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23.07.2000

15:32 Uhr

1. Die Informations- und Kommunikationstechnologie (IT) ist eine der wesentlichen Trieb­kräfte, die das einundzwanzigste Jahrhundert prägen werden. Ihre revolutionären Auswir­kungen beeinflussen das Leben, das Lernen und die Arbeit der Menschen und auch das Zusammenwirken von Regierungen mit der Zivilgesellschaft. Die IT entwickelt sich rasch zu einem wesentlichen Motor des Wachstums der Weltwirtschaft. Sie ermöglicht ferner vielen produktiven Menschen, Firmen und Gemeinschaften in allen Teilen der Welt, wirtschaftliche und soziale Herausforderungen mit größerer Effizienz und Kreativität anzugehen. Es bieten sich enorme Chancen, die wir alle gemeinsam nutzen können.



2. Das Hauptwesensmerkmal des durch die IT herbeigeführten wirtschaftlichen und sozialen Wandels ist dessen Potenzial, den Einzelnen und die Gesellschaft bei der Nutzung von Wis­sen und Ideen zu unterstützen. Wir haben eine Vision von der Informationsgesellschaft, in der die Menschen besser in der Lage sein werden, ihre Möglichkeiten auszuschöpfen und ihre Bestrebungen in die Tat umzusetzen. Zu diesem Zweck müssen wir sicherstellen, dass die IT dazu beiträgt, anhaltendes Wirtschaftswachstum, die Steigerung des öffentlichen Wohlstands und die Stärkung des sozialen Zusammenhalts zu erreichen - Ziele, die sich ge­genseitig unterstützen -, und uns dafür einsetzen, ihr Potenzial zur Festigung der Demo­kratie, zur Verstärkung von Transparenz und Rechenschaftspflicht im Regierungshandeln, zur Förderung der Menschenrechte, Erweiterung der kulturellen Vielfalt sowie Stärkung des Weltfriedens und der internationalen Stabilität voll auszuschöpfen. Um diese Ziele zu errei­chen und die entstehenden Herausforderungen anzugehen, werden wirkungsvolle nationale und internationale Strategien erforderlich sein.



3. Während wir diese Zielsetzungen verfolgen, bekräftigen wir unser Bekenntnis zum Prinzip der Einbeziehung: jeder, egal an welchem Ort, sollte von den Vorteilen der globalen Infor­mations­gesellschaft profitieren können und niemandem sollten diese vorenthalten bleiben. Die Fähigkeit dieser Gesellschaft, sich dynamisch zu erneuern, hängt von demokratischen Werten ab, die die menschliche Entwicklung voranbringen, darunter der freie Austausch von Informationen und von Wissen, die gegenseitige Toleranz und die Achtung der Vielfalt.



4. Wir werden unsere Führungskompetenz dazu nutzen, die Bemühungen der Regierungen voranzubringen, ein angemessenes politisches und ordnungspolitisches Umfeld zu schaffen, um zu Wettbewerb und Innovation anzuregen, wirtschaftliche und finanzpolitische Stabilität zu gewährleisten, das Zusammenwirken der Beteiligten zur Optimierung globaler Netze zu verbessern, Missbrauch, der die Integrität der Netze infrage stellt, zu bekämpfen, Ungleich­gewichte beim Zugang zu IT-Netzen zu überwinden, in Menschen zu investieren sowie den globalen Zugang und die Beteiligung aller zu fördern.



5. Vor allem anderen stellt diese Charta einen Aufruf an alle dar, im öffentlichen wie im priva­ten Sektor die internationale Wissens- und Informationskluft zu überwinden. Ein solider Rahmen IT-bezogener Strategien und Maßnahmen kann unser Zusammenwirken verändern und gleichzeitig weltweit größere soziale und wirtschaftliche Chancen bieten. Eine effiziente Partnerschaft zwischen den Beteiligten, unter anderem durch gemeinsame politische Zusammenarbeit, ist für die gesunde Entwicklung einer wahrhaft globalen Informations­gesellschaft auch von zentraler Bedeutung.



