Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.06.2000

13:59 Uhr

Handelsblatt

Opel-Arbeiter demonstrierten gegen Zerschlagung durch General Motors

Hunderte Arbeiter des Autoherstellers Opel haben am Dienstag in Rüsselsheim und auf dem Werksgelände für den Erhalt des Traditionsunternehmens demonstriert.

dpa RÜSSELSHEIM. Hintergrund der Kundgebung sind Befürchtungen der Belegschaft, die Adam Opel AG könne von der US-Konzernmutter General Motors (GM) bald zerlegt werden.

Vor allem die Allianz des US-Autoriesen mit Fiat macht den Opel-Beschäftigten und ihrem Betriebsrat große Sorge. "Die ganze Geschichte geht jetzt langsam in die entscheidende Phase", sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Klaus Franz am Dienstag der dpa. Noch sei nicht abzusehen, welche Folgen das Bündnis von GM und Fiat auf die Rüsselsheimer haben werde.

Der Vorsitzende des Opel-Betriebsrates im Werk Bochum, Peter Jaszczyk, sagte am Wochenende: "Opel soll zerschlagen werden." Die Muttergesellschaft GM zerlege Opel in kleine Teile. Die geplante Zusammenarbeit mit Fiat beim Bau von Getrieben und Motoren sowie im Einkauf sei erst der Anfang. "Die Filetstücke werden herausgenommen. Das ist der Anfang vom Ende der Aktiengesellschaft. Opel wird in drei oder vier Jahren nur noch aus verschiedenen GmbH bestehen."

Die Proteste der Beschäftigten am Dienstag liefen parallel zu einer Sitzung des Aufsichtsrates, die für 12.30 Uhr anberaumt war. Der Betriebsrat sprach von rund 500 Demonstranten aus den Werken Bochum, Kaiserslautern und Rüsselsheim. Opel berichtete von 200 Teilnehmern.

Nach Darstellung von Unternehmenssprecher Uwe Berlinghoff sollte das Aufsichtsgremium lediglich den Jahresabschluss 1999 diskutieren. Nach bisherigen Informationen belief sich der Betriebsverlust von Opel im vergangenen Jahr auf mehr als 200 Mill. DM. Unter dem Strich stand ein Fehlbetrag zwischen 50 und 100 Mill. DM. Die Allianz GM/Fiat habe im Aufsichtsrat allerdings nicht auf der Tagesordnung gestanden, betonte Berlinghoff. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Adam Opel AG, Wolfgang Strinz, wollte am Nachmittag aber zu den Arbeitern sprechen.

Vor allem bei der Produktion von Motoren und Getrieben wollen GM und Fiat Kosten sparen. Der Betriebsrat hat dem Opel- Vorstand jedoch in einem Forderungskatalog deutlich gemacht, dass er im Fall von Personalabbau oder bei der Nicht-Einhaltung bestehender Tarifverträge mobil machen werde. Dazu haben die Betriebsräte auch mit ihren Kollegen von Fiat schon eine Zusammenarbeit vereinbart, um sich von den jeweiligen Konzernleitungen nicht gegeneinander ausspielen zu lassen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×