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09.02.2001

17:00 Uhr

Orange wird Dienstag erstmals notiert

Dax-Ausblick: Nachhaltige Kursanstiege sind noch unwahrscheinlich

VonROLAND SCHWEINS (Handelsblatt.com)

Analysten geben noch keine Entwarnung für die wichtigen Indizes. Auch der Deutsche Aktienindex Dax, dessen Entwicklung sich eng an die US-amerikanischen Leitbörsen orientiert, soll nach ihrer Auffassung noch eine Weile seitwärts tendieren. Spannung gibt es in der kommenden Woche bei den Telekom-Aktien: Dienstag legt Mobilcom Zahlen vor und die France-Telekom-Tochter Orange geht an die Börse.

DÜSSELDORF. Aktien-Stratege Matthias Jörss von der BHF-Bank rät Privatanlegern momentan noch zur Zurückhaltung. Die Mehrheit der Marktteilnehmer lasse zu wenig Vorsicht erkennen. "Es fehlt zurzeit eine gehörige Portion an Risikoaversion", sagt Jörss. Anleger seien also gut beraten, wenn sie nur einen bestimmten Teil ihres Portfolios jetzt neu mit Aktien bestückten.

Für die kommende Woche prognostiziert Jörss Index-Stände beim Dax zwischen 6 400 und 6 650 Punkten. Mittelfristig seien die Analysten der BHF-Bank aber wieder positiv gestimmt und empfehlen besonders Aktien aus dem Telekom-Sektor zum Kauf. Der Stratege rät besonders zu den Werten Deutsche Telekom und Vodafone Air-Touch. Kurzfristig sei jedoch zunächst für den Sektor wichtig, dass der Börsengang von Orange kein Flop wird. Die Neuemission der Mobilfunktochter von France Telekom war am Freitag zum Zeichnungsschluss zweifach überzeichnet. Anfängliche Probleme bei der Platzierung der neuen Aktien hatten France Telekom dazu veranlasst, die Bieterspanne auf 9,50 bis 11 Euro zu senken. Die Erstnotiz ist für Dienstag vorgesehen (weitere Details und Graumarktkurse).

Auch das japanische Wirtschaftsklima drückt auf die Indizes

Die Analysten der GZ-Bank sehen eine weitere Belastung für das Börsenklima neben der drohenden US-Rezession: die schlechten Konjunkturdaten aus Japan. Sie bekräftigten die negative Einschätzung der GZ-Bank-Analysten für den japanischen Aktienmarkt. Der Nikkei 225 habe sich zwar über die Marke von 13 000 Punkten retten können, fiel jedoch in der vergangenen Woche kurzzeitig auf ein 28-Monatstief.

Von dem sich weltweit eintrübenden fundamentalen Umfeld hätten sich auch die europäischen Börsen bislang nicht abkoppeln können. Für die nächsten Wochen werde daher eine Fortsetzung der Seitwärtsbewegung an den Börsen erwartet - und viel Nervosität und Unsicherheit.

Bis zu einer Aufhellung der Stimmung halten die GZ-Analysten an der Strategie fest, in fundamental abgesicherte Werte mit Defensivcharakter zu investieren. Sie raten zum Kauf von Saint Gobain (Hersteller, Verarbeiter und Vertreiber von Glas, Hochleistungswerkstoffen und Bauprodukten), Schering und RWE.

Müder Seitwärtsgang

"Der Dax ist zurzeit ein müder Index", sagt Karl-Wilhelm Homburg, Aktienstratege von der Bankgesellschaft Berlin. Der Markt stelle sich momentan nicht "schön" dar. Zwei Gründe macht Homburg dafür aus: Besonders bei den US-amerikanischen Leitbörsen trügen die schwache Konjunkturlage in Übersee und negative Meldungen besonders von Technologie-Unternehmen viel Unsicherheit in die Aktienmärkte.

Die Börsen orientierten sich aber immer stark an diesen Technologie-Titeln. So werde beispielsweise mehr auf den Verlauf des Nasdaq-Index geschaut, als auf den Standardwerte-Index Dow Jones. Die ursprünglich gute Meinung zu Technologie-Aktien habe sich derweil allerdings weit zurückgebildet. Außerdem schraubten die Vorstände der Tech-Unternehmen ihre Prognosen zurück und verhielten sich momentan vorsichtiger, um keine weiteren Gewinnwarnungen ausgeben zu müssen. Vor diesem Hintergrund erwartet der Experte keine großen Sprünge beim Nasdaq-Index. Er rechnet auf Jahressicht mit einem leichten Anstieg auf "nur" 2 800 Punkte.