Die Chancen der IT nutzen



6. Die IT bietet beträchtliche Möglichkeiten für die Förderung des Wettbewerbs, die Steige­rung der Produktivität sowie die Schaffung und Aufrechterhaltung von wirtschaftlichem Wachstum und von Beschäftigung. Unsere Aufgabe besteht nicht nur darin, zum Übergang zur Informationsgesellschaft anzuregen und ihn zu erleichtern, sondern auch darin, in vollem Umfang auf wirtschaftlichem, sozialem und kulturellem Gebiet davon zu profitieren. Um dies zu erreichen, müssen wir auf folgenden Grundvoraussetzungen aufbauen:



" Wirtschafts- und Strukturreformen zur Förderung einer Atmosphäre der Offenheit, der Effizienz, des Wettbewerbs und der Innovation, unterstützt durch Strategien, die auf anpassungsfähige Arbeitsmärkte, die Entwicklung menschlicher Ressourcen und sozialen Zusammenhalt abzielen;



" vernünftige makroökonomische Steuerung, um Unternehmen und Verbrauchern zu helfen, zuversichtlich die Zukunft zu planen und die Vorteile neuer Informations­technologien auszuschöpfen;



" Entwicklung von Informationsnetzen, die, unterstützt durch wettbewerbsgerechte Marktbedingungen und durch entsprechende Innovationen im Bereich der Netz­tech­nologie, -dienstleistungen und-anwendungen, einen schnellen, zuverlässigen, sicheren und erschwinglichen Zugang ermöglichen;



" Entwicklung menschlicher Ressourcen, die den Anforderungen des Informations­zeitalters durch Bildung und lebenslanges Lernen gerecht werden und die wachsende Nachfrage nach IT-Spezialisten in vielen Bereichen unserer Wirtschaft decken kön­nen;



" aktive Nutzung der IT durch den öffentlichen Sektor und Förderung der Bereit­stellung von öffentlichen Online-Dienstleistungen, die wesentlich sind, um sicher­zustellen, dass alle Bürger einen verbesserten Zugang zu staatlichen Dienstleistungen erhalten.



7. Der Privatsektor spielt bei der Entwicklung der Informations- und Kommunikationsnetze in der Informationsgesellschaft eine führende Rolle. Es obliegt jedoch den Regierungen, ein berechenbares, transparentes und nichtdiskriminierendes politisches und ordnungspolitisches Umfeld zu schaffen, wie es die Informationsgesellschaft braucht. Es ist wichtig, unange­messene ordnungspolitische Interventionen zu vermeiden, die produktiven Initiativen des privaten Sektors zur Schaffung eines IT-freundlichen Umfelds zuwiderlaufen würden. Wir sollten sicherstellen, dass Regelungen und Praktiken in Bezug auf die IT offen sind für revo­lutionäre Veränderungen im Wirtschaftsleben, und hierbei die Grundsätze wirkungsvoller Partnerschaften zwischen öffentlichem und privatem Sektor, der Transparenz und der tech­nologischen Neutralität berücksichtigen. Die Regelungen müssen berechenbar sein und das Vertrauen der Wirtschaft und der Verbraucher stärken. Wir haben uns auf die folgenden Grundprinzipien und Vorgehensweisen geeinigt, um die sozialen und wirtschaftlichen Vor­teile der Informationsgesellschaft maximal auszuschöpfen, und empfehlen sie auch anderen:



- Im Hinblick auf die Bereitstellung von Produkten und Dienstleistungen der Infor­mationstechnologie und Telekommunikation, einschließlich nichtdiskriminierender, kostenorientierter Zusammenschaltung grundlegender Telekommunikationsdienst­l­eistungen, werden weiterhin der Wettbewerb gefördert und die Märkte geöffnet;



