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26.05.2000

16:55 Uhr

Reuters BERLIN. Die deutschen Sparkassen haben sich nach monatelangen internen Diskussionen auf die Grundzüge einer gemeinsamen Online-Strategie geeinigt. Ein Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) bestätigte am Freitag in Berlin einen entsprechenden Beschluss des DSGV-Vorstandes vom Vorabend. Danach wollen die 578 Sparkassen bis zum Jahresende mit einem gemeinsamen Finanzportal im Internet präsent sein, das allen Sparkassenkunden offen stehen soll. Mit der Web-Strategie, die Investitionen von bis zu 870 Mill. DM vorsieht, bündeln die öffentlichen Institute erstmals ihre Ressourcen im Wettbewerb mit den Direkt-Banken.

Nach DSGV-Angaben soll unter der Internet-Adresse www.sparkassen.de ein Portal geschaffen werden, von dem aus die Kunden an Dienstleistungen der Institute, aber auch an Angebote Dritter weitergeleitet werden. So würden alle Sparkassen-Kunden etwa ihre Girokonten künftig online verwalten, aber auch Reisen buchen oder Nachrichten lesen können. Kunden mit Interesse an den zentralen Angeboten im Finanzportal sollen an die jeweils regionalen Strukturen der Sparkassen weitergeleitet werden.

Seine grundsätzliche Zustimmung gab der DSGV-Vorstand den Angaben zufolge auch zur Schaffung eines zentralen Online- Brokerage-Angebotes der Sparkassen unter der gemeinsamen Internet-Adresse. Der Sprecher räumte jedoch ein, dass die wichtige Frage, ob die Depotkonten ebenfalls zentral geführt oder bei den einzelnen Instituten verbleiben sollten, noch nicht geklärt sei. Hintergrund sind die von vielen Kassen befürchteten Provisionsverluste bei einem zentralen Angebot, das zudem eine einheitliche Preisstruktur erzwingen würde.

Nach den Worten des DSGV-Sprechers sollen die Probleme beim Aufbau des Online-Brokerage-Angebots bis zum 3.Juli abschließend geklärt werden. In dem Brokerage-Paket werde auch das Angebot zeitnahen Aktienhandels, Day-Trading, enthalten sein.

Neben dem Angebot zum Wertpapierhandel wollen die Sparkassen auch die Bereiche Baufinanzierung und Direktversicherung online anbieten. Dabei ist nach den Worten des DSGV-Sprechers beim Thema Baufinanzierung aber noch nicht entschieden, welcher regionale zu einem bundesweiten Anbieter "aufgebohrt" werde. Als möglichen Kandidaten nannte der Sprecher die Westdeutsche ImmobilienBank. Für den Bereich Direktversicherung soll eine neuer Anbieter gegründet werden.

Der DSGV-Sprecher sagte mit dem Internet-Angebot, das in Zusammenarbeit mit AOL verwirklicht werden soll, werde vor allem auf die 60 % der Kunden abgezielt, die sowohl online als auch in Filialen ihre Geschäfte abwickeln wollten. Außerdem werde den 20 % reiner Online-Kunden ein attraktives Angebot gemacht. Die restlichen 20 % sind seinen Worten nach nicht an Internet-Banking interessiert.

Neben der Internet-Strategie stand auch die Verwirklichung eines gemeinsamen Wertpapierhauses auf der Tagesordnung des DSGV. Der Sprecher sagte, der Vorstand habe beschlossen ein einheitliches Abrechnungssystem an einer zentralen Stelle zu etablieren. Dabei würden Kostenerparnisse gegenüber der bisher regional zersplitterten Praxis von bis zu 60 % erhofft.

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