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26.01.2001

09:42 Uhr

Reuters FRANKFURT. Der Euro hat am Freitag in Folge von Äußerungen des Bundesbank-Direktoriumsmitglieds Edgar Meister seine am Vorabend nach den der Rede von US-Notenbankchef Greenspan verzeichneten Gewinne ausgebaut. Gegen 10.30 Uhr MEZ notierte die Gemeinschaftswährung bei 0,9280/83 $ nach einem Donnerstags-Schlusskurs in New York von 0,9243/48 $. Meister hatte sich optimistisch zu den Konjunkturaussichten in Deutschland geäußert und sich für eine "Geldpolitik der ruhigen Hand" ausgesprochen, also gegen zu häufige Zinsänderungen.

Weil Greenspan am Donnerstag nach Händlerangaben mit seinen Aussagen über die US-Konjunktur für die kommende Woche eine Zinssenkung um 50 Basispunkte signalisiert habe, werde damit der Zinsabstand zwischen den USA und der Euro-Zone voraussichtlich weiter deutlich schrumpfen, hieß es.

Trotz erkennbarer Belastungen spricht nach Meisters Ansicht wenig dafür, dass der Aufschwung in Deutschland abrupt enden werde. "Die realwirtschaftliche Lage ist besser als die sehr gedrückte Stimmung an den Finanzmärkten", sagte Meister. Doch die Bremswirkungen der höheren Ölpreise seien noch nicht ausgestanden. Trotz der im Januar wieder beschleunigten Inflation seien die Preisaussichten für dieses Jahr günstig. Für Zinssenkungen in der Euro-Zone gäbe es zwar einige Gründe. Doch zu häufiges Drehen an der Zinsschraube verunsichere die Finanzmärkte. "Jetzt ist eine Geldpolitik der ruhigen Hand gefragt", sagte Meister am Donnerstagabend vor Journalisten.

Die Aussagen Meisters bestärkten nach Händlerangaben die Überzeugung der Märkte, der Zinsabstand zwischen der Euro-Zone und den USA werde sich in naher Zukunft verkleinern. Grundsätzlich profitiere hiervon der Euro. Demgegenüber hatten andere Analysten in den vergangenen Tagen gesagt, eine Zinssenkung in den USA stärke die Wirtschaft und damit den $. Gleichzeitig riskiere die EZB dieser Ansicht nach durch eine zurückhaltende Geldpolitik das Wachstum in der Euro-Zone und belaste hierdurch den Euro.

Greenspan dämpft Optimismus

Greenspan hatte am Donnerstag gesagt, er halte es für möglich, dass die US-Wirtschaft derzeit fast nicht wachse. Er beschrieb die Abkühlung als "sehr dramatisch" und dämpfte hierdurch den wieder aufkeimenden Optimismus vieler Anleger hinsichtlich der Wirtschaftslage in den USA. Allerdings stärkte Greenspan nach Analystenangaben gleichzeitig das Vertrauen der Märkte, dass die US-Notenbank Fed die nötigen Zinsschritte unternehmen wird, um der US-Wirtschaft so schnell wie möglich wieder auf die Beine zu helfen. Zudem befürwortete Greenspan die zügige Einführung von Steuersenkungen, um so eine unerwartete Rezession zu vermeiden.

Die nächste Zinsentscheidung steht in den USA am 30./31 Januar an. Analysten gehen nach Greenspans Äußerungen überwiegend von einer Zinssenkung um 50 Basispunkte aus. Bei einer Reuters-Umfrage sagten 24 von 25 US-Bondhändlern, sie erwarteten eine Zinssenkung in dieser Höhe.

Der Dollar hielt sich gegen die japanische Währung stabil und notierte bei 116,75/80 Yen und damit kaum verändert zu seinen Vorabendkursen in New York.

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