- Der Schutz der Rechte des geistigen Eigentums für IT-bezogene Technologie ist ent­scheidend für die Förderung IT-bezogener Innovationen, den Wettbewerb und die Verbreitung neuer Technologien; Wir begrüßen die bereits laufenden Arbeiten der für geistiges Eigentum zuständigen Behörden und ermutigen unsere Fachleute weiterhin, die künf­tige Vorgehensweise in diesem Bereich zu erörtern;



- Die erneute Verpflichtung der Regierungen, Software unter voller Wahrung der Rechte des geistigen Eigentums zu verwenden, ist ebenfalls von Bedeutung;



- einige Dienstleistungen, darunter die Telekommunikation, der Verkehr und die Paket­zustellung, sind für Wirtschaft und Gesellschaft im Informationszeitalter von entschei­dender Bedeutung, und die Verbesserung ihrer Effizienz wird den Nutzen maximieren; Zoll- und andere handelsbezogene Verfahren sind ebenfalls von Bedeutung für die Förderung eines IT-freundlichen Umfelds;



- Erleichterung des grenzüberschreitenden elektronischen Geschäftsverkehrs durch Förderung der weiteren Liberalisierung sowie der Verbesserung der Netze und damit verbundenen Dienstleistungen und Verfahren im Kontext eines gefestigten WTO-Rahmens, Fortsetzung der Arbeiten zum elektronischen Geschäftsverkehr in der WTO und anderen internationalen Foren sowie Anwendung der bestehenden WTO-Handelsdisziplinen auf den elektronischen Geschäftsverkehr;



- konsequente Ansätze im Hinblick auf die Besteuerung des elektronischen Geschäfts­verkehrs auf der Grundlage der herkömmlichen Prinzipien, einschließlich Neutralität, Gleichbehandlung und Unkompliziertheit, sowie anderer entscheidender Faktoren, die im Rahmen der Arbeit der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vereinbart wurden;



- Fortführung der Praxis, elektronische Übertragungen nicht mit Zöllen zu belegen, vorbehaltlich der Überprüfung auf der nächsten WTO-Ministerkonferenz;



- Förderung von Standards, die durch den Markt bestimmt werden, darunter beispiels-weise übergreifender technischer Normen;



- Förderung des Vertrauens, das die Verbraucher in den elektronischen Markt setzen, entsprechend den OECD-Richtlinien und Gewährleistung von gleichwertigem Ver­braucherschutz im elektronischen wie im konventionellen Geschäftsverkehr, auch durch wirksame Initiativen zur Selbstkontrolle wie z.B. Online-Verhaltenskodizes, "Trustmarks" und andere Vertrauensschutz-Programme, und Prüfung von Möglich-keiten, wie die Schwierigkeiten, denen sich Verbraucher in grenzüberschreitenden Streitfällen ausgesetzt sehen, vermindert werden können, darunter durch Anwendung alternativer Streitbeilegungsmechanismen;



- Entwicklung eines wirksamen und echten Schutzes der Privatsphäre des Verbrauchers sowie Schutz der Privatsphäre bei der Verarbeitung persönlicher Daten unter Auf­rechterhaltung eines unbeschränkten Informationsflusses;



- Weiterentwicklung und Funktionsfähigkeit des elektronischen Berechtigungsnach­weises, der elektronischen Unterschrift, der Verschlüsselung und anderer Mittel, um die Sicherheit und Eindeutigkeit von Geschäftsabschlüssen zu gewährleisten.



8. Die internationalen Bemühungen zur Entwicklung einer globalen Informationsgesellschaft müssen von koordinierten Maßnahmen zur Förderung verbrechensfreier und sicherer Datennetze begleitet werden. Wir müssen sicherstellen, dass zur Bekämpfung der Daten­netzkriminalität wirksame Maßnahmen, wie in den OECD-Richtlinien für die Sicherheit von Informationssystemen niedergelegt, getroffen werden. Die G8-Zusammenarbeit im Rahmen der Lyon-Gruppe zur grenzüberschreitenden organisierten Kriminalität wird verstärkt wer­den. Wir werden uns weiterhin für den Dialog mit der Industrie einsetzen und dabei auf den Erfolgen der kürzlich in Paris veranstalteten G8-Konferenz "Der Dialog zwischen Regie­rungen und Industrie über Sicherheit und Vertrauen im Cyberspace" aufbauen. Akute Sicherheitsprobleme wie Hackerangriffe und Viren machen ebenfalls wirkungsvolle Reak­tionen der Politik erforderlich. Wir werden im Hinblick auf den Schutz von sensibler Infor­mationsinfrastruktur weiterhin die Industrie und andere Akteure einbeziehen.



