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04.02.2002

15:17 Uhr

Online-Weiterbildung fördert den Community-Gedanken

E-Learning als Geschäftsmodell

VonBernhard Müller

Einen neuen Kunden zu gewinnen, kostet die Online-Buchhändler im Schnitt 250 $, fand das Marktforschungsunternehmen Media Metrix heraus. Barnes & Noble will mit Hilfe der Online-Kurse diese Kosten um 98 % gesenkt haben.

HB DÜSSELDORF. Viele Besucher auf der Web-Seite Barnesandnoble.com wollen mehr als nur Bücher oder eine CD kaufen - sie wollen sich bilden. Seit der US-Online-Buchhändler mit Bertelsmann-Beteiligung seine elektronische "Barnes & Noble University" eingerichtet hat, klicken sich mehr und mehr Lernwillige durch das Angebot.

Von "Joga für Anfänger" oder "Business-Etikette" über die "Einführung in die Shakespeare-Tragödien" bis zur "Gestaltung der eigenen Homepage" startete die virtuelle Volkshochschule mit einigem Erfolg 35 Online-Kurse. Längerfristig will das Unternehmen nun tausende Lernkurse aus den Bereichen Kunst & Freizeit, Lebenshilfe, Literaturwissenschaft, Gesundheit & Wellness, Business und Technologie online anbieten, sagt Barnesandnoble.com-Vizechef Steve Riggio.

"Für uns ist E-Learning eine natürliche Erweiterung unseres Kerngeschäftes", meint Riggio. Bereits in der ersten Woche nach dem Start hätten sich gut 20 000 Teilnehmer in das Online-Traininingsprogramm eingeschrieben, das Interesse sei weiterhin ungebrochen.

E-Learning als Kundenbindungsinstrument

Um Kunden an sich zu binden, setzen in den USA bereits zahlreiche Firmen auf elektronisches Lernen - von Online-Jobbörsen und Finanzdienstleistern bis hin zu Hardware-Herstellern und SoftwareHäusern. Das Lehren und Lernen wird zum Geschäftsmodell, teils für die Anbieter, teils für technische oder inhaltliche Dienstleister.

"Wir können heute sagen, dass Electronic Business fast überall auch E-Learning erfordert", unterstreicht Clark Aldrich, Analyst beim US-Beratungsunternehmen Gartner. Denn inzwischen sei die kritische Masse an Internet-Nutzern erreicht und das Bedürfnis nach ständiger Weiterbildung immens.

Firmen, die diesen Trend rechtzeitig erkennen und mit internet-gestützten Angeboten reagieren, können deutliche Wettbewerbsvorteile daraus ziehen - vorausgesetzt, die Angebote schlagen nicht mit hohen Produktionskosten zu Buche.

Online-Weiterbildung fördert den Community-Gedanken

Einen weiteren Ansatz für das so genannte Customer Focused E-Learning sieht Aldrich bei elektronischen Marktplätzen und Portalen: "Hier spielt der Community-Gedanke, der Gedanke einer Gemeinschaft, bereits von vorneherein eine große Rolle." E-Learning-Angebote könnten die virtuellen Nutzergruppen stärker zusammenführen.

"Um Kunden erfolgreich an eine Web-Seite zu binden, ist die Kombination von Informationen und Trainingsangeboten ein wesentlicher Schlüssel", sagt auch Astrid Tietgens, Geschäftsführerin der M.I.T Newmedia GmbH im hessischen Friedrichsdorf. Der E-Learning-Dienstleister hat gerade das erste Edu-Commerce-Programm fertiggestellt - für die IC E AG-Learning in Bad Homburg, einer Tochter der E Digitale Dienste AG-Multi in Ettlingen, der Börse Stuttgart AG und der Stuttgarter Euwax Broker AG.

Private Investoren können seit Anfang Februar für eine Gebühr von 99 über die Web-Seite der Börse Stuttgart einen persönlichen "Investment- Coach" nutzen, der sie in die Welt der Geldanlage einführt. Als erstes Modul dieses Lernprogramms steht das Thema "Aktie" bereit, weitere Abschnitte sollen folgen. In Zukunft will IC Learning ihre Multimedia-Kurse, die ständig aktualisiert werden, weiteren Geldinstituten, Börsenseiten oder Finanzportalen anbieten.

Die Bereitschaft für Lernangebote Geld auszugeben ist groß

Nach Prognosen des Bad Homburger Unternehmens ist die Weiterbildung aus Eigeninitiative für rund sieben Millionen Menschen in Deutschland interessant. "Etwa eine Million dieser Leute sind sogar bereit, bis zu 10 000 Mark jährlich in eine private oder berufliche Qualifikation zu investieren", berichtet Werner Sauter, E-Learning-Experte und Vorstandsmitglied der IC E AG. -Learning Folge: Lernangebote, die bisher - wenn überhaupt - im Mitarbeiterbereich eingesetzt wurden, werden zunehmend zu einem Modell, um Umsätze mit Endkunden zu erzielen.

"Ob ein Unternehmen E-Learning nur für die Mitarbeiter oder auch für Kunden einführt, macht nur an einigen Punkten einen Unterschied", betont Astrid Tietgens von M.I.T Newmedia. Denn in jedem Fall müsse ein Gesamtkonzept erarbeitet werden. Die Teilnehmer benötigten Zugriff auf die geplanten Kurse sowie Registrierungsformulare und natürlich Inhalte. Bietet ein Unternehmen Online-Seminare für Kunden an, muss - falls die Teilnehme etwas kostet - ein Abrechnungssystem eingebunden werden.

Zudem wird sich auch die Darstellung des Kursangebots unter Marketing- und Vertriebsgesichtspunkten anders gestalten. Viele Kunden kennen den Anbieter eventuell noch nicht und wollen zuvor die Firma erst einmal über die Präsentation auf der Web-Seite kennen lernen, bevor sie einen kostenpflichtigen Kurs beginnen.

"Ein kritischer Punkt ist auch die zielgruppengerechte Aufbereitung der Inhalte", weiß Astrid Tietgens. Die Web-Seite muss die gewünschten Kundengruppen auch ansprechen. Sonst verabschiedet sich der Kunde fix von dem schicken Lernangebot - auch von den übrigen Internet-Offerten des Unternehmens. Und das wäre sicher nicht der gewünschte Lernerfolg.

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