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01.08.2000

21:31 Uhr

Ost-Barometer legt nochmals zu

Handelsblatt-Frühindikator: Konjunktureller Aufschwung verliert an Dynamik

Vor allem ein deutliches Plus bei den Auftragseingängen in der Industrie hat den Handelsblatt-Frühindikator im August wieder leicht steigen lassen - trotz einer zuletzt etwas eingetrübten Stimmung. Steigende Zinsen deuten aber darauf hin, dass der Aufschwung langsam an Dynamik einbüßt.

HB DÜSSELDORF. Der Handelsblatt-Frühindikator ist im August wieder leicht gestiegen. Nach seinem Rückgang im Juli auf 3,0 % erreichte der aktuelle Indikatorwert wie im Juni 3,1 % Tabelle und Grafik. Er verbleibt damit auf hohem Niveau. Der seit April anhaltende Aufwärtstrend des Konjunkturbarometers für die neuen Bundesländer setzte sich fort. Mit 4,0 % im August nach 3,8 % im Juli war der Anstieg zum wiederholten Male stärker als im Westen Tabellen und Grafik.

In ganz Deutschland dürfte sich der Konjunkturaufschwung damit vorerst fortsetzen. Allerdings zeichnet sich ab, dass die Dynamik dieses Aufschwungs langsam nachlässt. Besonders die zuletzt deutlich gestiegenen Zinsen dürften sich dann dämpfend auswirken.

Den Ausschlag für den Anstieg des Frühindikators gab die günstigen Entwicklung im verarbeitenden Gewerbe. Sie wurde hauptsächlich von den Auftragseingängen aus dem Ausland getragen. Der Westen konnte im Mai saisonbereinigt einen Zuwachs von knapp 3 %, der Osten ein Plus von 2,5 % gegenüber dem Vormonat verzeichnen.

Inlandsnachfrage als zweites Standbein

Gleichzeitig entwickelt sich die Inlandsnachfrage langsam zum zweiten Standbein des Konjunkturaufschwungs. Das zeigt sich im Westen mit einem Nachfrageanstieg von 3,2 % gegenüber April. Der Osten musste zwar zuletzt einen leichten Rückgang der Ordereingänge aus dem Inland hinnehmen. Im Durchschnitt der vergangenen Monate ist aber auch hier ein deutlicher Aufwärtstrend zu beobachten.

Eingetrübte Stimmung kein Signal für Abschwung

Nach dem jüngsten Höhenflug des Ifo-Geschäftsklimas für das verarbeitende Gewerbe haben sich die Klimawerte im Juni abgeschwächt. Der Geschäftsklimasaldo aus positiven und negativen Einschätzungen verringerte sich in den alten Bundesländern von 19,1 Punkten im Mai auf 17,2 Punkte im Juni. Zurückzuführen ist diese Entwicklung hauptsächlich auf die drastische Eintrübung der Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate. Diese sanken auf den niedrigsten Wert seit Oktober vergangenen Jahres. Überraschend positiv hingegen haben sich die Exporterwartungen entwickelt.

In der ostdeutschen Industrie ist der Geschäftsklimasaldo wesentlich stärker zurückgegangen. Er lag im Juni bei 7,2 Punkten nach 12,8 Punkten im Mai. Auch hier ist die Ursache in den pessimistischer gewordenen Zukunftserwartungen zu sehen. Die Exporterwartungen haben sich kaum verbessert.

Die Stimmung im Einzelhandel hat sich dagegen deutlich verschlechtert. In Westdeutschland sank der Saldo des Geschäftsklimas von-3,8 auf-20,1 Punkte im Juni. Auch die Geschäftserwartungen der westdeutschen Einzelhändler für die kommenden sechs Monate wurden im Juni deutlich negativer beurteilt als noch im Mai.

Pessimismus im Einzelhandel

Im Einzelhandel der neuen Länder blieb das Ifo-Geschäftsklima mit-19,5 Punkten ähnlich eingetrübt wie im Vormonat. Die Zukunftserwartungen hellten sich im Mai zwar etwas auf, es dominierte jedoch weiterhin der Pessimismus.

Die Umsatzentwicklung im Einzelhandel rechtfertigt diesen Pessimismus nicht. Die gesamtdeutschen Einzelhandelsumsätze konnten im Mai zum wiederholten Male einen Zuwachs verzeichnen. Sie stiegen gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt um 1,6 %.

Die negative Stimmung im Baugewerbe ist demgegenüber schon eher nachvollziehbar. Im Westen konnten die Auftragseingänge im Mai mit saisonbereinigt 87,7 % ihr relativ niedriges Vormonatsniveau gerade einmal halten. Die Baunachfrage in Ostdeutschland gab sogar um 4 % gegenüber April nach. Folglich blieb das Ifo-Geschäftsklima tief im negativen Bereich.

Insgesamt sollte das abgeschwächte Geschäftsklima nicht als Signal für eine baldige Abschwächung der Konjunktur gesehen werden, da die Vormonatswerte teilweise überzeichnet waren. Hinzu kamen die inzwischen beseitigten Unsicherheiten über das Zustandekommen der Steuerreform.

Zinsdifferenz hat sich deutlich verringert

In den vergangenen Monaten hat sich der Handelsblatt-Frühindikator auf hohem Niveau eingependelt. Auch wenn eine Abschwächung in den kommenden Monaten unwahrscheinlich ist, dürfte sich der Aufschwung in den kommenden Monaten auch nicht mehr beschleunigen. Darauf deutet jedenfalls die derzeitige Veränderung der Zinsstruktur hin.

Nachdem der Dreimonatszins Euribor infolge der Leitzinserhöhung durch die Europäische Zentralbank sprunghaft von 3,93 % im April auf 4,36 % im Mai angestiegen war, kletterte er im Juni weiter auf 4,5 %. Im Gegenzug sank die durchschnittliche Umlaufrendite festverzinslicher Wertpapiere von 5,5 % im Mai auf nur noch 5,4 % im Juni. Damit verringerte sich die Differenz zwischen lang- und kurzfristigen Zinsen weiter und lag im Juni nur noch bei 0,9 Prozentpunkten.

Steigende Zinsen dämpfen tendenziell die Investitionsbereitschaft, gerade wenn sie mit einem geringer werdenden Zinsvorsprung der langfristigen gegenüber den kurzfristigen Geldanlagen einhergehen. Die derzeitige Zinsentwicklung deutet insofern darauf hin, dass die konjunkturelle Dynamik in absehbarer Zeit ihren Höhepunkt erreicht haben wird.

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