Ungleichgewichte beim Zugang zu IT überwinden



9. In unseren einzelstaatlichen Arbeitsprogrammen hat die Überwindung von Ungleichge­wichten innerhalb der Staaten und zwischen ihnen beim Zugang zu IT-Netzen mittlerweile entscheidende Bedeutung erlangt. Jeder sollte die Möglichkeit haben, Zugang zu Infor­mations- und Kommunikationsnetzen zu erhalten. Wir bekräftigen unser Engagement für die bereits begonnenen Arbeiten zur Formulierung und Umsetzung einer kohärenten Strategie, die dieses Problem angeht. Ferner begrüßen wir, dass sich Industrie und Zivilgesellschaft immer stärker bewußt sind, dass diese Ungleichgewichte überwunden werden müssen. Ein unverzichtbares Element unserer Reaktion auf diese Herausforderung ist der Rückgriff auf ihr Fachwissen und die Mobilisierung ihrer Ressourcen. Wir werden uns weiterhin für eine wirkungsvolle Partnerschaft zwischen Regierungen und der Zivilgesellschaft einsetzen, die der raschen Entwicklung der Technologien und der Märkte gerecht wird.



10. Ein zentraler Bestandteil unserer Strategie muss es sein, weiter auf den universellen erschwinglichen Zugang hinzuarbeiten. Wir werden auch weiterhin:



" Marktbedingungen fördern, die der Bereitstellung erschwinglicher Kommunikations­dienstleistungen dienlich sind;



" weitere ergänzende Maßnahmen prüfen, darunter den Zugang durch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehender Einrichtungen;



" dem verbesserten Zugang zum Netz, insbesondere in unterversorgten städtischen, ländlichen und abgelegenen Gebieten Vorrang einräumen;



" den Bedürfnissen und Einschränkungen der sozial Unterprivilegierten, der Behinder­ten und alter Menschen in besonderer Weise Rechnung tragen und aktiv Maßnahmen fördern, die ihnen den Zugang zu IT-Netzen und deren Nutzung erleichtern;



" zur Weiterentwicklung "benutzerfreundlicher" und "barrierefreier" Technologien, ein­schließlich des mobilen Zugangs zum Internet, sowie zur stärkeren Nutzung kosten­loser und öffentlich zugänglicher Inhalte anregen, wobei die Rechte des geistigen Eigentums zu achten sind.



11. Die Strategien zur Förderung der Informationsgesellschaft müssen durch die Entwicklung menschlicher Ressourcen unterstützt werden, die den Ansprüchen des Informationszeitalters gerecht werden können. Wir setzen uns dafür ein, allen unseren Bürgern die Möglichkeit zu geben, durch Bildung, lebenslanges Lernen und Ausbildung Digitalkompetenz und IT-rele­vante Fertigkeiten zu erwerben. Wir werden weiterhin danach streben, dieses anspruchsvolle Ziel zu erreichen, indem wir Schulen, Klassenzimmern und Bibliotheken den Zugang zum Internet ermöglichen und Lehrkräfte in den Bereichen IT und Multimedia schulen. Ferner werden wir Maßnahmen fördern, die darauf abzielen, kleine und mittlere Unternehmen und Freiberufler dabei zu unterstützen und ihnen Anreize zu bieten, Zugang zum Internet zu erlangen und es effizient zu nutzen. Darüber hinaus werden wir für die Nutzung der IT ein­treten, um innovative Chancen für das lebenslange Lernen, insbesondere für diejenigen zu bieten, die nicht auf andere Weise Zugang zu Bildung und Ausbildung erlangen können.



