Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.01.2003

08:50 Uhr

Operativer Gewinne in der DRam-Sparte

Infineon sieht keinen nachhaltigen Aufschwung

Der Chiphersteller Infineon hat im Auftaktquartal 2002/03 seine Verluste kräftig verringert, sieht aber weiter keinen nachhaltigen Aufschwung in der krisengeschüttelten Halbleiterbranche. Damit reiht sich der Münchener Konzern in die Riege der Konkurrenten Intel, Samsung und AMD ein, die sich zuletzt ebenfalls vorsichtig über die künftige Entwicklung geäußert hatten.

Reuters MÜNCHEN. "Auch wenn es erste Anzeichen für einen positiven Markttrend gibt, ist es noch zu früh, um von einer nachhaltigen Verbesserung des Gesamtmarktes zu sprechen", sagte Infineon-Chef Ulrich Schumacher am Montag in einer Telefonkonferenz. "Wir sehen der Zukunft mit vorsichtigem Optimismus entgegen." In den meisten Segmenten erwarte er eine stabile Nachfrageentwicklung. Im ersten Halbjahr 2003 werde der Preisdruck aber noch anhalten. In der Sparte Speicherchips (DRams), die bis zu 40 Prozent zum Konzernumsatz beisteuert, verbuchte Infineon wegen einer höheren Nachfrage und geringerer Herstellungskosten zum ersten Mal seit sieben Quartalen wieder einen operativen Gewinn.

Die Infineon-Aktie gab dennoch am Vormittag zeitweise um 2,7 Prozent ab, was Analysten überwiegend mit dem verhaltenen Ausblick begründeten. Am Nachmittag notierte das Papier mit 7,71 Euro noch um 1,91 Prozent im Minus, während der Dax um 0,7 Prozent verlor.

Analystenprognosen übertroffen

Beim operativen Ergebnis übertraf Infineon den Konsens der von Reuters befragten Analysten leicht. Vor Steuern und Zinsen (Ebit) lief im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2002/03 (zum 30. September) ein Verlust von 31 (Vorjahreszeitraum: 564) Millionen Euro auf. Allerdings wiesen Branchenexperten darauf hin, dass darin Sondererträge von insgesamt 70 Millionen Euro enthalten seien. "Auf den ersten Blick sahen die Zahlen ganz gut aus, wenn man aber genauer hinsieht, merkt man, dass ihnen Einmaleffekte zu Hilfe gekommen sind", sagte Merrill Lynch-Analyst Andrew Griffin. Dies trübe den Glanz etwas.

Der Umsatz kletterte im Jahresvergleich um 47 Prozent auf 1,523 Milliarden Euro. Ursache hierfür sei die die gestiegene Nachfrage nach DRams und Handy-Chips sowie die Entwicklung im Bereich Automotive gewesen, hieß es bei Infineon. Analysten hatten im Schnitt einen operativen Verlust von 69 Millionen Euro und einen Umsatz von 1,513 Milliarden Euro erwartet. Unter dem Strich verbuchte Infineon einen Fehlbetrag von 40 (Vorjahreszeitraum: 331) Millionen Euro.

"Die Zahlen sind weitgehend im Rahmen der Erwartungen", sagte Friedrich Diel, Fondsmanager bei Frankfurt Trust. Der Ausblick sei wie bei der Konkurrenz zurückhaltend und keineswegs optimistisch. Der Umstand, dass Infineon keine langfristige Einschätzung seines Geschäfts wage, verstärke aber die Sorgen der Investoren. "Ich denke, das Minus bei der Aktie liegt an dem verhaltenen Ausblick", sagte auch Theo Kitz von Merck Finck.

DRam-Sparte macht wieder operativen Gewinn

Der Speicherchip-Bereich verbuchte erstmals seit sieben Quartalen mit 29 (375) Millionen Euro wieder einen operativen Gewinn. Vorstandsmitglied Andreas von Zitzewitz sagte, sollten die Preise stabil bleiben, werde weiter mit schwarzen Zahlen gerechnet. Im laufenden Quartal wolle der Konzern die Vollkosten für das so genannte 256-Megabit-Chip-Äquivalent - eine rechnerische Größe - auf unter sechs Dollar nach zuletzt 6,10 Dollar drücken. Der durchschnittliche Preis für die Komponente habe im Auftaktquartal bei 5,80 Dollar gelegen. Insgesamt will Infineon im laufenden Geschäftsjahr 2002/03 die Kosten bei DRams um 30 bis 40 Prozent reduzieren. Hierbei profitiert der Konzern vor allem von der effizienteren Produktion auf den größeren 300-Millimeter-Siliziumscheiben in seinem Dresdner Werk.

Positiv entwickelte sich auch die Automobilelektronik, wo Infineon mit 334 (273) Millionen Euro einen Rekordumsatz verbuchte und das Ebit mit 44 (20) Millionen Euro mehr als verdoppelte. Die Sparten "Drahtgebundene Kommunikation" und "Sichere Mobile Lösungen" fuhren hingegen erneut Verluste ein.

Schumacher wies einen Bericht der "Financial Times Deutschland" zurück, wonach das Unternehmen Bereiche ausgliedern und sie damit für künftige Börsengänge vorbereiten will. "Es ist keinesfalls geplant, einen unserer Bereiche abzustoßen, an die Börse zu bringen", sagte er. Zugleich bekräftigte er das bisherige Ziel, 2002/03 rund eine Milliarde Euro zu investieren.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×