wie Kampagnen erfolgreich umgesetzt werden können.

Die Initiative D21 sieht es auch zukünftig als ihre vorrangige Aufgabe an, all jene gesellschaftlichen Kräfte zu bündeln, welche die Informationsgesellschaft aktiv gestalten wollen. Als Vereinigung von rund 200 Unternehmen der deutschen Wirtschaft wird D21 auch weiterhin dazu beitragen, den Wandel von der Industrie- zur Informationsgesellschaft zu beschleunigen und die Chancen für Wachstum und Beschäftigung besser zu nutzen.

Erwin Staudt, Vorsitzender der Geschäftsführung der IBM Deutschland GmbH, Stuttgart.

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