Förderung globaler Partizipation



12. Die IT stellt für die Volkswirtschaften der Länder im Übergang und der Entwicklungsländer eine enorme Chance dar. Länder, denen es gelingt, das Potenzial der IT zu nutzen, können damit rechnen, konventionelle Hindernisse, die der Infrastrukturentwicklung entgegen­stehen, zu überspringen, ihre zentralen Entwicklungsziele, darunter Armutsverminderung, Gesundheit, Hygiene und Bildung, besser zu erreichen und vom raschen Wachstum des weltweiten elektronischen Geschäftsverkehrs zu profitieren. Einige Entwicklungsländer haben in diesen Bereichen bereits beträchtliche Fortschritte gemacht.



13. Man darf jedoch die Herausforderung, die in der Überwindung der internationalen Informa­tions- und Wissenskluft liegt, nicht unterschätzen. Wir erkennen an, dass viele Entwick­lungsländer dieser Problematik Priorität einräumen. Tatsächlich könnten die Entwicklungs­länder, die nicht mit dem sich stets beschleunigenden Tempo der IT-Innovationen Schritt halten können, die Chance einbüßen, in vollem Umfang an der Informationsgesellschaft und der Wirtschaft des IT-Zeitalters teilzuhaben. Dies trifft besonders dort zu, wo die bestehen­den Defizite der grundlegenden wirtschaftlichen und sozialen Infrastruktur, z.B. in den Bereichen Stromversorgung, Telekommunikation und Bildung, der Verbreitung der IT ent­gegenstehen.



14. Wir erkennen an, dass die unterschiedlichen Bedingungen und Bedürfnisse der Entwick­lungsländer bei der Bewältigung dieser Herausforderung berücksichtigt werden sollten. Dabei gibt es keine Patentlösung. Es ist für die Entwicklungsländer von entscheidender Bedeutung, eigenverantwortlich tätig zu werden, indem sie kohärente nationale Strategien zur Erreichung der folgenden Ziele verabschieden: Schaffung eines IT- und wett­bewerbsfreundlichen politischen und ordnungspolitischen Umfelds, Nutzung der IT bei der Verfolgung der Entwicklungsziele und der Förderung des sozialen Zusammenhalts, Ent­wicklung menschlicher Ressourcen mit IT-relevanten Fertigkeiten und Anregung von Gemeinschaftsinitiativen sowie Unterstützung einheimischer Unternehmer.



Der Weg nach vorn



15. Die Bemühungen zur Überwindung der internationalen Ungleichgewichte hängen, wie dies auch innerhalb unserer Gesellschaften der Fall ist, in entscheidender Weise vom wirksamen Zusammenspiel aller Beteiligten ab. Bilaterale und multilaterale Hilfe wird weiterhin eine entscheidende Rolle bei der Schaffung der Rahmenbedingungen für die IT-Entwicklung spielen. Die Internationalen Finanzinstitutionen (IFI), darunter die Multilateralen Entwick­lungs­banken (MDB) und insbesondere die Weltbank, sind gut geeignet, in diesem Zusam­menhang durch die Ausarbeitung und Umsetzung von Programmen, die das Wachstum för­dern, den Armen zugute kommen und die Vernetzung, den Zugang sowie die Ausbildung verstärken, einen Beitrag zu leisten. Auch die Internationale Fernmeldeunion (ITU), die Konferenz der Vereinten Nationen über Handel und Entwicklung (UNCTAD), das Entwick­lungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) und andere einschlägige internationale Foren üben hierbei eine wichtige Funktion aus. Der private Sektor ist nach wie vor ein zen­traler Akteur, der die IT in den Entwicklungsländern voranbringt, und er kann einen erheb­lichen Beitrag zu den internationalen Bemühungen leisten, Ungleichgewichte beim Zugang zu überwinden. Die nichtstaatlichen Organisationen können mit ihrer einzigartigen Fähig­keit, die Basis zu erreichen, sinnvoll zur Entwicklung von menschlichen Ressourcen und Gemeinschaften beitragen. Die IT ist, kurz gesagt, von globaler Dimension und erfordert auch eine globale Herangehensweise.



