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01.02.2001

19:00 Uhr

Olympiasieger Jochen Schümann setzt auf Aktienfonds und träumt vom großen Segelsponsor

Jochen Schümann: "Herr Piëch ist ja eigentlich für alles gut"

VonERICH AHLERS

Reichtümer sind im Segelsport in der Regel nicht zu erwirtschaften. Jochen Schümann geht es trotz seiner vielfältigen Erfolge auf dem Wasser nicht anders. Er ist ein Idealist durch und durch und träumt daher mehr von der erneuten Teilnahme am America s Cup als von großen Triumphen an den Finanzmärkten.

DÜSSELDORF. Wie es sich für einen treuen Sparkassen-Kunden gehört, hat auch Jochen Schümann aus dem bayerischen Penzberg verschiedene Deka-Fonds in seinem Portfolio. Dass die Produkte der Fondsgesellschaft der Sparkassen-Organisation nicht immer zu den erfolgreichsten der Branche gehören, ist nicht weiter schlimm. "Sicher geht es auch mir darum, mein Vermögen zu wahren und zu vermehren. Aber schon von meiner Lebenseinstellung her war der Bereich Geldanlage für mich nie Thema Nummer eins", erklärt Schümann.

Für den 46-Jährigen drehte sich fast immer fast alles um die Leidenschaft Segeln. Mit imponierenden Erfolgen: Dreimal war er Olympiasieger, zweimal Weltmeister, neunmal Europameister, vor vier Jahren wurde er zum Weltsegler des Jahres gewählt. Im September nimmt er zum sechsten Mal an Olympischen Spielen teil, in der Soling-Klasse hofft er mit seinen weitaus jüngeren Teamkollegen Gunnar Bahr und Ingo Borkowski auf einen weiteren Karriere-Glanzpunkt.

Als Segler lernte er meist die Sonnenseite des Sports kennen, als Geldanleger will sich Schümann ebenfalls nicht beklagen. Mit seiner simplen Strategie, ausschließlich auf Aktienfonds zu setzen, lag er in der Vergangenheit nicht schlecht. "Bis zu Beginn des Jahres waren ja durchaus ein paar Mark zu verdienen. Auch uns ist das gelungen", freut sich der Wassersportler und meint mit "uns" sich und Ehefrau Cordula. "Bei Geldanlage-Fragen verlasse ich mich hauptsächlich auf sie und unseren Bankberater", erzählt Schümann, dem windige Geldanlage-Geschäfte niemals behagen würden.

Er selbst habe als Weltreisender in Sachen Segeln ohnehin kaum Zeit, sich um die Entwicklung an den internationalen Finanzmärkten zu kümmern. Zwar werfe er bei der Lektüre der Tageszeitung in der Regel zuerst einen Blick in den Wirtschaftsteil, zum großen Börsenexperten aber werde er nicht mehr. "Ich will schon wissen, welches Unternehmen was macht, wie es welcher Firma geht, wer zu wem gehört. Allein schon mit Blick auf mögliche Segel-Sponsoren", erläutert Schümann.

Apropos Sponsoren. Die vierjährige Olympia-Vorbereitung des gebürtigen Ost-Berliners verschlingt alles in allem rund 250 000 Mark. Kosten, die weitgehend durch ein Sponsoren-Quartett abgedeckt werden. Die Nutzfahrzeug-Sparte von Volkswagen, der Energieversorger Bayernwerk, die Yachtzubehör-Firma Compass und der Outdoortextil-Fabrikant Helly Hansen sorgen dafür, dass Schümann & Co. das kostenintensive Vorbereitungsprogramm für Sydney absolvieren können.

Die Kontakte stellte der Chef des sportlichen Vorhabens meist selbst her, die Abwicklung überließ er der Hamburger Agentur Master Media Sport. Große Hoffnungen, dass zum Beispiel VW irgendwann einmal in einem deutlich umfangreicheren Stil in den Segelsport einsteigt, hegt Schümann nicht: "Obwohl Herr Piëch ja eigentlich für alles gut ist."

Der Routinier, zurzeit bei der Soling-EM vor La Rochelle (Frankreich) am Start, träumt noch immer von einem deutschen America s-Cup-Projekt. Bei der traditionsreichen Regatta sind deutsche Akzente zur Seltenheit geworden, zuletzt wich Schümann auf ein chancenloses Schweizer Boot aus. 100 Millionen Mark sollten es schon sein, "damit wäre man für ein solches Projekt solide finanziert". Der Wahl-Bayer hofft auf finanzkräftige Privatpersonen oder ein Unternehmen, das den großen Segelsport als Werbeplattform entdeckt. Bislang erfolglos. Besonders ärgert es Schümann jedoch, wenn die Rede davon ist, Deutschland biete nicht die rechten Voraussetzungen: "Sowohl vom technischen Stand her als auch finanziell ist eine Industrienation wie unsere dafür prädestiniert."

Der Sydney-Teilnehmer vergleicht seine Sportart gern mit der hoch technisierten Formel 1. Und zieht aus dem Motorsport-Spektakel zugleich Zuversicht für mögliche Geldgeber. "Dort sieht man doch, wie immer mehr deutsche Firmen als Sponsoren in Erscheinung treten." Doch Schümann macht sich nichts vor, weiß, dass Segeln nicht optimale Bedingungen für Fernsehübertragungen bietet. Hinzu kommt, dass "wir Segler relativ konservativ organisiert sind". Spektakuläre Vermarktungskonzepte sind folglich kaum zu erwarten. "Es passiert zwar was, aber nicht besonders viel", klagt Schümann.

Keine Frage, er würde auch als PR-Mann für Segeln eine Anstellung finden. "Wir müssen die Incentive-Seite erlebbar machen, die Faszination unseres Sports vermitteln, die Brand-Awareness aufzeigen", doziert er gern. Ähnlich dürfte es in den nächsten Tagen klingen, wenn er während der Kieler Woche vor Gästen der Deutschen Telekom referiert.

Eine Nebenjob, der zwischen den Regatten ein zusätzliches Taschengeld einbringt. Ansonsten profitiert Schümann von Sportfördermaßnahmen, Siegprämien dagegen sind oft ein Fremdwort. "Die meisten wissen das gar nicht. Aber bei der Kieler Woche gibt es finanziell nichts zu gewinnen. Vielmehr müssen wir alle Antrittsgeld zahlen - der Olympiasieger genauso wie der Hobbysegler aus Klein-siehste-nicht."

Der gelernte Diplom-Sportlehrer muss sich dennoch keine Sorgen um die Zukunft machen. "Ich bin Optimist durch und durch und bin sicher, dass ich immer irgendwie mein Geld verdienen werde", sagt Schümann. Neid auf andere Sportler, die über bessere Verdienstmöglichkeiten verfügen, hegt er nicht. Ein kleiner Seitenhieb aber muss dann doch erlaubt sein: "Für einen Olympiasieg würde ich 30 000 Mark von der Sporthilfe bekommen. Jeder drittklassige Fußballer lacht darüber, weil er die gleiche Summe mit einem einzigen Tor am Wochenende einstreicht."

So dauert es bei einem wie Schümann eben etwas länger, bis er sein Haus abbezahlt hat. Magenschmerzen bereitet dem zweifachen Vater diese Tatsache aber nicht. Zu geringe Entlohnung für einen Olympia-Triumph? Zu geringe Rendite bei der Geldanlage? Egal. "Ob hier und da mal ein Tausend-Mark-Schein mehr oder weniger herausspringt, spielt keine allzu große Rolle", betont Jochen Schümann.

Ein Idealist eben, der auch der Deka auf lange Sicht treu bleiben wird.

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