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03.07.2000

14:21 Uhr

dpa MADRID. Mit der Übernahme seiner vielversprechenden Beteiligungen in Lateinamerika steht der spanische Telekom-Konzern Telefónica vor dem Abschluss der wichtigsten Transaktion seiner 75- jährigen Geschichte. Ein wesentlicher Bestandteil der so genannten Operation Veronica mit einem Gesamtvolumen von 2,6 Billionen Peseten (31 Mrd. DM) konnte jetzt erfolgreich beendet werden: Im Rahmen des bislang größten Aktientauschgeschäfts südlich des Rio Grande sicherte sich das Unternehmen die Kontrollmehrheit über den argentinischen Betreiber Telefónica de Argentina (TASA) und die brasilianischen Anbieter Telesp (Festnetz) und TeleSudeste Celular (Mobilfunk).

Bereits vor der geplanten Übernahme seiner Beteiligung in Peru (TdP), die noch in dieser Woche abgeschlossen werden soll, ist der Börsenwert des Konzerns um 14 Mrd. Euro gestiegen. Mehr noch: Mit 25 Mrd. Euro ist Telefónica nach eigenen Angaben nun der größte Einzelinvestor in der Region. "Ein aggressiver und energischer Strategiezug", schwärmten Analysten, während die Aktien des Unternehmens am Montag in Madrid um fast vier Prozent zulegten.

Der erfolgreiche Abschluss in Argentinien und Brasilien dürfte wie Balsam für den Konzernpräsidenten Juan Villalonga gewirkt haben. Der 47-Jährige muss nämlich nach den Vorwürfen wegen eines angeblichen Insider-Geschäfts mit Telefónica-Aktien seit fast drei Wochen mit ständigen Negativschlagzeilen leben. Nachdem die ihm einst wohlgesonnene Zeitung "El Mundo" über den Deal berichtet hatte, leitete die Börsenaufsicht eine Untersuchung an. Hinzu kommt, dass Villalongas Freundschaft zum spanischen Ministerpräsidenten Jose Maria Aznar, seinem einstigen Förderer, nun wohl der Vergangenheit angehört.

Firmenboss beruhigt Aktienmarkt

Doch immer, wenn Spaniens mächtigster Firmenboss in Bedrängnis gerät, antwortet er mit einem neuen Coup: Als die geplante Fusion mit dem niederländischen Telekom-Konzern KPN scheiterte und der Ruf nach einem Wechsel an der Telefónica-Spitze laut wurde, kündigte Villalonga die milliardenschwere Übernahme des US-Providers Lycos an und glättete die Wogen. Nun kann er die Märkte mit dem erfolgreichen Verlauf der "Operation Veronica" beruhigen, zu deren Finanzierung eine bereits von den Aktionären gebilligte Kapitalerhöhung um 619 Mill. Aktien nötig ist.

Diese Transaktion ist nicht nur ein entscheidender Schritt beim Ausbau der Marktführerschaft des Unternehmens in Lateinamerika. Sie bedeutet zugleich eine tief greifende Neuordnung des einstigen Staatskonzerns, der künftig nicht mehr nach geographischen Gebieten sondern nach Geschäftsbereichen weltweit auftreten will. Nach dem Erfolg bei den Börsengängen der Internet-Tochter Terra Networks und der Gelbe-Seiten-Filiale TPI will Telefónica auch seine Mobilfunk- und Datensparte an den Aktienmarkt bringen. Dazu sollen weltweit alle Mobilfunk- und Datenaktiva unter den Töchtern Telefónica Móviles und Telefónica Datacorp vereint werden.

Dabei schielt Villalonga auch auf Größe, denn diese schützt in seinen Augen am besten vor feindlichen Übernahmen. Mit der "Operation Veronica" wird der Börsenwert des Unternehmens zwar auf gut 88 Mrd. Euro steigen. Damit liegt Telefónica aber noch weit entfernt von den 108 Mrd. Euro, die der Konzern im März erreicht hatte.

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