16. Wir begrüßen die bereits unternommenen Anstrengungen zur Überwindung internationaler Ungleichgewichte beim IT-Zugang durch bilaterale Entwicklungshilfe sowie durch inter­nationale Organisationen und private Gruppen. Wir begrüßen ferner die Beiträge des Privat­sektors, wie beispielsweise die der "Global Digital Divide Initiative" des Weltwirtschafts­forums (WEF). des Globalen Dialogs der Wirtschaft über den elektronischen Geschäfts­verkehr (Global Business Dialogue on E-Commerce, GBDe) und des Globalen Forums.



17. Wie es bereits in der Ministererklärung des Wirtschafts- und Sozialrats (ECOSOC) der VN über die Rolle der IT in einer wissensbasierten globalen Wirtschaft zum Ausdruck gebracht wurde, ist es nötig, einen verstärkten internationalen Dialog zu führen und die Zusammen­arbeit zu intensivieren, um die Wirksamkeit IT-bezogener Programme und Projekte für die Entwicklungsländer zu verbessern, bewährte Praktiken zusammenzustellen und die verfüg­baren Mittel aller Beteiligten zu mobilisieren, um zur Überwindung der Ungleichgewichte beim IT-Zugang beizutragen. Die G8 werden sich um eine stärkere Partnerschaft zwischen Industrie- und Entwicklungsländern, der Zivilgesellschaft einschließlich privater Unter­nehmen, nicht-staatlicher Organisationen, Stiftungen und wissenschaftlicher Einrichtungen sowie internationaler Organisationen bemühen. Wir werden uns auch dafür einsetzen, dass die Entwicklungsländer in Partnerschaft mit anderen Beteiligten die finanzielle, technische und politische Unterstützung erhalten, um ein besseres Umfeld für die IT und ihre Nutzung zu schaffen.



18. Wir beschließen die Einrichtung einer Arbeitsgruppe "Digitale Möglichkeiten" ("dot force") mit dem Ziel, unsere Bemühungen in eine breiter angelegte internationale Vorgehensweise einfließen zu lassen. Zu diesem Zweck wird die "dot force" so bald wie möglich zusammen­treten, um die Teilnahme aller Akteure sicherzustellen. Diese hochrangige Arbeitsgruppe wird in enger Zusammenarbeit mit anderen Partnern und in einer Weise, die den Bedürf­nissen der Entwicklungsländer Rechnung trägt,



" aktiv Gespräche mit Entwicklungsländern, internationalen Organisationen und anderen Beteiligten erleichtern, um die internationale Zusammenarbeit mit dem Ziel zu stärken, die Bereitschaft in den Bereichen Politik, Regulierung und Netze zu fördern, die Ver­netzung und den IT-Zugang zu verbessern, die Kosten zu verringern, Humankapazi­täten aufzubauen und zur Teilnahme an globalen Netzen des elektronischen Geschäftsverkehrs zu ermutigen;



" die eigenen Bemühungen der G8 anspornen, in IT-bezogenen Pilotprogrammen und-projekten zusammenzuarbeiten;



" einen intensiveren politischen Dialog zwischen den Partnern fördern und daran mit­wirken, das Bewusstsein der globalen Öffentlichkeit hinsichtlich der Risiken und Chancen zu schärfen;



" Beiträge des privaten Sektors und anderer interessierter Gruppen, wie diejenigen der "Global Digital Divide Initiative", prüfen;



" vor unserem nächsten Treffen in Genua unseren persönlichen Vertretern über ihre Arbeitsergebnisse und Aktivitäten Bericht erstatten.



