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06.02.2001

18:52 Uhr

Online-Dienst will Telekom noch dieses Jahr Konkurrenz bei DSL-Breitbandzugang machen

AOL erwägt Börsengang in Europa

VonTHOMAS NONNAST

Mit über vier Millionen Nutzern zählt America Online zu den größten europäischen Online-Anbietern. In Deutschland hat AOL inzwischen die Marke von zwei Millionen Nutzern übersprungen und damit die Erwartungen der US-Mutter übertroffen. Einen Börsengang in Europa will AOL-International-Chef Michael Lynton nicht mehr ausschließen.

FRANKFURT/M. Der mit über 30 Millionen Kunden weltgrößte Online-Anbieter America Online (AOL) erwägt, sein Europageschäft auszugliedern und an die Börse zu bringen. "Ein Börsengang von AOL Europe ist für uns eindeutig eine Option", sagte Michael Lynton, President von AOL International dem Handelsblatt. Allerdings müsse für einen Börsengang das Marktumfeld besser sein "als dies zur Zeit der Fall ist". Einen zeitlichen Rahmen für das Vorhaben wollte Lynton deshalb nicht nennen. Erfreut zeigte sich Lynton über die Entwicklung der AOL-Kundenzahl, die in Deutschland "aktuell die Marke von zwei Millionen überschritten hat". Im zweitwichtigsten europäischen Online-Markt Großbritannien zähle der Online-Dienst über eine Million Abonennten. Entscheidend sei aber nicht die Zahl der Kunden, sondern wie viel Zeit die Nutzer auf den Seiten verbringen.

Und hier zeige sich die Stärke von AOL. Studien belegten, dass Nutzer sehr viel mehr Zeit auf den Seiten des Online-Dienstes verbringen würden als auf denen etwa von T-Online. "Daher sind diese Nutzer für uns wertvoller", sagt Lynton.

Damit sticht der AOL-Manager in eine offene Wunde der Konkurrenz. Denn der Absturz der T-Online-Aktie wird von Experten unter anderem damit begründet, dass die Telekom-Tochter bei Inhalten Schwächen zeige. Gute Seiteninhalte aber gelten als Grundlage für E-Commerce-Umsätze - eine der wichtigsten Einnahmen der Online-Dienste in der Zukunft. Denn das reine Zugangsgeschäft ist durch harten Preiswettbewerb wenig profitabel.

Die Fusion der Muter AOL mit dem Medienkonzern Time Warner werde in Europa keine negativen Folgen haben: "Es wird bei AOL in Europa keine Entlassungen geben", trat Lynton entsprechenden Gerüchten entgegen. Vielmehr würden die europäischen Töchter im Bereich der Inhalte von der Fusion profitieren. "Mit Time Warner erschließen wir Möglichkeiten, die von Video on demand bis zu Musikvertrieb per Internet reichen", sagte Lynton.

Wann AOL in Europa schwarze Zahlen schreiben werde, konnte Lynton nicht beantworten. Noch sei die Konsolidierungsphase in der Branche der Zugangsanbieter nicht abgeschlossen. Doch es zeichne sich ab, dass das AOL-Geschäftsmodell mit einem Mix von Zugangsentgelten, Werbeeinnahmen und E-Commerce tragfähig sei.

Laut einer Studie der Investmentbank HSBC Trinkaus ist AOL in Deutschland mit Werbeumsätzen in Höhe von 52 Mill. Euro im Jahr 2000 das Internet-Portal mit den höchsten Online-Werbeeinnahmen. Auf dem zweiten Platz folgt T-Online mit 47 Mill. Euro und Yahoo mit 29 Mill Euro. "Zieht man bei T-Online die Anzeigen des Mutterkonzerns Deutsche Telekom in Höhe von rund 30 Mill. Euro ab, ist der Vorsprung von AOL sogar noch größer", erläutert Analyst Peter Barkow.

Lynton bestätigte, dass die Schätzung nicht grundlegend vom tatsächlichen AOL-Werbeumsatz abweiche. Offiziell veröffentlicht das Unternehmen keine nationalen Zahlen. Als entscheidenden Faktor für die weitere Entwicklung der Werbeeinnahmen sieht Lynton die Vermarktung von Pauschaltarifen für die Internetnutzung (Flatrate).

Noch in diesem Jahr will AOL der Deutschen Telekom auch bei breitbandigen DSL-Anschlüssen Konkurrenz machen. "Wir werden DSL-Zugänge anbieten, die mit dem Telekom-Angebot preislich konkurrieren können", kündigte AOL-Deutschland-Chef Uwe Heddendorp an.

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