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13.06.2000

12:16 Uhr

Otto Graf Lambsdorff behielt als Bundesbeauftragter im Entschädigungspoker Nerven und Anstand

Vom Steuersünder zum Retter der Unternehmer-Ehre

Er trat als Außenseiter an und verschaffte sich schnell Respekt über alle politischen Lager hinweg: Otto Graf Lambsdorff zeigte bei den Verhandlungen über NS-Entschädigungen politisches Geschick und Takt.

dpa BERLIN. Eigentlich schon im Ruhestand, kehrte der ehemalige Bundeswirtschaftsminister und FDP-Vorsitzende Otto Graf Lambsdorff im Juli 1999 noch einmal auf die politische Bühne zurück. Bundeskanzler Gerhard Schröder ernannte den 72-Jährigen zum Regierungsbeauftragten für Verhandlungen über die Entschädigung ehemaliger NS- Zwangsarbeiter. Lambsdorff löste den damaligen Kanzleramtsminister Bodo Hombach ab, der in den schwierigen Gesprächen nicht voran gekommen war.

Otto Friedrich Wilhelm von der Wenge Graf Lambsdorff, wie er mit vollem Namen heißt, entstammt dem westfälisch-baltischen Uradel. Er wurde 1926 in Aachen geboren, besuchte Schulen in Berlin und Brandenburg und studierte nach dem Krieg in Bonn und Köln Jura und Staatswissenschaften. 1951 trat er in die FDP ein, in der er bald Karriere machte. Im Oktober 1977 wurde er Bundeswirtschaftsminister.

Lambsdorff fädelte 1982 die Wende ein

Geschichte machte Lambsdorff mit seinem berühmten "Wendebrief", der 1982 den Koalitionswechsel der Liberalen von der SPD zur CDU/CSU einleitete. Zwei Jahre später endete seine Ministerkarriere, als er im Oktober 1984 wegen der Flick-Parteispendenaffäre den Hut nehmen musste. Das Bonner Landgericht sprach ihn 1987 vom Vorwurf der Bestechlichkeit frei, verurteilte ihn aber wegen Steuerhinterziehung zu 180 000 DM Geldstrafe. Im Oktober 1988 feierte er sein politisches Comeback. Der FDP-Parteitag wählte ihn als Nachfolger von Martin Bangemann zum neuen Parteivorsitzenden. Im Juni 1993 gab Lambsdorff den Parteivorsitz ab. Bei der Bundestagswahl 1998, die zu dem Regierungswechsel führt, trat Lambsdorff nicht mehr an. Das Parlament verlor damit einen seiner profiliertesten Redner.

Späte Genugtuung für früher erlittene Unbill erfuhr Lambsdorff bei der Zwangsarbeiterentschädigung. Seine Verhandlungsführung wird quer über alle politischen Lager hinweg gewürdigt. Für die SPD, die Lambsdorff früher heftig attackierte, stellte ihr Abgeordneter Dieter Wiefelspütz fest: "Noch nie sind Sie so intensiv von Sozialdemokraten gelobt worden."

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