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21.03.2003

07:34 Uhr

Opel Astra soll an der Wolga montiert werden

Westliche Autokonzerne zieht es nach Russland

Immer mehr westliche Automobilproduzenten zieht es nach Russland. Der Grund: "Russland ist eines von acht Ländern, die binnen 6 bis 7 Jahren die stärkste Nachfrage - bis zu 60 % - nach Neuwagen haben", wie Heidi MacCormack, Vertreterin von General Motors in Moskau sagte.

mbr MOSKAU. Die GM-Tochter Opel werde deshalb ihr Modell Astra im gemeinsamen Joint-Venture GM-Avtovaz produzieren, sagte Avtovaz-Generaldirektor Wladimir Kadannikow. Darüber seien sich beide Seiten "praktisch einig". Avtovaz (Marke "Lada") ist Russlands größter Autohersteller und sitzt in Togliatti an der Wolga.

GM und Avtovaz stellen seit März gemeinsam einen Chevrolet- Geländewagen auf Basis des Lada-Niva her. Die Produktion sei bereits bis Juli ausgelastet und es würden in diesem Jahr mit 36 237 Wagen mehr gebaut als geplant. Das sagte der Geschäftsführer des Unternehmens, John Milonas.

Auch mit der MAN-Tochter Ferrostaal gründet Avtovaz nun ein Gemeinschaftsunternehmen zum Aufbau eines Industrieparks in Togliatti. Kadannikow kündigte an, auf dem Gelände sollten Kfz-Zulieferer angesiedelt werden. Ferrostaal werde an dem Joint-Venture 48 % halten, der Lada-Produzent 24 %. Mit in Russland gefertigten Teilen sollen die Kosten für in Russland gebaute Autos deutlich sinken und so noch mehr westliche Autokonzerne nach Russland gelockt werden.

Bisher montiert bereits BMW in der Ostsee-Enklave Kaliningrad seine Modelle mit aus Deutschland angelieferten Teilen. Ford hat bei St. Petersburg ein Werk gebaut und lässt dort "Focus"-Modelle vom Band laufen. Mit so großem Erfolg, dass die Produktion bereits bis Oktober verkauft ist, und die Preise erhöht werden.

Renault hat kürzlich den Bau eines neuen, X90 genannten Modells in seinem Gemeinschaftsunternehmen Framos in Moskau angekündigt. Demnach sollen dort jährlich 60 000 Wagen gebaut werden.

Gestern hat die Volvo Truck Corporation zusammen mit dem russischen Mischkonzern AFK Sistema die gemeinsame Lkw-Produktion in Selenogorsk bei Moskau aufgenommen. Scania hat parallel die Ausweitung seiner Bus-Produktion bekannt gegeben. Und der Automobil-Arm des russischen Stahlkonzerns Severstahl hat angekündigt, in Kürze die Verhandlungen mit einer westlichen Autofirma über die gemeinsame Produktion eines russischen Jeeps abzuschließen. VW wiederum sucht nach Angaben seiner Moskauer Marketingdirektorin, Tatjana Chaljawaskaja, ebenfalls aktiv nach Möglichkeiten, Autos in Russland zu fertigen.

Die russische Autoindustrie ist einer Studie der Moskauer Investmentbank Vereinte Finanzgruppe (UFG) zufolge stark rückständig: So produzierten westliche Autowerke pro Mitarbeiter einen Ausstoß im Wert von 330 000 $, während ein Lada-Arbeiter im Jahr durchschnittlich nur für 23 500 $ Autos fertigt.

Dabei ging die russische Autoproduktion - inklusive 10 208 von westlichen Autoprojekten in Russland gebauten Wagen - um 3,6 % auf 985 292 produzierte Pkw zurück. Derweil konnten westliche Autokonzerne in dem Riesenreich voriges Jahr erstmals sechsstellige Neuwagen-Zulassungen erreichen mit 111 552 verkaufen Autos. Das war ein Zuwachs um 40,7 %. Auch die Einfuhr westlicher Gebrauchtwagen auf 826 800 Stück nahm explosionsartig zu.

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