19. Bei der Verfolgung dieser Zielsetzungen wird die "dot force" nach Möglichkeiten suchen, konkrete Maßnahmen bezüglich der nachstehend genannten prioritären Bereiche zu treffen: Förderung der Bereitschaft in den Bereichen Politik, Regulierung und Netze:



- Unterstützung politischer Beratung und Schaffung lokaler Kapazitäten zur Förde­rung eines wettbewerbsfreundlichen, flexiblen und von sozialer Einbindung gepräg­ten politischen und ordnungspolitischen Umfelds;



- Erleichterung des Erfahrungsaustausches zwischen Entwicklungsländern und ande­ren Partnern;



- Anregung eines effektiveren und stärkeren Einsatzes der IT bei Entwicklungs­bemühungen, was so umfassende Bereiche wie die Armutsbekämpfung, die Bil­dung, das öffentliche Gesundheitswesen und die Kultur einschließt;



- Förderung von verantwortungsbewusstem staatlichen Handeln einschließlich der Auslotung neuer Methoden zur Entwicklung beteiligungsorientierter politischer Strategien;



- Unterstützung der Bemühungen der Multilateralen Entwicklungsbanken und ande­rer internationaler Organisationen, intellektuelle und finanzielle Ressourcen im Zusam­menhang mit Kooperationsprogrammen wie z.B. InfoDev zu bündeln.



" Verbesserung der Vernetzung und des Zugangs zu Netzen sowie Senkung der Kosten:



- Mobilisierung von Ressourcen zur Verbesserung der Informations- und Kommuni­kationsinfrastruktur unter besonderer Betonung eines "partnerschaftlichen" Ansat­zes, der Regierungen, internationale Organisationen, den privaten Sektor und nichtstaatliche Organisationen einbezieht;



- Erarbeitung von Konzepten zur Senkung der Vernetzungskosten für Entwicklungs­länder;



- Unterstützung von Programmen, die den Zugang zu Netzen für Gemeinschaften fördern;



- Anregung von Forschung und Entwicklung in Bezug auf Technologien und Anwendungen, die auf die besonderen Anforderungen in den Entwicklungsländern zugeschnitten sind;



- Verbesserung der Kompatibilität von Netzen, Dienstleistungen und Anwendungen;



- Anregung der Erstellung örtlich relevanter und informativer Inhalte, einschließlich der Entwicklung von Inhalten in verschiedenen Muttersprachen.



" Aufbau von Humankapazitäten:



- Konzentration auf die Grundbildung sowie auf verbesserte Möglichkeiten für das lebenslange Lernen unter besonderer Betonung der Entwicklung von IT-relevanten Fertigkeiten;



- Unterstützung des Aufbaus eines "Pools" von ausgebildeten Fachleuten für IT und für andere einschlägige Politikbereiche sowie Regulierungsfragen;



- Entwicklung innovativer Ansätze zur Ausweitung der traditionellen Reichweite der technischen Hilfe, darunter durch Fernunterricht und gemeinschaftsgestützte Aus­bildung;



- Vernetzung von öffentlichen Institutionen und Gemeinschaften, einschließlich Schulen, Forschungszentren und Universitäten.



" Anregung der Teilnahme an weltumspannenden Netzen des elektronischen Geschäftsverkehrs:



- Bewertung und Steigerung der Akzeptanz und Nutzung des elektronischen Geschäftsverkehrs durch Beratung für Unternehmensgründungen in Entwick­lungs­ländern und durch die Mobilisierung von Ressourcen, mit denen Unter­nehmen geholfen wird, die IT zur Verbesserung ihrer Effizienz und ihres Zugangs zu neuen Märkten einzusetzen;



- Sicherstellung, dass die sich entwickelnden "Spielregeln" im Einklang mit den Entwicklungsbemühungen stehen, und Aufbau von Kapazitäten in den Entwick­lungsländern, die es diesen ermöglichen, bei der Festlegung dieser Regeln eine konstruktive Rolle zu spielen.



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