Während sich in den USA die deutliche Konjunkturabkühlung bemerkbar mache, seien die konjunkturellen Aussichten für Euroland vergleichsweise gut. Der Dax wird nach seiner Auffassung von diesen konjunkturellen Kräften profitieren. Homburg prognostiziert kurzfristig zwar noch erhebliche Schwankungen des Standardwerte-Index zwischen 6 200 und 7 000 Punkten, er erwartet aber insgesamt eine steigende Tendenz. Bis Jahresmitte - und vielleicht schon im April - sieht er den Dax bei 7 000 Punkten. Auf Jahressicht prognostiziert er schließlich 7 500 Punkte.

Im Nemax befinden sich "echte Perlen"

Obwohl Homburg für die technologielastige Börse Nasdaq grundsätzlich pessimistisch eingestellt ist, erwartet er, dass sich der deutsche Wachstumsmarkt von dieser Entwicklung abkoppeln kann. Beim Neuen Markt sieht er entsprechend deutlich mehr Kurspotenzial: "3 600 bis 4 200 Punkte sind in 12 Monaten möglich", sagt er. Allerdings müssten jüngst enttäuschte Anleger noch sehr viel Vertrauen in das Segment zurückgewinnen. Es gebe auf jeden Fall zahlreiche "echte Perlen" im Nemax.

Auf der Empfehlungsliste hat die Bankgesellschaft Berlin momentan Alcatel, spanische Bankenwerte ("die wachsen einfach prima und stehen bei uns schon lange auf Kauf") und die France Telecom. Bei der France-Telecom-Aktie seien keine größeren Einbrüche zu erwarten.

Weitere Werte, die momentan bei der Bankgesellschaft auf Kauf stehen sind: Celanese (MDax), CeWe Color (SMax), Deutsche Post (bald im Dax), Drillisch (Neuer Markt), Epcos (Dax), Fresenius Vz. (MDax), Jenoptik (Neuer Markt), Loewe (Neuer Markt), M&S (Neuer Markt), Mühlbauer (Neuer Markt), MWB (Neuer Markt), Preussag (Dax), PSI (Neuer Markt), Qiagen (Neuer Markt), Renault (EuroStoxx), Rösch (Neuer Markt) und den Nemax-50-Wert Mobilcom, der übrigens am Dienstag Geschäftszahlen für das Jahr 2 000 veröffentlicht. (Siehe auch: Analysten: Mobilcom 2000 mit hohem Verlust wegen UMTS)



Dax-30-Empfehlungen aus strategischer Anlage-Perspektive haben wir in dieser Woche von der Hessischen Landesbank "Helaba" in folgender Tabelle zusammengestellt:



Hessische Landesbank

 Gewinn je Aktie 00eGewinn je Aktie 01eEmpfehlungDatum Empfehlung

Adidas

-Salomon
4,204,80Kaufen03.11.00
Allianz14,216,8Halten18.09.00

BASF

2,213,09Kaufen10.11.00

Bayer

2,692,94Verkaufen (Halten)24.01.01

BMW

1,862,80Halten01.08.00

Commerzbank

3,382,41Halten20.11.00
Daimler-Chrysler3,702,10Halten28.07.00

Deutsche Bank

7,907,90Halten28.11.00
Degussa-Hüls2,342,72Kaufen12.12.00
Dresdner Bank3,762,38Halten09.11.00
Deutsche Telekom-0,060,14Halten23.01.01

Eon

5,303,93Halten11.12.00

Epcos

3,684,25Halten04.08.00

Fresenius Medical Care

2,513,02Halten10.11.00

Henkel

Vz.
n.a.n.a.Halten14.11.00

Hypo

-Vereinsbank
2,413,58Halten25.07.00

Infineon

1,831,53Halten08.11.00

Karstadt

-Quelle
1,101,30Kaufen24.10.00

Lufthansa

3,123,52Halten28.08.00

Linde

2,402,75Kaufen20.12.00

MAN

2,522,60Halten24.01.01

Metro

6,707,60Verkaufen10.10.00
Münchner Rück.8,609,80Halten22.09.00
Preussag1,601,80Kaufen19.10.00

RWE

2,242,57Kaufen31.05.00

SAP

Vz.
2,182,79Kaufen19.06.00

Schering

1,702,12Halten08.02.01

Siemens

4,465,00Halten17.11.00

Thyssen

-Krupp
n.a.n.a.Halten11.12.00

Volkswagen

4,585,91Kaufen30.10.00

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