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01.02.2002

07:00 Uhr

Online-Broker beraten zwar überwiegend nicht, aber die meisten Kunden sind zufrieden

Online-Broker: Der direkte Weg

VonFrank Wiebe

Manchmal freut man sich, mit einem richtigen Menschen telefonieren zu dürfen. Zum Beispiel beim "Order Discount" der Dresdner Bank.

Jahrelang empfing den Kunden, der über diese Schiene verbilligt Aktien kaufen oder verkaufen wollte, eine Computerstimme und verlangte eine umständliche Nummerneingabe über die Telefontastatur. Doch jetzt meldet sich ein richtiger Mensch und beantwortet auch Fragen - zum Beispiel, an welcher Börse von einer bestimmten Aktie die höchsten Stückzahlen gehandelt werden.

Das Beispiel zeigt: Die Konditionen sind nicht alles - auch nicht bei Direktbrokern, die nur per Telefon, Fax oder Internet erreicht werden und dafür niedrigere Gebühren verlangen als Filialbanken.

Ein abschreckendes Beispiel lieferte die Deutsche Bank. Sie gründete zuerst das Internetportal "Moneyshelf", das trotz einer ungewöhnlichen Werbung mit kopulierenden Großwildtieren kein Erfolg wurde und daher wieder eingestellt worden ist. Wer sich als Kunde dorthin verirrt hatte, wurde auf "Maxblue" umgebucht - ebenfalls eine Erfindung der Deutschen Bank - bekam neue Konto- und Geheimnummern, die natürlich auf einer ganz anderen Web-Site eingegeben werden müssen. Immerhin, wer bei so viel Neuem den Überblick verliert, kann sich am Telefon erklären lassen, wie es funktioniert.

"Moneyshelf" ist auch ein typisches Beispiel für ein Lockvogelangebot: Satte fünf Prozent Zinsen wurden für Tagesgeld im Spätsommer 2001 angeboten - Ende des Jahres war dann nicht mehr die Rede davon. Wer solchen Angeboten hinterherhechelt, hat unter Umständen viel Ärger, der den Ertrag nicht lohnt. Nicht besser war die Bank First-e, die im vergangenen Jahr kurzzeitig sogar mit sechs Prozent Zinsen auf Kundenfang ging und sich anschließend ganz vom deutschen Markt verabschiedete. Zurzeit lockt E- Trade - ein neuer Mitspieler, der Aufmerksamkeit erregen möchte - mit fünf Prozent auf dem "Cash-Konto".

Insgesamt ziehen Direktbroker aber nicht mehr Beschwerden und Ärger auf sich als andere Banken auch, berichtet Hartmut Strube von der Verbraucherzentrale NRW. Hin und wieder hat er es mit Fällen zu tun, bei denen Kreditinstitute bei Kunden, die zu einem Konkurrenten wechseln, zum Abschied eine Sondergebühr kassieren wollen. "Anfangs war das vor allem ein Thema, wenn Kunden von anderen Instituten zu einer Direktbank wechselten", sagt Strube. "Vor kurzem hatte ich aber auch zwei Fälle, bei denen Direktbroker derartige Gebühren genommen haben." Seine Meinung, bei der er sich auch auf den Ombudsmann des deutschen Bankgewerbes bezieht: Die Auflösung des Depots gehört zur "Hauptleistung", kann also nicht extra in Rechnung gestellt werden.

Im Jahr 2000 gab es während des Börsenbooms Probleme, weil manche der Direktbanken die Flut der Aufträge nicht bewältigen konnten. Aber davon träumt die Branche heute höchstens noch - mit dem Einbruch der Kurse ist das Geschäft wesentlich ruhiger geworden.

Dennoch nimmt nach Aussage des Bundesverbandes deutscher Banken die Zahl der Direktkunden zu. Beispiel Internet: Von Juli 2000 bis Juli 2001 stieg der Anteil der Internetnutzer an der erwachsenen Bevölkerung von 26 auf 42 Prozent. Zugleich nahm der Anteil der Leute, die ihr Bankgeschäft online betreiben, von einem Zehntel auf ein Fünftel zu. Die Firma Forrester Research rechnet damit, dass im Jahr 2005 rund 110 Millionen Europäer online Bankgeschäfte tätigen. In Deutschland werde sich die Zahl dieser Kunden von 16 auf 32 Millionen verdoppeln.

Hauptvorteil der Direktbroker: Sie sind billiger. Ein Transaktionskostenindex der Website www.diskountbroker.de, der im Juli 2000 erstmals als Kostenmaßstab errechnet und mit 100 Punkten bewertet wurde, liegt jetzt bei gut 80 Punkten. Der Durchschnitt von sieben traditionellen Banken kommt dagegen auf ein Kostenniveau von rund 370 Punkten.

Hauptnachteil: Die persönliche Beratung fehlt. Die Advance Bank betont immerhin, dass ihre Kunden telefonisch beraten werden, außerdem bieten die meisten Direktbroker recht gute Informationen im Internet an. Trotzdem ist diese Art, Bankgeschäft zu machen, nur für Leute geeignet, "die wissen, was sie wollen", wie es beim Bankenverband heißt.

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