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01.01.2001

19:00 Uhr

Optimistisch für 2001

Zuversicht am Neuen Markt

Nach Meinung der Experten ist die Talfahrt am Neuen Markt fast überstanden. Von einer Erholung könnten auch die Neuemissionen profitieren. Analysten erwarten jedenfalls eine steigende Qualität bei Börsengängen.

hof/mm FRANKFURT/M. Die Stimmung am Neuen Markt bessert sich: Nach einem turbulenten und besonders für die Technologiewerte verlustreichen Börsenjahr zeigen sich die Experten wieder optimistischer. Sie erwarten, dass der alle Werte des Neuen Marktes umfassende Nemax-All-Share-Index im zweiten Halbjahr 2001 in Richtung 5 000 Punkte steigt. Das wäre im Vergleich zum Jahresschluss ein Plus von mehr als 80 %. Von der prognostizierten Erholung des Wachstumssegments dürften auch die Neuemissionen profiteren. Die Analysten erwarten zwar weniger Neuzugänge an der Börse als im Boomjahr 2000, dafür aber eine bessere Qualität der Börsenkandidaten.

Das vergangene Jahr verlief für die Technologiewerte alles andere als erfolgreich. Der Neue Markt und die US-Technologiebörse Nasdaq haben mit Verlusten von jeweils rund 40 % die schlechtesten zwölf Monate ihrer Geschichte hinter sich. Aber auch die Börsenbarometer für die großen Standardwerte in den USA, Europa und Asien schlossen 2000 von wenigen Ausnahmen abgesehen mit Verlusten ab. Der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor im vergangenen Jahr rund 7,5 %, der Dow-Jones-Index gab um 6 % und der japanische Nikkei um 27 % nach.

"Den größten Teil der Abwärtsbewegung der Technologiewerte haben wir hinter uns", meint Achim Matzke, Analyst bei Commerzbank Securities. Matzke erwartet, dass der Nemax-All-Share-Index im Laufe des Jahres klar über 4 000 Punkte steigt. HSBC Trinkaus & Burkhardt hält in der zweiten Jahreshälfte sogar bis zu 5 000 Punkte für realistisch. Das deckt sich mit den Schätzungen der Fondsgesellschaft Union Investment. Mit der Erholung wird sich nach Meinung der Experten auch das Klima für Börsengänge verbessern. Anziehen dürfte die Emissionstätigkeit bereits wieder im ersten Halbjahr. Denn nach Schätzungen der Deutschen Bank wurden 2000 rund 50 Börsengänge abgesagt. Diese Kandidaten stünden jetzt in den Startlöchern. Die Zahl der Emissionen insgesamt wird nach Meinung der meisten Experten jedoch nach dem vergangenen Spitzenjahr deutlich niedriger ausfallen. 2000 wagten in Deutschland 153 Unternehmen den Sprung an die Börse, davon 133 an den Neuen Markt. Insgesamt platzierten die Neulinge Aktien im Wert von 26 Mrd. Euro ein neuer Rekord.

Elmar Thöne, bei der DG Bank für das Emissionsgeschäft verantwortlich, geht davon aus, dass die Banken versuchen werden, die "Qualitätsschraube weiter anzuziehen". Dadurch werde die Zahl der Emissionen begrenzt. Der Trend zum Börsengang sei aber ungebrochen. Das bestätigt Jochen Großmann von der Commerzbank: "Die Pipeline ist noch immer voll." Auch er zeigt sich - wenn auch gedämpft - optimistisch. Wie das Jahr letztlich verlaufen wird, hängt seiner Meinung nach davon ab, "ob die Qualitätstitel am Neuen Markt ihre Prognosen erfüllen können". Außerdem seien 2001 vorsichtigere Bewertungen bei Börsengängen nötig.

Dass im Jahr 2001 die Qualität der Emissionen steigen wird, darüber sind sich die Fachleute einig. Grund dafür seien nicht zuletzt die Skepsis der Anleger und die höhere Sensibilität der Emissionsbanken, die sich weitere Imageschäden ersparen wollen. "Zum Schwur wird es aber erst kommen, wenn der Optimismus in den Markt zurückkehrt", relativiert Rolf Drees von Union Investment. Drees hält eine Zahl von weniger als 100 Neuemissionen "für angemessen und gesund". Im vergangenen Jahr seien zu viele Unternehmen gestartet, "die noch nicht börsenreif waren". Dass verstärkt größere Unternehmen mit einem höheren Reifegrad an die Börse streben werden, glaubt auch die Deutsche Bank. Sie erwartet 30 bis 40 schwergewichtige Börsengänge mit einem Emissionsvolumen von jeweils mehr als 100 Mill. . Das wäre immerhin auch ein Rekord: Im vergangenen Jahr waren es nur 27 in dieser Größenordnung.

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