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21.02.2002

00:00 Uhr

Olympische Winterspiele in Salt Lake City

Rogge macht Hoffnung

VonMarc Renner

12 Tage hat es gedauert: Die Olympischen Winterspiele haben nach dem Preisrichter-Skandal auch ihren ersten Doping-Fall. Das Positive daran: Der neue IOC-Präsident Jaqcues Rogge hat seine erste echte Bewährungsprobe bestanden.

Quelle: Handelsblatt

Der Fall der russischen Shorttrackerin Julia Pawlowitsch hat durchaus etwas von einem Krimi. "Geflohen" sei sie aus dem Olympischen Dorf, hieß es. Und der Chef de Mission der Weißrussen, Jaroslaw Barischko, gleich mit ihr. Der Generaldirektor des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Francois Carrard, hat jedoch die Spur aufgenommen: "Wir haben Hinweise, dass sie noch in der Nähe sind." Der Anabolika-Wert im Urin der Sportlerin war nach IOC-Angaben 380 Mal höher als erlaubt. Dass die Doping-Kontrolle nicht als positiv gewertet werden konnte, weil die Kiste mit dem Urin-Fläschchen nicht vorschriftsmäßig versiegelt im Analyselabor eingetroffen war, kann man wohl getrost als Schönheitsfehler abhaken.

Dass es früher oder später zum ersten Doping-Fall kommen würde, kann angesichts des ständig wachsenden Leistungsdrucks angesichts des immer härter werdenden Kampfs um Sportfördergelder und Sponsoren-Money kaum überraschen. Es war nur eine Frage der Zeit. Überraschend war eher, mit welch einmaliger Härte das IOC reagierte: Nicht nur Pawlowitsch, sondern auch Barischko wurde von den Winterspielen suspendiert, dem Nationalen Olympischen Komitee (NOK) des Landes wurden bis Ende des Jahres Zuwendungen in Höhe von rund 120 000 Dollar gestrichen. Dies ist eine in der olympischen Geschichte bislang einmalige Sanktion wegen eines Doping-Verstoßes. Mehr als fraglich, ob es auch unter einem IOC-Präsidenten Samaranch so gekommen wäre. Zur Erinnerung: Nur dank Mauscheleien kam es überhaupt dazu, dass die Winterspiele 2002 nach Salt Lake City vergeben wurden.

16 Tage Olympia ohne besondere Vorkommnisse - das war vor Beginn der Spiele in der Mormonenstadt Rogges Arbeitsziel. Keine Frage, das hat der Pragmatiker, dessen offener Führungsstil nach Jahren des katalonischen Klüngels nahezu ungeteilte Zustimmung findet, nicht erreicht. Das Klassenziel hat er dennoch nicht verfehlt. Im Gegenteil. Seinen ersten großen Auftritt als Förderer des sauberen und fairen Sports hat der 59-jährige Mediziner dank der schnellen und harten Entscheidungen im Eiskunstlauf wie in diesem ersten Doping-Fall mit Bravour gemeistert. Die ungewohnt schnelle und harte Reaktion des IOC deutet daraufhin, dass die unter Rogges Vorgänger Antonio Samaranch geknoteten Klüngel-Netzwerke zerschnitten werden. Der Belgier ist mehr denn je zum Hoffnungsträger einer bis zum Ende der Ära Samaranch als korrupt und wenig transparent erscheinenden Organisation geworden.

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