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22.01.2003

08:13 Uhr

Operative Ergebnisverbesserung erwartet

Lonza verbucht Gewinneinbruch

Der Reingewinn des Schweizer Spezialchemiekonzerns Lonza ist im Jahr 2002 wegen ausserordentlicher Kosten um 45 Prozent auf 221 Millionen Franken gesunken. Den Umsatz steigerte der Konzern laut Angaben von Mittwoch leicht um 0,6 Prozent auf 2,536 Milliarden Franken. In Lokalwährungen betrug das Umsatzwachstum 3,7 Prozent.

Reuters BASEL. Das operative Ergebnis vor einmaligen Einflüssen stieg auf 419 (Vorjahr 413) Millionen Franken und die operative Gewinnmarge verbesserte sich damit auf 16,5 (16,4) Prozent. Dies stelle im Industrievergleich weiterhin ein Topergebnis dar, sagte Lonza-Konzernchef Markus Gemünd an der Medienkonferenz in Basel. Lonza will für 2002 eine unveränderte Dividende von 1,90 Franken je Aktie zahlen.

Lonza zeigte sich überzeugt, dass das Exklusivsynthese-Geschäft im vergangenen Jahr die Talsohle erreicht hat und sich 2003 substantiell erholen wird. Zusammen mit der starken Position in der Biotechnologie erwartet das Unternehmen, die operativen Ergebnisse unabhängig vom weiteren Konjunkturverlauf gegenüber 2002 zu verbessern. Höher als im Vorjahr dürfte 2003 auch der Umsatz ausfallen, sagte Gemünd am Rande der Medienkonferenz zu Reuters.

Lonza bekräftigte die für 2005 gesetzten Ertragsziele, die im Juli letzten Jahres bekannt gegeben wurden. Demnach strebt der Konzern ein durchschnittliches jährliches Wachstum des Gewinns pro Aktie von 15 Prozent an und will 2005 einen Umsatz von über 2,7 Milliarden Franken sowie eine Betriebsgewinnmarge von 22 Prozent erreichen.

Die Jahre 2003 und 2004 stellten lediglich Übergangsjahre dar, bis die gegenwärtig geplanten und sich im Bau befindlichen Anlagen im Biotechnologiebereich in Betrieb genommen werden können, führte Gemünd aus. Der Sektor Biotechnologie soll bis dann einen Umsatz von 800 Millionen Franken generieren nach 400 Millionen Franken im vergangenen Jahr.

Überwiegend im Zusammenhang mit dem im September angekündigten Abbau von 225 Stellen im Bereich Exklusivsynthese, verbuchte Lonza 2002 einen einmaligen ausserordentlichen Aufwand von 112 Millionen Franken; die Restrukturierung soll zu jährlichen Einsparungen von 40 Millionen Franken führen. Im Vorjahr war noch ein Sonderertrag aus dem Verkauf des Energiegeschäftes von 101 Millionen Franken erzielt worden.

Lonza verfehlte mit dem Abschluss 2002 die Erwartungen der Analysten leicht. Die Konsensschätzung der von Multex befragten Analysten lag bei einem Gewinn von 296 Millionen Franken. Die Experten hatten bei einem Umsatz von 2,584 Milliarden Franken mit einem operativen Gewinn von 425 Millionen Franken gerechnet.

An der Börse lag das Hauptaugenmerk auf dem laut Marktteilnehmern positiven Ausblick: Die Lonza-Aktien stiegen vorübergehend bis auf 82,25 Franken und notierten gegen 14.45 Uhr noch 0,3 Prozent fester bei 81,20 Franken. Der Gesamtmarkt tendierte 2,1 Prozent im Minus und der DJ StoxxChemical-Index war zwei Prozent schwächer.

Für die Zürcher Kantonalbank lagen die Ertragszahlen im Rahmen der Erwartungen. Die Restrukturierungskosten seien mit 112 Millionen Franken allerdings etwas höher als erwartet ausgefallen. Julius Bär und Bank Leu stuften das Ergebnis insgesamt als leicht unter den Erwartungen liegend ein. Positiv sei aber, dass Lonza die Ziele für 2005 bekräftigt habe.

Wegen der Verschiebung des geplanten Verkaufs des Geschäftsbereichs polymere Zwischenprodukte stieg die Nettoverschuldung von Lonza im Berichtsjahr auf 869 (514) Millionen Franken. Der Verkauf dieses Bereiches habe keine Eile, erklärte Gemünd. Wichtig sei, dass sich die Aktienmärkte erst wieder erholten. "Die Aktivitäten sind nicht strategisch ... aber wir sind nicht unter Druck, das Geschäft heute oder morgen zu veräussern," sagte er. Lonza halte weiter an der Strategie fest, vor allem organisch zu wachsen. "Wir generieren genug Cash, um in neue Technologien zu investieren," sagte Gemünd. Man beobachte den Markt jedoch laufend.

Gemünd wollte keinen Kommentar dazu abgeben, ob der grösste Aktionär und Ems Chemie-Besitzer Christoph Blocher im Verwaltungsrat Einsitz nehmen soll. "Dies liegt nicht in meiner Kompetenz," so Gemünd. Lonza-Verwaltungsratspräsident Sergio Marchionne hat sich bisher eher gegen ein Mandat Blochers ausgesprochen. Blocher hatte gedroht, seine Beteiligung von insgesamt - inklusive Optionen rund 20 Prozent - zu verkaufen, falls er das Amt nicht erhalte. "Ich bin zuversichtlich, dass der heutige Verwaltungsrat eine vernünftige Lösung finden wird, die für alle Beteiligten tragbar ist," erklärte Gemünd. Einem allfälligen Aktienverkauf durch Blocher sieht Gemünd gelassen entgegen. Er verwies auf die grosse Aktienplatzierung im vergangenen Jahr, die mehrfach überzeichnet war.

Lonza kündigte am Mittwoch weiter an, dass mit Investitionen von zwölf Millionen Franken die bestehende mikrobielle Fermentationsanlage im tschechischen Kourim ausgebaut wird.

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