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08.02.2001

19:19 Uhr

Online-Anbieter weitet Verlust im abgelaufenen Geschäftsjahr auf rund 17 Millionen Mark aus

Mobilcom-Tochter Freenet steht nicht zum Verkauf

Der Internetanbieter Freenet konkurriert mit AOL um den zweiten Platz in Deutschland hinter Marktführer T-Online. Im Geschäftsjahr 2000 legte der Umsatz um über 500 Prozent zu, gleichzeitig stiegen aber auch die Verluste. Einem Verkauf der der Internettochter erteilt Mobilcom-Chef Schmid eine Absage.

beu/tnt HAMBURG/FRANKFURT Der Hamburger Internetanbieter Freenet AG steht entgegen hartnäckiger Gerüchte in der Branche nicht zum Verkauf. "Wir sprechen zur Zeit weder mit der France Télécom-Tochter Wanadoo, noch mit sonst jemandem über einen Verkauf", sagte Mobilcom-Chef Gerhard Schmid dem Handelsblatt. Freenet sei als Anbieter von Zugängen und Inhalten im Internet ein wichtiger Bestandteil der künftigen UMTS-Mobilfunkstrategie des Telekommunikationsanbieters. Mobilcom würde sich laut Schmid keinen Gefallen tun, Freenet "zu Gunsten einer einmaligen Einnahme" zu veräußern. Mit einer Börsenbewertung von rund 1 Mrd. DM und 1,6 Mill. Zugangskunden gilt Freenet in Branchenkreisen zwar nicht als teuer, aber auch nicht als "Schnäppchen".

Der Parforceritt bei den Marketingaufwendungen hat Freenet im Jahr 2000 zudem tief in die Verlustzone abgleiten lassen. Das Ergebnis wurde nach den Worten von Finanzvorstand Axel Krieger vor allem im vierten Quartal belastet. Hier hat Freenet erhebliche Summen in eine TV-Werbekampagne gesteckt. Darum liegen die Marketingkosten mit 45,9 Mill. DM höher als der gesamte Jahresumsatz von 42,4 (6,8) Mill. DM. Der Konzernjahresfehlbetrag stieg auf minus 17,5 (-0,2) Mill. DM, der operativen Verlust lag mit 35 Mill. DM sogar noch darüber. Die Gewinnschwelle wird Freenet erstmals im Jahr 2002 erreichen, glaubt der Freenet-Vorstandsvorsitzende Eckhard Spoerr.

Positiv bewerten Analysten, dass der Anteil des wenig profitablen Internet-Zugangsgeschäfts am Gesamtumsatz von 66 % auf 51 % zurückgegangen ist . Dagegen liegt der Anteil der Werbe- und E-Commerce-Einnahmen mit 49 % im Branchenvergleich sehr hoch. Doch wiesen Analysten auch darauf hin, dass beispielsweise T-Online die gesamten Zugangsgebühren dem Umsatzsegment Zugangsgeschäft zurechnet. Freenet weise dagegen lediglich die Provisionen aus, die der Internetanbieter von Mobilcom erhält. Damit seien die Zahlen für einen direkten Vergleich kaum tauglich.

Insgesamt verbrauchte Freenet im Jahr 2000 liquide Mittel in Höhe von rund 54 Mill. DM. Ende des Jahres waren noch 144 Mill. DM und damit rund 75 % der Einnahmen aus dem Börsengang in der Kasse, betont Spoerr. Eine erneute Kapitalaufnahme sei daher nicht nötig.

Die Zahlen von Freenet liegen laut Analystin Michelle Lang vom Bankhaus Sal. Oppenheim im Rahmen ihrer der Erwartungen. Ein positives Zeichen sei vor allem die Umsatzentwicklung im vierten Quartal gewesen. Dagegen haben die Analysten der Credit Suisse First Boston (CSFB) ihre Umsatzerwartungen für das laufende Geschäftsjahr 2001 um mehr als 20 % nach unten revidiert. Gleichzeitig senkten sie das Kursziel für die am Neuen Markt notierte Aktie von 105 auf 40 Euro. Trotzdem empfiehlt CSFB, die den Börsengang von Freenet im Dezember 1999 federführend begleitet hat, die Aktie zum Kauf.



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