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17.01.2002

19:55 Uhr

Orientierung am US-Vorbild

Ackermann erhält Machtfülle eines CEO

VonHENDRIK ESSER

Durch die Neustrukturierung der Deutschen Bank wird das Institut amerikanischen Banken immer ähnlicher. Wenn der designierte Vorstandssprecher Josef Ackermann zusätzlich noch Chef des Executive Committee wird, dann hat er ähnliche Machtfülle wie ein Chief Executive Officer (CEO) in den Vereinigten Staaten.

FRANKFURT/M. In den USA kann der CEO im Gegensatz zum Vorstandssprecher von deutschen Unternehmen über die Köpfe der Vorstandskollegen hinweg entscheiden. "In Deutschland hat das bislang das Gemeinschaftshandlungsprinzip verhindert", sagt Mark Wahrenburg, Professor für Bankwirtschaftslehre an der Universität Frankfurt. Diesem Prinzip nach müssen die Entscheidungen im Konsens getroffen werden, da alle Vorstandsmitglieder haften. Der Sprecher ist demnach auf gleicher Stufe mit seinen Kollegen.

Die Deutsche Bank plant nun aber, die Exekutivkomitees der beiden Geschäftssäulen "Unternehmen & Institutionelle Kunden" (CIB) sowie "Asset Management & Privatkunden" (PCAM) zusammen zu legen. Den Vorsitz soll Ackermann bekommen. Er könnte dann die übrigen Mitglieder des Gremiums bestimmen. Neben einzelnen Vorstandskollegen werden dort mehrere Mitglieder aus den beiden Geschäftsgruppen sitzen. "Das Aktiengesetz kann Ackermann damit aber nicht aushebeln", sagt Wahrenburg. Denn weiterhin müssen die Entscheidungen vom Vorstand abgesegnet werden. Der Aufsichtsrat behält seine überwachende Funktion. Allerdings ist fraglich, ob der Vorstand einmal im Komitee gefällte Entscheidungen tatsächlich noch blocken würde. Das Komitee hat sie entsprechend unter dem Vorsitz von Ackermann vorbereitet. Als Spitzenmann in beiden Gremien, verfügt Ackermann dann über gewaltiges Stimmengewicht.

Seitdem die Deutsche Bank ihre Konzernstruktur auf die beiden Säulen gestellt hat, gleicht sie ohnehin immer mehr der US-Konkurrenz. So hat etwa JP Morgan Chase sein Geschäft ganz ähnlich gegliedert. Die Bank unterscheidet die Bereiche "Privatkunden" und "Investmentbanking". Der US-größte Finanzkonzern, die Citigroup, hat darüber hinaus ein weiteres Standbein im Versicherungsgeschäft.

Für Ackermann wird es allerdings eine entscheidende Einschränkung im Vergleich zu den US-Bankenchefs geben. Selbst wenn der nahezu die Machtfülle eines CEO besitzt, wird er vom deutschen Aktiengesetz beschränkt. In den USA wählen die Aktionäre den CEO, in Deutschland bestellt der Aufsichtsrat den Vorstand. Mit Ackermanns Amtsantritt wird sein Vorgänger Rolf-E. Breuer dem des Aufsichtsrat vorstehen.

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